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TV-Kritik/Review: "The Mist": Stephen-King-Verfilmung als serielles Graubrot

von Gian-Philip Andreas (19.07.2017)
Der Spike-Zehnteiler verlegt die Horror-Novelle in ein zwischenmenschliches Katastrophengebiet
Begeben sich in "The Mist": (v.l.) Soldat Bryan Hunt (Okezie Morro), Vater Kevin Copeland (Morgan Spector), Adrian Garf (Russell Posner) und Mia Lambert (Danica Curcic)
Bild: Spike
TV-Kritik/Review: "The Mist": Stephen-King-Verfilmung als serielles Graubrot/Bild: Spike

Schlechte Stephen-King-Verfilmungen gibt es viele, auch im Seriensegment ging es schon oft schief. Zuletzt gelang mit der Hulu-Produktion "11.22.63 - Der Anschlag" zwar ein durchaus unterhaltsamer, politisch unterfütterter Mystery-Zeitreisen-Thriller, doch das Zorngeschrei vieler Fans über die sehr schnell ruinöse Entwicklung von "Under the Dome" ist etwa noch bis heute zu hören. Grundsätzlich gilt: Man sollte skeptisch sein, wenn eine weitere King-Umsetzung angekündigt wird, zu viel Ausschussware gab es da bislang, zu wenig Volltreffer gelangen. Kein Wunder fast, dass seit dem letzten Jahr eine Serie als beste Stephen-King-Verfilmung aller Zeiten gilt, die gar nicht auf einer King-Vorlage beruhte, sich aber ganz genauso anfühlte: "Stranger Things".

Ungeachtet dieser Vorbehalte gibt es einen steten Strom von King-Nachschub. Einiges scheint derzeit vielversprechend: Im Kino steht im August der erste Teil des als Film- und Serien-Franchise konzipierten "Dark Tower"-Zyklus an (u.a. mit Matthew McConaughey), in wenigen Wochen darf man sich dann auf David E. Kelleys In-Serie-Setzung des Krimi-Romans "Mr. Mercedes" (mit dem genial knurrigen Brendan Gleeson) freuen, und Hulu hat mit "Castle Rock" eine Serie in der Pipeline, die gleich auf diversen Geschichten aus dem King-Universum beruht: Im Cast ist auch Sissy Spacek dabei, die in der ersten King-Verfilmung "Carrie" sehr unvergesslich die Titelrolle spielte.

Zuvor nun aber noch serielles Graubrot. Der dänische Autor Christian Torpe hat sich für den Kabelkanal Spike Kings klassische, 130 Seiten lange Novelle "Der Nebel" vorgenommen. Die erschien zuerst 1980 in der Horror-Anthologie "Dark Forces" (in Deutschland 1985 im Band "Im Morgengrauen"), hat mit John Carpenters Nebelhorror "The Fog" nichts zu tun und ist vor zehn Jahren schon einmal fürs Kino umgesetzt worden, damals inszeniert vom Gruselfilm-Zampano Frank Darabont ("The Walking Dead"). Der Film war gut und weitgehend vorlagengetreu, erzürnte aber viele King-Leser durch ein schwer erträgliches, böse-abgründiges Finale. Auch die Serie bleibt der Grundidee der Novelle nun grundlegend treu: Ein mysteriöser Nebel, in dem todbringende Ungeheuer lauern, legt sich über ein Kleinstädtchen im New-England-Bundesstaat Maine. Torpe verzichtet allerdings auf sämtliche handelnden Personen aus der Vorlage und kreiert stattdessen neue, die den Novellenfiguren ähnlich sind. Den nahezu alleinigen Schauplatz der Novelle, einen Supermarkt, in dem die Konflikte der vom Nebel Belagerten eskalieren, gibt es auch in der Serie, doch zwecks serieller Verbreitungsmöglichkeit wird er durch eine Kirche und eine Sheriffstation ergänzt, wo sich, anfangs zumindest, ebenfalls noch Überlebende aufhalten.

The Mist Alyssa Sutherland
Lehrerin Eve Copeland (Alyssa Sutherland) mit Tochter Alex (Gus Birney)

Eine wichtigere Änderung ist es allerdings, dass Torpe die "unerhörte Begebenheit" (Goethe) der Novelle im ganz realen Alltagsgrauen der heutigen US-Gesellschaft verortet. Als zentrales Protagonistenpaar werden die Eheleute Copeland eingeführt, über denen schon vor Eintreffen des Nebels das Damoklesschwert kommenden Unheils schwebt: Eve (von stolzer, herber Schönheit: Model Alyssa Sutherland, bekannt als "Vikings"-Prinzessin) wird eingangs als Lehrerin an der Highschool entlassen, nachdem ihr Sexualkundeunterricht im Elternbeirat des bigotten Städtchens für Empörung sorgte. Ihr Gatte Kevin (Morgan Spector) schlägt sich (als typisches Stephen-King-Alter-Ego und analoge Figur zu David Drayton, dem Erzähler der Novelle) mehr schlecht als recht als Autor durch - und wie schon bald offensiv angedeutet wird, hat er eine Phase als Alkoholiker hinter sich. Beider Teenie-Tochter Alex (Gus Birney, die als Figur in Typ und Optik an Natalia Dyer aus "Stranger Things" erinnert) zwingt ihre Eltern in eine Good-Cop-Bad-Cop-Dualität: Eve will Alex von Jungs fernhalten, Kevin möchte dagegen die Leine locker lassen. Das endet in der Pilotepisode katastrophisch: Auf einer Party, die Alex ohne Eves Wissen, aber mit Kevins Erlaubnis besucht, wird das Mädchen unter Drogen gesetzt und vergewaltigt. Ihr bester Freund, der genderfluide Adrian (Gus Birney), behauptet, den Täter gesehen zu haben: Jay Heisel (Luke Cosgrove), der von Alex umschwärmte, eigentlich ganz anständig wirkende Star-Quarterback des lokalen Football-Teams - und Sohn des selbstherrlichen Sheriffs Connor Heisel (Darren Pettie).

