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NEO Magazin Royale
Jan Böhmermann - ab sofort auch am Programmrand des ZDF

wunschliste.de war bei der Aufzeichnung der ersten Ausgabe des "NEO Magazin Royale" und erläutert, inwiefern sich das Format von der ursprünglichen Version unterscheidet.

Das hat Jan Böhmermann schon sehr clever eingefädelt. Seit Oktober 2013 moderiert der Entertainer, der spätestens seit der satirischen Talkshow "Roche & Böhmermann" zu einem Kritikerliebling geworden ist, bei ZDFneo eine Sendung unter dem Decknamen "NEO Magazin". In Wirklichkeit handelte es sich allerdings nie um ein Magazin. Stattdessen hat sich Böhmermann nach und nach eine auf ihn zugeschnittene Personality-Show zusammengezimmert, die immer mehr Elemente einer klassischen Late-Night beinhaltete. Mehr oder weniger zufällig wurde beispielsweise Sprecher William Cohn als fester Sidekick etabliert. In der Nische konnte man ungestört optimieren und herumbasteln - für die erfrischende Experimentierfreude erhielt das Team bereits den Grimme-Preis.

Dies konnte das ZDF nicht mehr länger ignorieren und bot Böhmermann nach Jahren des undankbaren Nischendaseins einen Zwei-Jahres-Vertrag und den Sprung ins Hauptprogramm an. "Jan Böhmermann und die bildundtonfabrik stehen mit dem 'NEO Magazin' für das Fernsehen von morgen: schlagfertig, provokant, unterhaltsam", lobte ZDFneo-Senderchefin Simone Emmelius. Während die Erstausstrahlung weiterhin donnerstags um 22.15 Uhr auf dem Ableger ZDFneo stattfindet, wird das "NEO Magazin", das jetzt den Zusatz "Royale" trägt, nun auch gegen Mitternacht am Freitagabend im ZDF gezeigt. So richtig aus der Nische kommt Böhmermann also nicht. Die Schlagzahl wurde allerdings erhöht: Waren bisher lediglich kurze Staffeln zu je neun Folgen produziert worden, wurden nun gleich 34 Ausgaben bestellt, die weiterhin wöchentlich zu sehen sind.

Schon beim Betreten des neuen, deutlich größeren Studios in einer ehemaligen Teppichverkaufshalle spürt man, dass eine neue Ära des "NEO Magazins" anbricht. Vorbei sind die Zeiten der minimalistischen, intimen Atmosphäre eines Club-Kellers. Stattdessen "royale" Publikumsränge und genug Platz für eine sechsköpfige Band. Der Rapper Dendemann und die "freien Radikale" nehmen als feste Studioband die rechte Seite der Bühne ein, während Böhmermanns Schreibtisch und William Cohns Rednerpult auf der linken Seite platziert sind. Die Grundtöne des Studios sind in einem dunklen Braun-blau gehalten, doch allgemein wirkt die royale Aufmachung deutlicher weniger retro-lastig als die bisherige Variante. Kaum etwas erinnert noch an die ursprüngliche Vorlage des "ZDF Magazins", das bis 1988 von Gerhard Löwenthal moderiert wurde. Jan Böhmermann, der in alter Showmaster-Manier das Warmup selbst übernimmt, ist vor allem stolz auf den neuen "shiny floor" des Studios. Bevor die Aufzeichnung beginnt, gibt der Moderator noch letzte Sicherheitshinweise und kann die Zuschauer beruhigen, dass es nun im Gegensatz zum alten Studio tatsächlich Notausgänge und damit im Falle des Falles Überlebenschancen gibt.

Die eigentliche Show beginnt mit einem Einspielfilm, der an die Vorab-Teaser der "ZDF-Medienforschung" anknüpft. Jan Böhmermann bespricht mit einem Expertenteam, welcher Vorspann am besten zum "NEO Magazin Royale" passt. Ihm werden mehrere Varianten präsentiert, die kollegiale Grüße an Joko & Klaas, Oliver Welke und Harald Schmidt beinhalten. Letztendlich entscheidet sich der Entertainer allerdings für ein animiertes Intro, das an klassische Agenten-Comics erinnert und gewohnt aufwendig produziert ist.

NEO Magazin
Dendemann ist Frontmann der "NEO Magazin Royale"-Showband.
Anschließend folgt die wohl größte Veränderung des Formats: Jan Böhmermann betritt durch einen großen Vorhang die Bühne und absolviert - im Stehen - einen ganz klassischen Stand-Up-Monolog, so wie es in jeder herkömmlichen Late-Night-Show des amerikanischen Fernsehens üblich ist und in Deutschland 19 Jahre lang von Harald Schmidt praktiziert wurde. Das tagesaktuelle Geschehen wird von Böhmermann satirisch und pointiert kommentiert - ohne sich in Insidergags oder Spitzen zu verlieren, die nur ein Nischenpublikum versteht. Zwischendurch wendet er sich an Sprecher William Cohn und Bandleader Dendemann, die nun zu zweit die Funktion der Sidekicks übernehmen. Herausragende Witze werden von der Band mit einem Tusch belohnt, auch wenn diese ihren Einsatz noch hin und wieder verpasst.

