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TV-Kritik/Review: "The Thing About Pam": Neue True-Crime-Komödie mit Renée Zellweger macht Spaß - sorgt aber für dubiosen Nachgeschmack

Miniserie um eine Provinzmatrone, die über Leichen geht
Hat viel Latex im Gesicht: Oscarpreisträgerin Renée Zellweger als Pam Hupp
NBC
TV-Kritik/Review: "The Thing About Pam": Neue True-Crime-Komödie mit Renée Zellweger macht Spaß - sorgt aber für dubiosen Nachgeschmack/NBC

Man kann wohl von einem Trend sprechen: Nach  "Pam & Tommy",  "Inventing Anna",  "Joe vs Carole" und  "The Dropout" kommt mit  "The Thing About Pam" schon der nächste zur Miniserie verwurstete True-Crime-Fall aus den USA daher. Der mit Renée Zellweger und Josh Duhamel prominent besetzte NBC-Sechsteiler bietet durchaus ordentliches Entertainment, kann aber eine gewisse Seichtigkeit nicht verhehlen und hinterlässt auf mehreren Ebenen gemischte Gefühle.

Fast scheint es so, als sei die Wirklichkeit inzwischen irre genug, um Autorinnen und Autoren das Erfinden eigener Storys dauerhaft abnehmen zu können. True-Crime-Dokus und -Reportagen sind nicht nur in der Welt der Streamingdienste schon längere Zeit wahre Zugriffsgaranten, immer häufiger dienen sie inzwischen auch als Vorlagen für nicht-dokumentarische Serienprojekte von mal mehr, mal weniger hoher Qualität. Nicht, dass es das nicht schon immer mal gegeben hätte:  "American Crime Story",  "The Act" oder  "Dirty John" sind prominente Beispiele aus den letzten Jahren. Aber die Häufung, gerade im Format der Limited Series, ist derzeit doch frappierend.

In diesem Fall konnte sich der ausstrahlende Sender NBC sogar aus dem eigenen True-Crime-Fundus bedienen: Der Fall der Pam Hupp, um den es in "The Thing About Pam" geht, trug sich in den frühen 2010er-Jahren in Missouri zu und wurde vor allem dadurch bekannt, dass er ausgiebig in gleich mehreren Episoden der Reportagesendung  "Dateline NBC" behandelt und 2019 dann auch noch Gegenstand eines sendungseigenen Podcast-Spin-Offs wurde, der denselben Titel trug wie nun die Serie.

Die zweifache Oscarpreisträgerin Renee Zellweger ( "Judy",  "Unterwegs nach Cold Mountain"), die zuvor mit ihrer Anwesenheit zwar schon eine Streamingserie ( "What/If"), aber noch keinerlei Network- oder Kabel-Serien beehrte, habe sich, so war zu lesen, den Machern als Hauptdarstellerin und Mitproduzentin geradezu aufgedrängt. Weil sie der echten Pam Hupp aber nur sehr vage ähnlichsieht, wurde seither viel über die Anzahl der Körper- und Gesichtsprothesen berichtet, die sie sich anpappen lassen musste, um die Rolle "ausfüllen" zu können. Schauspielerei ist allerdings nicht dasselbe wie ein Ähnlichkeitswettbewerb, und eine allzu große Differenz des gespielten Figur zum sonstigen Image des/der Spielenden kann dem erhofften Ergebnis daher auch ungewollt zuwiderlaufen: Der Fat Suit, die fleischigen Arme und die porösen Lippen, die sich Zellweger applizieren ließ, schieben sich sehr stark in den Vordergrund und lenken auf ungute Weise ab von der Figur, die sie spielen will und die sie auf anderer Ebene bemerkenswert gut trifft: Wer mal in den Podcast reingehört hat, staunt, wie perfekt Zellweger die näselnde Stimmlage von Pam Hupp zu imitieren in der Lage ist.

