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TV-Kritik/Review: The Expanse
(28.12.2015)

Was Syfy hier als vermutlich aufwendigstes Projekt der eigenen Sendergeschichte vorlegt, ist nicht bloß eine neue Sci-Fi-Serie, sondern gleich mehrere in einer.
Die Welt, um die es hier geht, haben sich die beiden Autoren Daniel Abraham und Ty Franck ausgedacht, die sich hinter dem Pseudonym James S. A. Corey verbergen und bis dato fünf "Expanse"-Romane veröffentlicht haben. Syfy ließ das ausufernde Bücher-Universum auf (zunächst) zehn Teile eindampfen, verantwortlich dafür war ein weiteres Autorenduo: Mark Fergus und Hawk Ostby, die in der Vergangenheit schon bewiesen haben, dass sie sich wohl mit anspruchsvoll-dystopischer Science Fiction ("Children of Men") als auch mit spaßigen Comic-Spektakeln ("Iron Man") auskennen.
Spielzeit der Serie ist das 23. Jahrhundert, Spielort nichts weniger als unser komplettes Sonnensystem. Alle anderen Planeten wurden inzwischen kolonisiert, als Regierung fungieren längst die UN, allein der Mars hat sich als unabhängige militärische Macht abgesondert. Den Planeten ist gemeinsam, dass sie von Rohstoffen abhängen, die im Asteroidengürtel (engl. Asteroid Belt) an den Rändern des Sonnensystems abgebaut werden - von sogenannten "Beltern", proletarischen Arbeitssklaven, die für die wohlhabenderen Planetenbewohner Frondienste verrichten. Die Belter leiden zunehmend unter Wassermangel und an billigen Luftfiltern, eine Revolution liegt in der Luft, Untergrundgruppen blühen. Zwischen Mars und Erde kriselt es ohnehin schon länger, sodass es nicht verwundert, wenn Texteinblendungen gleich zu Beginn der Pilotfolge raunend behaupten, es bedürfe nur eines letzten "Funkens", um die Welt in Krieg und Chaos zu stürzen. Damit sind wir mittendrin in der erwähnten Kriegserzählung: Die UN-Offizielle Chrisjen Avasarala sucht Hinweise auf den möglichen Geheimwaffeneinsatz einer Rebellengruppe, wofür sie auch auf das Foltern von mutmaßlichen Umstürzlern nicht verzichtet. Die begnadet tiefstimmige Darstellerin Shohreh Aghdashloo ("Es begab sich aber zu der Zeit") spielt das beunruhigend austariert zwischen Friedensengel und Teufelsmutter. Chrisjens Vorgesetzter bei den UN, Sadavir Errinwright (Shawn Doyle aus
Diese auf der Erde angesiedelte Storyline spielt in den ersten Folgen freilich eher eine Nebenrolle. Prominenter werden da sowohl das Handlungssegment "Noir-Krimi" als auch der Plot-Bestandteil "Space-Drama" platziert. Für ersteres ist
Unterdessen macht der dritte große Handlungsstrang die Leinen los, irgendwo draußen im All, Nähe Saturn: Der Eisfrachter "Canterbury" ist auf dem Rückweg nach Ceres, Besatzungsmitglied Jim Holden (Steven Strait aus 
Auffällig ist dennoch, wie unabhängig voneinander die Plotlines ablaufen - obwohl sie inhaltlich mit Plot-Scharnieren verbunden sind. Der Krimi, das Diplomatendrama und die Weltraum-Action sind auch stilistisch so verschieden geraten, dass man kaum glauben mag, dass sie von ein und demselben Regisseur (Terry McDonough) inszeniert wurden. Es wird interessant sein zu sehen, ob - und wenn ja, wie - es den Machern gelingt, diese Stränge im Lauf der zehn Episoden zusammenzuführen.
Bis dahin ist die detaillierte Welterfindung dieser Romanverfilmung bedeutend interessanter: Sowohl auf Ceres als auch auf Erden ist "The Expanse" gespickt mit einer Vielzahl kleiner Ausstattungsdetails, die zum Schönsten gehören, was in dieser Sci-Fi-Seriensaison zu sehen war, und dabei viel Spaß bereiten. Tricktechnisch präsentiert sich das vom Schwerelos-Sex im Raumschiff über schicke Future-Smartphones bis zur explosiven All-Action mit viel Liebe zum Detail. Angesichts der Budgetlimitierungen einer Syfy-Serie sieht das Ergebnis staunenswert perfekt aus (auch wenn die Kamera die Raumschiffe etwas sehr häufig mit der Kamera umkreist).
Ein Manko sind die in Teilen durchschnittlichen Darstellerleistungen: Ex-Model Steven Strait etwa geht optisch als jüngere und attraktivere Ausgabe von Billy Bob Thornton durch, leider aber versprüht er den Charme eines etwas übermotivierten B-Film-Helden. Sich ihn dauerhaft als sympathischen Space Captain vorzustellen, das ist nicht so leicht. Auch seine Crewmitglieder wirken überwiegend hölzern, allenfalls grob können sie ihre Figuren profilieren. Das mag natürlich auch an dem bemüht "coolen", vor allem angestrengten Buddy-Sprech liegen, den ihnen die Autoren in Mund und Gestik gelegt haben. Nicht nur ihnen übrigens: Auch Miller und sein Assistent Dmitri (Jay Hernandez aus "Hostel") müssen sich mit Zeilen aus abgegriffenen Lässigkeitsfibeln herumplagen. Vielleicht sind das nur frühe Fehler, eventuell regelt das die nahende Plot-Verdichtung, möglicherweise gewöhnt man sich sogar auch an diese Art Dialoge. Davon abgesehen sind für kommende Folgen Qualitätsmimen wie
Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten zwei Episoden der Serie.
Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: Syfy
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Leserkommentare
Lurch schrieb am 04.06.2024, 18.36 Uhr:
"Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten zwei Episoden der Serie"
Herr Andreas schreibt ein "Review" einer komplette Serie obwohl er nur ZWEI (!) Folgen gesehen hat?!?
Alles klar.Lysander schrieb am 21.12.2016, 15.28 Uhr:
Vielleicht hätte der Rezensent mehr als nur zwei Episoden ansehen sollen. "The Expanse" ist eine der besten SciFi-Serien die derzeit überhaupt zu sehen sind. Das liegt vorallem daran, dass es den Produzenten gelungen ist (unter Mitwirkung der Buchautoren), die komplexe Welt der Bücher in die TV-Serie zu übertragen. Die Sprechweise der Helden ist durchaus gewollt, denn sie soll eine postmoderne Sprachentwicklung abbilden. Auch haben sich die Autoren Gedanken zur Schwerkraft im All gemacht und den Raumflug realistischer dargestellt als es in den meisten anderen Serien zu sehen ist. Um solche Details aber wirklich wahrzunehmen, sollte man paralell die Bücher lesen, in denen die Hintergründe der Welt natürlich weitaus verständlicher dargestellt werden können als in der Verkürzung einer TV-Serie. Von mir gibt es volle 5 Sterne für diese Perle unter den SciFi Serien, mit der sich einzig die neue BSG messen kann. Beide rangieren in ihrer eigenen Klasse weit, weit über dem Durchschnitt!
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