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TV-Kritik: "Feud"
(18.03.2017)

Mit der aktuellen Serie
Erzählt wird in acht Folgen die mehr oder weniger wahre Geschichte der Dreharbeiten zu "Was geschah wirklich mit Baby Jane?", einem etwas trashigen Horrordrama von 1962, das den beiden gealterten Hollywood-Diven Bette Davis und Joan Crawford zu Comebacks verhalf. Beide waren zu dem Zeitpunkt zwischen 50 und 60 Jahre alt und damit in einem Alter, in dem es für Schauspielerinnen in Hollywood damals fast unmöglich war, gute Rollen zu bekommen. So spielt Davis am Broadway Theater, während die etwas ältere Crawford verzweifelt nach einem Drehbuch sucht, das sie ihren Fähigkeiten für angemessen hält. Ein solches findet sie zwar nicht, dafür aber den vor kurzem erschienenen Roman, der gleich zwei Frauen mittleren Alters als Hauptfiguren hat. Crawford überredet zuerst ihre langjährige Rivalin Davis, die Titelrolle der durchgeknallten Baby Jane Hudson zu übernehmen, während sie selbst deren an den Rollstuhl gefesselte Schwester Blanche verkörpern will. Danach gewinnt sie Robert Aldrich (Alfred Molina) als Regisseur, mit dem sie bereits sechs Jahre zuvor den Film "Autumn Leaves" (deutscher Titel: "Herbststürme") gedreht hat. Aldrich scheitert zunächst mit seinen Versuchen, die großen Studios von dem Projekt mit den beiden Stars, die ihren Zenit scheinbar längst überschritten haben, zu überzeugen. Schließlich sagt Jack Warner (Stanley Tucci) zu, den Film zu verleihen. Aldrich ahnt noch nicht, was er sich mit dem Engagement zugemutet hat, gönnen sich seine beiden leading ladies während des Drehs doch gegenseitig nicht einmal die Butter auf dem Brot.

Natürlich kann man die Geschichte auch anders lesen: als Kommentar zum Jugend- und Schönheitswahn der Filmindustrie, an dem sich bis heute nichts geändert hat, zur latenten Mysogynie einer Gesellschaft, die Frauen noch immer vornehmlich nach Äußerlichkeiten statt nach Talent beurteilt. Einer Gesellschaft, die Frauen dazu zwingt, mit allen Mitteln gegeneinander zu konkurrieren statt zusammen für ein gemeinsames Ziel zu kämpfen. So fordert Studioboss Jack Warner Regisseur Aldrich gezielt auf, die Fehde zwischen dessen beiden Stars weiter anzustacheln, um dem Film zu mehr Publicity zu verhelfen. Da beide Schauspielerinnen aber als ziemlich durchgeknallt dargestellt werden (Crawford etwas stärker), mildert das die kritische Aussage wieder ab. Sowieso fällt das Statement der Autoren zu den realen Ereignissen hier nie so stark aus wie in Murphys "American Crime Story: The People v. O. J. Simpson".

Das ändert aber leider alles nichts daran, dass das Konzept dieser ersten Staffel von "Feud" nicht so überzeugt wie bei Murphys vorherigen Anthologieserien, insbesondere der grandiosen Aufarbeitung des O.J. Simpson-Falls. In der zweiten Staffel soll dann übrigens die Fehde zwischen Prinz Charles und Lady Diana beleuchtet werden. Vielleicht hat die ja mehr Pep.
Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten beiden Episoden von "Feud".
Marcus Kirzynowski
© Alle Bilder: FX Networks
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