Die Lebenden und die Tote: Mordopfer Betsy Faria (Katy Mixon, 2.v.r.) zwischen Pam Hupp, Staatsanwältin Leah Askey (Judy Greer), Anwalt Joel Schwartz (Josh Duhamel) und ihrem verdächtigten Ehemann Russ (Glenn Fleshler).
Die Lebenden und die Tote: Mordopfer Betsy Faria (Katy Mixon, 2.v.r.) zwischen Pam Hupp, Staatsanwältin Leah Askey (Judy Greer), Anwalt Joel Schwartz (Josh Duhamel) und ihrem verdächtigten Ehemann Russ (Glenn Fleshler). NBC

Zum Plot: Zwei Tage nach Weihnachten 2011 liegt die schwer an Brust- und Leberkrebs erkrankte Versicherungsangestellte Betsy Faria (Katy Mixon,  "American Housewife") tot in ihrem Haus vor den Toren von Troy, Missouri, einer Kleinstadt etwa eine Fahrstunde nordwestlich von St. Louis. Die Polizei wird später 55 Messerstiche zählen, das Messer selbst steckt noch in ihrem Hals. Gefunden wird sie von ihrem Mann Russ (Glenn Fleshler aus  "Billions" und  "Barry"), einem gemütlichen Durchschnittstypen, der von einem Fernseh- und Spieleabend bei Freunden nach Hause zurückkehrt. Sein Notruf, in dem er den Selbstmord seiner schwerkranken Frau vermutet, kommt der Polizei sofort verdächtig vor: Wie gespielt wirkt seine Hysterie am Telefon.

Zum Hauptverdächtigen wird er aber nicht nur dadurch, sondern auch durch die gezielten Manipulationen von Betsy bester Freundin und Kollegin Pam Hupp (Zellweger), die nicht lange fackelt, ehe sie bereits beginnt, die lokalen Ermittler mit tatsächlichen oder möglicherweise erfundenen Wahrheiten über Russ zu versorgen: Suchtprobleme habe er, gewalttätig sei er, Betsy habe sich trennen wollen und so weiter. Zweifel sät sie auch am Alibi des Spieleabends bei den Freunden, sodass Russ, nachdem er zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt werden muss, sofort wieder verhaftet wird und fortan auf ein Gerichtsverfahren wartet. Währenddessen dient sich Pam bei Betsy Familie als Wohltäterin und Schulter zum Ausweinen an: Betsys Mutter (Suanne Spoke) und ihre Töchter aus einer früheren Beziehung (Gideon Adlon aus  "Der Hexenclub" und Olivia Luccardi aus  "It Follows") lassen sich von ihrer leicht übergriffigen, aber stets so unwiderstehlich verbindlichen Art anstecken.

In der zweiten Episode etabliert Autorin Jenny Klein ( "Supernatural",  "Marvel's Jessica Jones"), die die Pilotfolge noch mit der im Anschluss ausgestiegenen Jessica Borsiczky ( "House of Lies") entwickelte, dann eine Art Justizgroteske, mit der ehrgeizigen lokalen Staatsanwältin Leah Askey (Judy Greer,  "30 über Nacht") auf der einen und dem aus St. Louis angereisten Star-Anwalt Joel Schwartz (Josh Duhamel,  "Transformers",  "Safe Haven") auf der anderen Seite. Schwartz und sein Assistenten Nate werden von Anfang wissen gelassen, dass sie als Großstädter in Troy Fremde sind und dass sie gegen die geballte Mauschelmacht der lokalen Behörden keinerlei Chance haben werden: Die zuständige Richterin ist zugleich Askeys beste Freundin seit Kindertagen, der ermittelnde Captain (Adam David Thompson,  "A Teacher") ist Askeys Liebhaber. In Troy, Missouri, das wird rasch klar, sind es die Einheimischen, die die Narrative bestimmen. Das heißt: Russ ist schuldig. Und wenn was nicht ganz zu den Indizien passt, dann wird es halt passend gemacht. Sich Pam Hupp, dieses verdiente Mitglied der Gemeinde, und ihre finanziellen Interessen am Ableben von Betsy mal näher anzuschauen? Niemand denkt daran, nein: Niemand will daran denken.

Pam wird im Zeugenstand von Anwalt Schwartz verhört. Die Richterin ist korrupt.
Pam wird im Zeugenstand von Anwalt Schwartz verhört. Die Richterin ist korrupt. NBC

Dass das ein Fehler war, wissen inzwischen auch die Zuständigen, die von ihren Posten inzwischen entfernt wurden. Auch wenn man den Fall und seinen weiteren Verlauf nicht näher kennt und die Serie als eine Art Whodunit-Krimi genießen möchte, ist so gut wie nichts damit gespoilert, wenn man andeutet, dass Pam Hupp die eigentliche, mehr als zwielichtige Zentralgestalt dieses Mordfalls ist. Denn die Serie selbst macht dies von Anfang an klar. Erzählt wird sie nämlich als Komödie, und nicht nur das: wie eine Moritat, im ironisch-distanzierten Tonfall eines lustvollen Schauermärchens, das von der Torheit illusionsoffener Kleinbürger und den Listen täuschungsbereiter Schurken künden will. Eine Erzählerstimme (tatsächlich ist es "Dateline"-Kultreporter Keith Morrison) führt im Duktus eines sich in Bonmots und Aphorismen ergehenden Märchenonkels durch den Plot, ein Stilmittel, an das man sich zunächst einmal gewöhnen muss - und das auch danach nicht vollends zu überzeugen vermag.

