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TV-Kritik/Review: "Roots"

Kraftvolle Neuverfilmung mit starken Darstellern - von Gian-Philip Andreas (06.06.2016)
TV-Kritik/Review: "Roots"

Roots
Von Misshandlung gezeichnet: Malachi Kirby als Kunta Kinte


Keine noch so knappe Fernsehgeschichte kommt ohne einen Eintrag zu "Roots" aus. Der Achtteiler, der 1977 von ABC ausgestrahlt wurde, war einer der größten Straßenfeger der 1970er Jahre: Bis zu 130 Millionen Zuschauer schalteten damals ein, es hagelte 37 Emmy-Nominierungen und den Golden Globe als beste Drama-Serie. Auch wenn die Konzessionen an den (weißen) Massengeschmack aus heutiger Perspektive unübersehbar sind, und auch die Episoden keineswegs frei von Kitsch und Stereotypen waren, gilt "Roots" nach wie vor als Meilenstein: Nie zuvor war dem Mainstream-Publikum das Thema der afro-amerikanischen (Sklaverei-)Geschichte derart breitenwirksam und effektvoll vorgesetzt worden. Teile der Black Community lehnen es mit guten Gründen ab, "Roots" als massenmediale Wegmarke im Kampf um Gleichberechtigung zu bezeichnen; für den Blick von außen aber, für den Blick der nicht nur amerikanischen Mehrheit auf die afro-amerikanische Leidensgeschichte, kann die Wirkung dieser Mini-Serie nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Der ein Jahr vor der Serie erschienene, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Roman des Journalisten Alex Haley, auf dem "Roots" sehr texttreu basierte, war schon für sich genommen eine Sensation, ein Welt-Bestseller, obwohl bezweifelt wurde, dass die behauptete Verwandtschaftsbeziehung Haleys zu seiner Romanfigur Kunta Kinte, dem als Sklave ins Amerika der Kolonialzeit verschleppten Jungen aus Westafrika, tatsächlich eine war. Selbst Plagiatsvorwürfe konnten der Wirkmacht der bald dokumentarisch, bald kraftmeierisch nach vorne erzählten Prosa, die Kuntas Leben und das der ihm folgenden Familiengenerationen über mehr als ein Jahrhundert hinweg verfolgte, bis heute nichts anhaben. Die Serie hat dem Roman an Berühmtheit schnell den Rang abgelaufen. Es folgte 1979 ein Sequel, 1988 ein Christmas Special. Aber: Brauchte es jetzt, fast vierzig Jahre später, ein Remake?

Die Frage ist natürlich völlig überflüssig - in Zeiten, in denen sich Hollywood und weite Teile der TV-Industrie darauf verlegt haben, fast nur noch Bekanntes wiederzuverwerten, Vergessenes zu entstauben, zu remixen, zu remaken, zu rebooten. Der Kontext stimmt jedenfalls: Erstens sind mit dem oscargekrönten "12 Years a Slave" und dem derzeit hymnisch gefeierten "Birth of a Nation" (startet in Deutschland erst im Januar 2017) während Barack Obamas zweiter Amtszeit wichtige Sklavendramen ins Kino gekommen. Zweitens hat Star-Rapper Kendrick Lamar einen seiner genialsten Tracks nach dem Haleyschen Protagonisten benannt: "King Kunta". "Black man taking no losses", heißt es im Refrain - und verkraften wird er auch ein möglicherweise überflüssiges Remake, wie es jetzt vom Kabelsender History Channel mit "Roots" in vier zweistündigen Doppelepisoden geliefert wird. Trotzdem hat Rap-Kollege Snoop Dogg vorab in einem wutschnaubenden Video zum Boykott aufgerufen: Er könne all diese Filme und Serien nicht mehr ertragen, die die Schwarzen nur als Opfer zeigten.

Da ist durchaus was dran; allerdings sollte man den Machern (um die Autoren Lawrence Konner und Mark Rosenthal, die mit ihrem Skript zum "Planet der Affen" von Tim Burton eher wenig ruhmreiche Remake-Erfahrung besitzen) dennoch die Chance geben, sich dem legendären Sujet mit anderen Schwerpunktsetzungen zu nähern, bevor geschimpft wird. Grund zu positiver Überraschung gibt es nämlich gleich von Anfang an: Bloßes 1:1-Nacherzählen der Originalserie scheint hier nicht der Plan gewesen zu sein.

