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TV-Kritik/Review: "Killing Eve": Sandra Oh gegen die stylische Killerin
von Marcus Kirzynowski(23.04.2018)

Ja, so stellt man sich gemeinhin das Leben als Auftragskillerin vor: schöne Altbauwohnung in Paris, aber eh nur selten daheim, weil einen die Missionen ständig in irgendwelche anderen aufregenden Metropolen führen. Mit den üppigen Honoraren kann man sich dann noch einen recht luxuriösen Lifestyle leisten, inklusive schöner Kleider und teurer Designer-Bettwäsche. Wenn man Bock auf Sex hat, verführt man einfach mal schnell den neuen spanischen Nachbarn - nur dumm, wenn der dann so unvorsichtig ist, an dem Parfumflakon zu riechen, den man gerade noch benutzt hat, um eine Zielperson um die Ecke zu bringen. Die junge Frau, die dieses ungewöhnliche Alltagsleben führt, nennt sich nur Villanelle und wird in der Serie
Viel normaler fällt dagegen der Alltag der zweiten Hauptfigur aus, und das, obwohl die beim britischen Geheimdienst MI5 arbeitet. Allerdings hat Eve Polastri (Ex-
Eves Ehrgeiz lässt sie aber von einer Karriere als Spionin träumen. Diesem Traum kommt sie näher, als sie nach dem Mordanschlag auf einen russischen Geschäftsmann ohne Auftrag von ihren Vorgesetzten eigene Ermittlungen anstellt. Schnell ist sie überzeugt, dass es sich beim Täter um eine Frau handeln muss. Beim Versuch, die einzige überlebende Zeugin des Anschlags in einem Londoner Krankenhaus zu befragen, entkommt Eve nur knapp dem Tod: Denn um die unliebsame Zeugin zu beseitigen, bringt die eiskalte Killerin auch gleich noch alle anderen Anwesenden auf der Station um. Die Agentin überlebt lediglich, weil sie gerade auf der Toilette ist - wo sie kurz zuvor am Waschbecken auch Villanelle begegnet, ohne zu ahnen, dass sie mit der Mörderin spricht. Nun ist die Motivation gestiftet für den Wettstreit zwischen den beiden ungleichen Frauen, von dem man ahnt, dass er nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt sportlich bleiben kann - der Serientitel deutet es an.

"Killing Eve" ist die neue Thriller-Dramaserie des Kabelsenders BBC America, von der bereits vor Serienstart eine zweite Staffel bestellt wurde. Hinter der Serie steckt Phoebe Waller-Bridge, auf deren Konto schon die BBC Three-Comedyserie

Bevor sie in der Toskana ihr nächstes Opfer erledigt, fragt sie den gealterten Mafiaboss noch, wo er die schönen Bettdecken in seinem Schlafzimmer her habe. Nachdem sie ihn auf brutalste Weise mit einer vergifteten Haarnadel ermordet hat, notiert sie sich noch schnell den Namen des Designers auf ihrer Hand. Es ist dieser bitterböse trockene (und oft wortlose) Humor, der "Killing Eve" auszeichnet, den man allerdings mögen muss. Die Mischung aus brutalen Mordmethoden und emotionsloser (Nicht-)Reaktion der Killerin stößt jedoch wahrscheinlich nicht nur dem Kritiker unangenehm auf. Sie folgt dem unsympathischen Trend der vergangenen Jahre, Gewalt immer "cooler" und gleichzeitig expliziter zu inszenieren.

Es ist aber etwas anderes, woran die beiden Auftaktepisoden in erster Linie kranken. Trotz aller Versuche, das Geschehen cool, stylish und originell in Szene zu setzen - was natürlich auch die Auswahl von Songs umfasst, die die blutigen Taten pfiffig-ironisch kommentieren -, bleibt die Handlung selbst doch reichlich konventionell. Dass Möchtegernspionin Eve nach anfänglichem Widerstand ihrer Vorgesetzten doch noch die Chance bekommen wird zu zeigen, was in ihr steckt, ist ebenso meilenweit vorhersehbar wie das baldige Ableben des sympathisch-naiven und etwas zu aufdringlichen Liebhabers. Und an der Figurenkonstellation der beiden ungleichen Gegnerinnen auf entgegengesetzten Seiten des Gesetzes ist nur originell, dass es sich diesmal eben um zwei Frauen handelt. Die Identifikation fällt dabei nicht nur mit der gefühlskalten Villanelle schwer, sondern auch mit der ziemlich anstrengenden Eve, die dauernd quasselt und etwas zu sehr auf unkonventionelle Ermittlerin getrimmt ist. Zumindest können die beiden Hauptdarstellerinnen überzeugen. Die Nebendarsteller bleiben hingegen farblos, vielleicht mit Ausnahme des Dänen Kim Bodnia (aus den ersten beiden Staffeln von Die Brücke). Der spielt Villanelles Auftragsvermittler und damit eine ganz ähnliche Rolle wie in der israelischen Serie
Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten beiden Episoden der Serie "Killing Eve".
Marcus Kirzynowski
© Alle Bilder: BBC America
Die achtteilige Auftaktstaffel von "Killing Eve" wird seit Anfang April in den USA beim Sender BBC America ausgestrahlt, die Serie wurde bereits vor Ausstrahlungsbeginn um eine zweite Staffel verlängert. Eine deutsche Heimat für die Serie ist noch nicht bekannt geworden.
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Leserkommentare
Sentinel2003 schrieb am 13.04.2019, 13.25 Uhr:
Joar, @Fernsehzuschauer: ich glaube, die Kollegen von SJ kennen bzw.. können entweder NUR total negative oder total positive Kritiken, ein Dazwischen scheint's für die leider nicht zu geben!!Ich verstehe den Wind um diese Serie null!! Ich bin jetzt mittendrin bei Folge 1 und habe schon keinen Bock mehr drauf, da ich Krimi - Serien mit zuviel Komödien Anteil null leiden kann!!Fernsehschauer schrieb am 30.04.2018, 17.17 Uhr:
Ich glaub ihr schreibt immer die wahren Kritiken(mit ein paar Ausnahmen). Nicht so wie eure Kollegen von SJSentinel2003 schrieb am 25.04.2018, 09.32 Uhr:
Boah ey, ist das komisch, Sandra Oh nicht im Arzt - Kittel zu Sehen.
Seit Sie ausgestiegen ist bei "Grey", Sehe ich die Serie nicht mehr, da es für mich keinen Sinn mehr macht.
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