Am ehesten erinnert das noch an die Serie  "Fargo" oder an andere Filme der Coen-Brüder, deren Blick gerade auf Menschen in der Provinz ebenfalls immer sehr mitleidlos ausfiel. Hier schrammt dieser Blick immer wieder am Denunziatorischen entlang, vor allem, wenn es um die Hauptfigur Pam Hupp geht, die in Zellwegers (optischer) Erscheinung als blonde Matrone, gehüllt in unvorteilhafte Winterjacken und gewagt gemusterte Blusen, wie die karikatureske Übertreibung von US-Moms aus dem ruralen Mittelwesten daherkommt. Obgleich sich Zellweger in ihren Dialogszenen redlich um eine gewisse Ambivalenz in dieser sehr schnell als eigentliche Übeltäterin feststehenden Figur bemüht, lenken ihr manieriertes Schniefen und das ständige Mitführen eines riesigen Softdrink-Bechers ebenso davon ab wie die erwähnten künstlichen Fettpolster. Ob man die gegen die Produktion bereits erhobenen Vorwürfe des "Fat Shamings" nun teilt oder nicht: Vor allem wirkt es sehr verkleidet.

Staatsanwältin Askey bangt um ihre Wiederwahl - und braucht dringend einen Schuldigen.
Staatsanwältin Askey bangt um ihre Wiederwahl - und braucht dringend einen Schuldigen. NBC

Auch die lokalen Ermittler rund um den überheblichen Detective McCarrick (Mac Brandt aus  "Lovecraft Country" und  "Kingdom") sowie die vereinzelt in den Blick genommenen weiteren Bewohner von Troy kommen kaum über den Status einer klischeehaften Typenparade hinweg. Andere wiederum, etwa Pams Ehemann Mark (Sean Bridgers,  "Raum"), bleiben in den ersten Episoden blass. Duhamel dagegen, dessen jüngster Auftritt in der längst wieder eingemotteten Superheldenserie  "Jupiter's Legacy" fast schon vergessen ist, macht aus dem Gitarre spielenden Anwalt Schwartz überraschenderweise schon in wenigen Szenen die sympathischste Figur in dieser ansonsten alles andere als subtilen Gemengelage.

So ist der Eindruck nach den zwei bislang gesendeten Episoden ein zwiespältiger: Unterhaltsam sind diese kaum dreiviertelstündigen, von Regisseur Scott Winant ( "True Blood",  "Die besten Jahre") mit allerlei Wischblenden und anderen extrovertierten Einfällen garnierten Folgen schon, und auch jene Zuschauer, die bereits wissen, welche Verwicklungen (und Morde) dieser reale Fall noch bereithält, dürften sich dabei nicht langweilen. Doch die reine Lust am simplen bis seichten Entertainment wird durch die genannten Misstöne immer wieder getrübt. Am Ende stellt sich damit eine Frage, die jeder für sich beantworten muss: Geht der komödiantische, tendenziell auch arrogante Sound, dessen sich die Produzenten hier befleißigen, wirklich zusammen mit dem realen Mordfall, um den es dabei geht? Wie fühlt sich das zum Beispiel für Betsy Farias Hinterbliebene an, die hier unter Klarnamen, von Schauspielern gespielt, zum Gegenstand einer Farce gemacht werden? In anderen aktuellen Produktionen mag dieser Tonfall angemessen sein. Doch in "Pam & Tommy" ging es etwa um ein entwendetes Sexvideo im Milieu der Reichen und Schönen - und nicht um letztlich sehr tragische Mordfälle in einer Kleinstadt.

Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten beiden Folgen von "The Thing About Pam".

Meine Wertung: 3/5

Die sechsteilige Miniserie "The Thing About Pam" wird aktuell in den USA beim Sender NBC ausgestrahlt. Ob, wann und wie sie nach Deutschland kommen wird, ist noch nicht bestätigt.


 

Über den Autor

Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").

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