Malachi Kirby in Roots
Kunta Kinte hier noch als stolzer Krieger
In der ersten der vier Doppel-Episoden, inszeniert von Film-Veteran Phillip Noyce ("Salt"), der sich den Regiestuhl paritätisch mit einem weiteren weißen (Bruce Beresford) und zwei schwarzen Regisseuren (Thomas Carter, Mario van Peebles) teilt, wird deutlich mehr Screentime dafür verwendet, Kunta Kintes Jugend in seinem Heimatdorf Juffure (im heutigen Gambia) auszumalen -- in kinoreifen Bildern, die mir mit Gesang, tribalem Getrommel und viel fototapetenhafter Abendsonnenstimmung allerdings auch nicht ohne Folklore-Klischees auszukommen scheinen. Dennoch zieht der Plot, der im Jahr 1765 einsetzt, also gut eine Dekade vor der Unabhängigkeitserklärung der USA, ebenso sympathisch wie dramatisch in die Geschichte hinein. Der junge Kunta aus dem Volk der Mandinka, der mit 15 Jahren eine Art Bootcamp für angehende Krieger absolviert, wird vom Newcomer Malachi Kirby gespielt - eine aufregende, vor Energie berstende Performance, die ganz anders ist als die des späteren "Star Trek"-Stars LeVar Burton, der im Original-"Roots" als Kunta seinen Durchbruch feierte (und jetzt als Co-Produzent des Remakes fungiert sowie einen Cameo-Auftritt absolviert). Kirby kommt noch kämpferischer rüber als Burton damals - vielleicht würde allein das Snoop Dogg schon gnädiger stimmen? Während aber Kunta noch mit Kumpel Sitafa (Kedar Williams-Stirling aus "Wolfblood") am Flussufer abhängt, den Weisheiten seines Vaters Omoro (Babatunde Olusanmokun) lauscht und sich dem Speerwerf-Drill des Kintango (Chris Obi) unterwirft, droht Ungemach: Kunta ist verliebt in die süße Jinna (Simona Brown), die dem Spross eines verfeindeten Stammes versprochen ist, der mit Sklavenhändlern gemeinsame Sache macht. Eines Tages werden Kunta und sein Mentor Silla (Derek Luke, "Antwone Fisher") in einen Hinterhalt gelockt und verschleppt. Wenn Kunta dann, in Ketten unter Deck des Sklavenschiffs, in verzweifeltes Geschrei ausbricht, ist das so markerschütternd wie bewegend. Die Szenen des "force feedings", der zwangsweisen Ernährung der suizidalen Gefangenen, sind auch deshalb unerträglich, weil sie die brutal-kapitalistische Logik hinter dem Sklavereisystem verbildlichen: "A dead nigger is money lost." Der tragisch scheiternde Aufstand schließlich, den Kunta auf dem Schiff anzettelt, wird mit einigem Aufwand inszeniert, ausführlicher als im Original, und lässt in der expliziten Gewaltdarstellung (gern in Zeitlupe) durchscheinen, dass das Remake in dieser Hinsicht keine Rücksicht nehmen wird.

Angelandet in Maryland, wird Kunta Kinte nach demütigender Fleischbeschau an den Plantagenbesitzer John Waller (James Purefoy, "The Following") verkauft. Es folgt des Widerspenstigen Zähmung: Er, der anfangs nicht glauben will, dass die anderen Sklaven auf der Plantage keinen Fluchtantrieb besitzen, muss lernen, dass er eine Dynamik der Demütigung in Gang setzt, wenn er sich zu renitent zeigt. Fiddler etwa, der ältere Haussklave mit der deplatzierten Rokoko-Perücke, von Forest Whitakerr ("Der letzte König von Schottland") überzeugend zwischen Selbstekel und Wut verkörpert, bekommt dann den Zorn des "Massas" zu spüren, oder der Kutscher Samson (Hakeem Kae-Kazim aus "Black Sails"). Wallers junge Gattin (Katie McGuinness) gibt Kunta aus einer Laune heraus den Sklavennamen Toby, und der sadistische Aufseher Connelly (Tony Curran aus "Defiance" als widerwärtiger Rassist) braucht so viele Peitschenhiebe, bis Kunta sich diesem Namen endlich unterwirft, dass die vergleichbare Szene aus "12 Years a Slave" dagegen fast zahm wirkt. Möglicherweise überdreht Regisseur Noyce hier ein wenig - doch ihre Wirkung verfehlt die Szene nicht.

Am Ende der Folge wird Kunta an Wallers Arzt-Bruder William (Matthew Goode, "The Imitation Game") weiterverkauft - und damit ist noch nichts erzählt vom späteren Leben des Mandinka-Kriegers, von seiner Tochter und von deren Kindern und Kindeskindern und den verschiedenen Orten, an denen sich ihre Leidensgeschichte abspielt, bis in die Zeit nach dem Bürgerkrieg, wenn sie endlich in die Freiheit entlassen werden. Unter vielen anderen werden in den weiteren Episoden noch Jonathan Rhys Meyers ("Match Point", "Die Tudors"), Anna Paquin ("True Blood"), Erica Tazel ("Justified"), Mekhi Phifer ("Emergency Room"), Disney-Teenie G. Hannelius ("Hund mit Blog") und Dirty-South-Rapper T.I. in tragenden Rollen auftauchen ­- nie öfter als in zwei Episoden, was dem schnell voranschreitenden, epischen Generationenpanorama geschuldet ist.

Schon in der ersten Doppelfolge aber ist erkennbar, dass dieses Remake-Projekt keineswegs so überflüssig zu sein scheint wie erwartet: Die Darsteller sind stark, der Zugriff auf die bekannte Erzählung ist kraftvoll, und obgleich die zentralen Koordinaten der Story unangetastet bleiben, gibt es doch wichtige Verschiebungen in den Details. In einigen Aspekten ist die neue Serie dem Buch sogar näher als die alte (wir sind hier schließlich beim History Channel): So wurde etwa Kunta Kintes muslimischer Glaube damals allenfalls dezent angedeutet, im Remake reckt Omoro seinen Neugeborenen gleich zu Beginn Allah entgegen. Sollten sich diese kleinen, aber spannenden Perspektivwechsel und Neujustierungen in den nächsten Episoden fortsetzen, könnten diese "Roots" zur definitiv reizvollen Wiederbetrachtung werden. Auch wenn diesmal definitiv keine 130 Millionen zuschauen.

Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten Doppelfolge von "Roots".

Meine Wertung: 4/5

Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: HISTORY


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Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").