Erst anschließend nimmt Böhmermann an seinem Schreibtisch Platz, der nun moderner ausgestattet ist. Das orange Retro-Telefon wurde durch einen Laptop ersetzt. Außerdem präsentiert er eine Lampe, die durch ein Aufleuchten signalisieren soll, wenn der Intendant zuschaut. Kurz darauf klingelt es und Crew-Mitglied Florentin Will betritt im Postboten-Outfit das Studio. Langjährige Zuschauer der "Harald Schmidt Show" werden darin eine Anspielung auf "Letterman" erkennen, der in der Anfangsphase von Harald Schmidts Late-Night die Zuschauerpost vorbeigebracht hat. Beim "NEO Magazin Royale" verkörpert Florentin Will allerdings den sogenannten "Beefträger", der die neuesten Anfeindungen gegenüber Böhmermann im Gepäck hat. In der Premierenausgabe wurden in Form von kurzen Videoclips die Meinungen der Rapper Haftbefehl und Fler über den Moderator wiedergegeben - die auf Grund unfreiwilliger Komik eigentlich keine weitere humoristische Aufarbeitung benötigen. Böhmermann antwortet trotzdem in Form von mit Feder geschriebenen Briefen.

Anschließend ist es schon an der Zeit, die Gäste zu begrüßen - es handelt sich um die Electro-Hiphop-Formation Deichkind. William Cohn stellt die Kombo in altbekannter Form mit einem kleinen Diafilm vor. Nach einem kurzen, relativ unspektakulären Talk kommen Retro-Fans doch noch auf ihre Kosten: Angeblich haben Deichkind ihren aktuellen Song "So 'ne Musik" von einer 1980er-Jahre-Band geklaut. Zum Beweis wird ein vermeintlicher Ausschnitt aus der ZDF-Musikshow "disco" gezeigt. In Wirklichkeit schlüpfen natürlich Deichkind selbst in alte Disco-Outfits und werden dabei von Böhmermann mit einem Umhängekeyboard unterstützt. Relativ abrupt endet anschließend bereits die erste Ausgabe von "NEO Magazin Royale".

Fazit: Es ist klar erkennbar, in welche Richtung Jan Böhmermann mit dem "NEO Magazin Royale" steuert - mehr Late-Night, weniger Retro scheint das Motto zu sein. Altbekannte Rubriken wie etwa "Prism is a Dancer", "Das digitale Quartett", "Williams Internetecke" oder die "Bastel Brothers" gab es zumindest in der Premierenfolge nicht. Gut möglich allerdings, dass diese in den kommenden Sendungen fortgeführt werden, wenn mehr Zeit übrig ist. Apropos Zeit: Die könnte zu einem Verhängnis werden. Sollte der aktuelle Ablauf der Show beibehalten werden, bleibt für redaktionelle Einspielfilme, die charakteristisch für den Charme des "NEO Magazins" standen, zwischen dem Stand-Up-Teil und der Begrüßung der Gäste kaum noch Platz. Dies war schon während der letzten Phase der "Harald Schmidt Show" bei Sky ein dauerhaftes Problem. 45 statt 30 Minuten würden der Sendung deshalb gut tun, die durchaus großes Potential besitzt. Wenn sich Böhmermann, Cohn und Dendemann nach und nach eingrooven und sich gegenseitig die Bälle zuwerfen, könnte das "NEO Magazin Royale" zur Renaissance der deutschen Late-Night-Show werden - und das würde der aktuellen Fernsehlandschaft mehr als gut tun. "Könnte sein, dass wir nach zwei Wochen im ZDF wegen schlechter Quoten abgesetzt werden. Aber bei Neo bleiben wir auf jeden Fall", verspricht Jan Böhmermann optimistisch nach dem Ende der Aufzeichnung.


Glenn Riedmeier
© Alle Bilder: ZDF/Ben Knabe


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Leserkommentare

  • #642476 schrieb am 09.02.2015, 22.30 Uhr:
    #642476Grausame show-mein erster Gedanke.Da passte so gut wie gar nichts.Böhmi ist nicht wirklich für den Job geeignet.Unentspannt,mieses timing,Studioaufteilung und Farbgebung sind unangenehm.Wenn schon klassisch Latenight,dann bitte richtig klauen wie Schmidt seinerzeit.Die kaum vorhandenen Entertainerqualitäten kann man aber nicht durch hektische HipHop-Insiderwitze kompensieren.
  • bugmenot schrieb am 06.02.2015, 18.40 Uhr:
    bugmenotEin Gewinn für die deutsche Fernsehlandschaft wäre, wenn Pubertierende bzw. Ganz-Lebens-Infantile keine Sendung erhalten. Nix fand ich bisher peinliche als die schlechten Witze von Böhmermann
 

Über den Autor

  • Glenn Riedmeier
Glenn Riedmeier ist Jahrgang '85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. "Bim Bam Bino", "Vampy" und der "Li-La-Launebär" waren ständige Begleiter zwischen den "Schlümpfen", "Familie Feuerstein" und "Bugs Bunny". Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. "Ruck Zuck" oder "Kaum zu glauben!". Auch für Realityshows wie den Klassiker "Big Brother" hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie "Die Harald Schmidt Show" und "PussyTerror TV", hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie "Eine schrecklich nette Familie" und "Roseanne", aber auch schräge Mysteryserien wie "Twin Peaks" und "Orphan Black". Seit Anfang 2013 ist er bei TV Wunschliste vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.