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TV-Kritik/Review: "Euer Ehren": Sebastian Koch überzeugt als fallender Richter in ARD-Miniserie
von Marcus Kirzynowski(08.04.2022)

Richter Michael Jacobi (Sebastian Koch) gehört zu jenen Menschen, die (fast) alles haben: eine angesehene und gut bezahlte Stelle, einen Platz an der Spitze der Gesellschaft, ein großes Haus, einen gesunden Sohn. Aber von einem Tag auf den anderen wird er (fast) alles verlieren, das ihm etwas bedeutet - vor allem seine moralischen Grundsätze.
Die sechsteilige deutsch-österreichische Miniserie

Der Stein kommt nun ins Rollen, als ebenjener Teenager nach seiner misslungenen Fahrprüfung auf eigene Faust mit dem Auto losfährt und einen Motorradfahrer umnietet, danach begeht er Fahrerflucht. Das ganze Ausmaß des Unheils begreift Michael Jacobi erst, als er im Fernsehen sieht, dass das Unfallopfer ausgerechnet der Sohn des verurteilten Clanchefs ist. Ihm ist klar, dass das Leben seines eigenen Sohns keinen Pfifferling mehr wert wäre, sollten die Serben erfahren, dass der das Auto fuhr. Also setzt Jacobi auf Schweigen und Vertuschen und lässt den Unfallwagen beseitigen. Dabei helfen ihm seine freundschaftlichen Beziehungen zu zahlreichen Beamten verschiedener Behörden, von der Kriminalkommissarin Gabriele Kirchner (Ursula Strauss) bis zu dem Zöllner Franz Brunner (Sascha Alexander Geršak), der selbst eine kriminelle Vorgeschichte hat. Doch dummerweise wird der angeheuerte Fahrer von der Polizei geschnappt und auch Kirchner schöpft Verdacht. Jacobi, von allen Seiten bedroht, agiert zunehmend verzweifelter und schreckt schließlich selbst nicht mehr davor zurück, zum Verbrecher zu werden.

Es ist eine alte Geschichte: Der Vater, der, um seinen Sohn zu retten, alle Grenzen überschreitet, bis ihm nicht einmal mehr seine Selbstachtung bleibt. Sebastian Koch spielt diesen psychischen und moralischen Niedergang glaubhaft und vielschichtig. Handelt Jacobi anfangs noch (vermeintlich) zweckrational, ruhig und überlegt, wird sein Agieren zunehmend hektischer und emotionaler, bis er seine Nerven nicht mehr im Griff hat. Seine Gegenspielerin Kirchner verkörpert Ursula Strauss (
Das Drehbuch von David Marian und David Nawrath (letzterer hat auch die Regie übernommen) spielt recht geschickt mit den Identifikationsmustern der Zuschauenden. Fühlt man zu Beginn noch klar mit Jacobi und bangt in gefährlichen Situationen, dass er und sein Sohn nicht auffliegen, verschieben sich in den späteren Folgen die Sympathien langsam zu Gunsten der Kommissarin und der Opfer, die Jacobis im Grunde egoistisches Handeln als "Kollateralschäden" hinterlässt.

Eingebettet ist die Geschichte der Jacobis in den größeren Rahmen des Bandenkriegs zwischen zwei Mafiaclans, die den Tiroler Drogenhandel beherrschen: auf der einen Seite die Sailovics, auf der anderen die Italiener, die wiederum mit dem örtlichen Fleischtycoon Uli Lindner (Tobias Moretti) zusammenarbeiten. Letzteren spielt der österreichische Star mit blonder Dieter Bohlen-Gedenkfrisur und starkem Tiroler Akzent immer etwas zu stark an der Grenze zum Overacting. Paula Beer (
Es sind solche vielschichtigen Figuren, die die Geschichte interessant machen. Leider setzen die Autoren insgesamt doch mehr auf den oftmals konstruiert wirkenden Plot als auf Charakterzeichnungen und -entwicklung. Der von Anfang an unglaubwürdig wirkende Zufall von Unfallopfer und -verursacher wird zwar gegen Ende entkräftet, aber auch sonst greifen einige Räder einfach zu reibungslos ineinander. Alleine schon das Figurengeflecht: Klar, Innsbruck ist keine Weltmetropole, aber dass sich in der Tiroler Landeshauptstadt alle untereinander zu kennen scheinen - nicht nur Richter, Polizisten, Politiker und Fabrikanten, sondern auch noch Zöllner, wirkt schon unrealistisch.

Insgesamt gelingt Marian und Marwath aber durchaus ein faszinierendes Porträt einer Stadt im gefühlt ewigen Winter, wozu die Kameraarbeit von Tobias von dem Borne beiträgt: schneebedeckt, dunkel, eingeklemmt zwischen hohen Bergen, sind die Menschen hier auf sich selbst zurückgeworfen. Aus der Enge der gesellschaftlichen Verstrickungen gibt es kein Entkommen. Mit etwas glaubwürdigeren Plotentwicklungen und einem nicht so durchwachsenen Ensemble hätte aus dieser Version von "Your Honor" ein echtes deutschsprachiges Serienhighlight werden können.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der kompletten Miniserie "Euer Ehren".
Das Erste zeigt die Miniserie am Samstag, den 9. April ab 20.15 Uhr mit vier Folgen und am Sonntag, den 10. April ab 21.45 Uhr mit zwei Folgen. In der ARD Mediathek sind bereits alle sechs Episoden verfügbar.
Über den Autor
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Leserkommentare
JulesKaia schrieb am 09.04.2022, 18.45 Uhr:
Habe die Serie schon durchgesuchtet. Meine Wertung 4/5. Großartige Schauspieler, steigende Spannung , aber zw 5 und 6 ein irrer Storysprung und offene Fragen!wolle64 schrieb via tvforen.de am 09.04.2022, 08.22 Uhr:
Ich habe mir jetzt die erste Folge in der Mediathek angesehen, und sie macht Lust auf mehr.Letzendlich wegen Bryan Cranston drängt sich auch der Vergleich zu "Breakung Bad"/"Morgen höre ich auf" auf. Das war eher ein Satz mit X, also nix."Euer Ehren" ist eine gute Adaption des us-amerikanischen "Your Honor" auf mitteleuropäische Verhältnisse.
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