Noch bevor Alex Zeit hat, das traumatische Ereignis zu verarbeiten, schwebt der Teufelsnebel aus den Hügeln ins Tal hinab und taucht das Städtchen in verblüffend schlecht animierten Dunst: Frösche entsteigen in Scharen den örtlichen Tümpeln, allerlei Insekten aus der CGI-Grabbelkiste schwirren umher, bald werden die ersten Passanten von Horrorschaben und anderem Gekreuch dahingemetzelt. Hinter dem Unheil steckt auch hier, wie in der Vorlage, ein missratenes militärisches Experiment, was mehr oder weniger ab Episode zwei erahnbar ist. Inhaltlich kommt es rasch zur Trennung der Protagonisten: Eve und Alex finden sich ausgerechnet mit dem verdächtigten Vergewaltiger Jay Heisel in der "Bridgeville Mall" wieder, die hier als Erweiterung des Novellen-Supermarkts dient. Kevin dagegen harrt mit Connor und Adrian in der Sheriffstation aus, bis sie mit einigen anderen in der örtlichen Kirche Asyl finden. Die aus der Novelle bekannte Zuspitzung zwischen Hoffnung und Endzeitwahn wird, so viel steht fest, in der Serie so nicht stattfinden, denn die zentrale Antagonistin aus der Vorlage, die religiös-spinnöse Mrs. Carmody, zählt hier bereits zu den ersten Nebel-Opfern. In einer sehr unschönen Gore-Szene sieht man sie ohne Unterkiefer um ihr Leben schreien, nachdem ihr der untere Teil ihres Gesichtes, nun ja, entfernt wurde.

Drei weitere Figuren stehen im Mittelpunkt: Der unter Amnesie leidende Soldat Bryan Hunt (Okezie Morro), dessen Hund im Nebel von innen nach außen gestülpt wurde, rettet sich nach Bridgeville, um vor dem Nebel zu warnen, ohne aber genau zu wissen, warum. Die mysteriöse Kleinkriminelle Mia Lambert (Danica Curcic aus dem preisgekrönten dänischen Familiendrama "Silent Heart", das auch von Christian Torpe geschrieben wurde), die bei ihrem ersten Auftritt einen Unhold per Mistforke tötet, scheint ebenfalls eine diffuse Ahnung vom Nebel zu haben. Sie trifft im Gewaber auf ihre verhasste und mutmaßlich verstorbene Mutter, die sie ins Jenseits zu locken scheint. Ganz klar: Der Nebel ist hier nicht nur Heimstatt tentakelbewehrter Monster, sondern auch ein Hort von Geistern der Vergangenheit. Dann gibt's noch ein schönes Wiedersehen mit der erwiesenermaßen immer tollen Frances Conroy. Die versponnene Ruth Fisher aus "Six Feet Under" spielt hier Nathalie, die ältliche Nachbarin der Copelands, die bei Erstkontakt mit dem Nebel auf brachiale Weise ihres Ehemanns beraubt wird und fortan in spiritueller Entrückung versinkt: Gut möglich, dass sie den Part übernehmen wird, den in der Novelle (und im Film) Mrs. Carmody spielte.

Auf den ersten Blick genial: Frances Conroy als Nathalie

Komplett übel ist "The Mist" jedenfalls nicht, aber eben auch nicht besonders aufregend. Die bekannten King-Motive werden sorgsam in Stellung gebracht, darunter die übliche Gruppenbildung von einander mehr oder eher weniger wohlgesonnenen Menschen unter Extrembedingungen. Leute sind nicht die, als die sich ausgeben, es kommt zur Fraktionsbildung und zu melancholisch besungenen Montagesequenzen. Torpe gibt sich Mühe, den Stoff zu aktualisieren, mit Verweisen auf Männerbünde, rape culture und Terrorpanik. Die wechselnden Regisseure, darunter Adam Bernstein ("Fargo", "Better Call Saul") und "The Walking Dead"-Kamerachef David Boyd, bemühen sich um abgründige Bilder, was trotz budgetbedingt mäßiger Effekte oft gelingt.

Überraschungsmomente bleiben, jenseits pflichtschuldiger jump scares, leider trotzdem aus, dafür wirkt der Einsatz bluttriefender Horroreffekte fast übertrieben. Wie in der Novelle gilt es für Eve und Co. diverse "Aufgaben" zu erfüllen (das Funkgerät in einem vom Nebel bereits heimgesuchten Seitentrakt der Mall finden; mit einer Kameradrohne auf Spurensuche gehen), was für ein paar funktionable Suspense-Sequenzen sorgt. Das ist alles in Ordnung, aber auch nie mehr als das: "The Mist" ist weder spannend genug für verlässlich abgründigen Grusel noch trashig genug, um es des bloßen Camp-Faktors wegen genießen zu können.


Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Episoden der Serie "The Mist".

Meine Wertung: 2.5/5
Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: Spike

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Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").