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ARD-Programmreform: So soll ein "Angebot für die gesamte Bevölkerung" geschaffen werden

von Glenn Riedmeier in News national
(15.10.2021, 17.11 Uhr)
Mehr Maischberger, mehr Comedy, mehr junge und diverse Inhalte für Mediathek
(v. l. n. r.): ARD-Chefredakteur Oliver Köhr, ARD-Programmdirektorin Christine Strobl, ARD-Vorsitzender Tom Buhrow und Florian Hager, Channel Manager ARD Mediathek
ARD/Laurence Chaperon/Herby Sachs
ARD-Programmreform: So soll ein "Angebot für die gesamte Bevölkerung" geschaffen werden/ARD/Laurence Chaperon/Herby Sachs

Seit 1. Mai dieses Jahres ist Medienmanagerin Christine Strobl ARD-Programmdirektorin. Sie folgte auf Volker Herres, der dieses Amt seit 2008 innehatte. Schon recht bald nach ihrem Antritt kündigte Strobl an, dass es mit ihr kein einfaches "Weiter so" geben werde, sondern diverse, dringend nötige Schritte zu einer Überarbeitung des Programms angegangen werden sollen. Zusammen mit ARD-Chefredakteur Oliver Köhr und Florian Hager, Channel Manager ARD Mediathek, wurde am heutigen Freitag, den 15. Oktober ein umfangreiches Reformprojekt von den Intendantinnen und Intendanten nach vorheriger Beratung mit den ARD-Gremienvorsitzenden einstimmig verabschiedet.

Als übergeordnetes Ziel wurde formuliert, das Profil zu schärfen, um ein "attraktives mediales Angebot für die gesamte Bevölkerung zu schaffen". Im Zentrum der Programmoffensive stehen der Ausbau der ARD Mediathek und die Profilierung des Ersten Deutschen Fernsehens. Sämtliche ARD-Gemeinschaftsangebote sollen so aufgestellt werden, dass sie sich ergänzen und sich zusammen an Jung und Alt richten.

Wir wollen informieren, das Geschehen in der Welt und zu Hause beleuchten, faszinieren, unterhalten, zum Nachdenken anregen und unsere Themen und Geschichten bestmöglich an unser Publikum bringen. Nur so können wir auch in Zukunft relevant sein und im Ersten und in der ARD Mediathek ein attraktives Angebot für alle schaffen, so ARD-Programmdirektorin Christine Strobl.

Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow ergänzt: Unser Auftrag ist es, Programm für alle zu machen. Was wir gemeinsam beschlossen haben, ist keine Reform, sondern ein ganzes Reformpaket, auf dem Weg zu einem relevanten Inhalte-Netzwerk. Damit bieten wir für alle Nutzerinnen und Nutzer generationenübergreifend im Ersten und der ARD Mediathek relevante und hochwertige Angebote.

Umgestaltung des Programms im Ersten

Obwohl es bereits seit Jahren der Fall ist, wird der Montag als "der neue Informationstag im Ersten" angekündigt. Um 20.15 Uhr soll es weiterhin Naturdokus geben, aber auch hochwertige Dokumentationen und Reportagen aus den Bereichen Politik, Kultur, Wirtschaft, Religion, Geschichte und Sport. Im Anschluss an  "Hart aber fair" und die  "Tagesthemen" soll künftig immer um 22.50 Uhr ein neues Wissensformat ausgestrahlt werden. Zudem soll mit filmischen Reportagen aus der Themenwelt des "Weltspiegels" ein neuer Schwerpunkt am Montagabend im Ersten geboten werden. Doku-Reihen aus dem Themenfeld Geschichte und der  "Story im Ersten" werden weiterentwickelt und durch das multimediale Reportageformat  "Rabiat" zu einem umfassenden Informationspaket ausgebaut.

Neu eingeführt wird das Label "ARD investigativ", unter dem einmal im Monat "spannende Dokumentationen" in der ARD Mediathek angeboten werden. Diese Produktionen entstehen in den "ARD Kompetenzzentren für Qualitätsjournalismus", namentlich den Redaktionen der politischen Magazine  "Fakt",  "Kontraste",  "Monitor",  "Panorama",  "Report Mainz" und  "Report München". Weiterhin werden die Magazine dienstags und donnerstags im Ersten zu sehen sein. Hier sorgte die angekündigte Kürzung der Anzahl der Ausgaben pro Jahr für Unmut unter den zuständigen Redaktionen.

Einen zusätzlichen Sendeplatz erhält Sandra Maischberger, die künftig dienstags und mittwochs zum Talk lädt und mit Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen in einem neuen, vertiefenden Gesprächsformat diskutiert. Die Talkformate aus den Dritten, die derzeit unter dem Label "Talk am Dienstag" im Wechsel gezeigt werden, scheinen demnach nicht mehr im Ersten fortgeführt zu werden.

Ebenfalls bekannt war, dass die ARD den späten Freitagabend um 21.45 Uhr mit einer neuen Comedy-Sendung bespielen möchte - Details liegen diesbezüglich noch nicht vor. Laut früherer Ankündigung ist ein halbstündiger Wochenrückblick mit "regionaler Verankerung" angedacht. Ferner ist für diesen Sendeplatz auch die Pilotierung einer neuen Reportage-Reihe geplant.

Auch am Sonntagvorabend kommt es zu Anpassungen. Die Berichterstattung aus der Hauptstadt und dem Ausland wird auf insgesamt 80 Minuten ausgeweitet und soll so einen neuen journalistischen Schwerpunkt im Ersten bilden. Nach der  "Tagesschau" wird der  "Bericht aus Berlin" um 18.00 Uhr auf 30 Minuten verlängert. Anders als zunächst von vielen Beteiligten befürchtet, wandert der  "Weltspiegel" nicht auf den späten Montagabend, sondern bleibt am Sonntagvorabend - wird künftig jedoch schon um 18.30 Uhr mit auf 45 Minuten verlängerten Ausgaben zu sehen sein. Unmittelbar vor der "Tagesschau" findet die  "Sportschau" mit der 2. Bundesliga ihren Platz. Angekündigt sind außerdem regelmäßige Topspiele aus den internationalen Fußball-Ligen.

Ganz allgemein kündigt die ARD an, das Sendeschema des Öfteren für außergewöhnliche Themenschwerpunkte zu öffnen, etwa anlässlich des "Weltwassertags" im März 2022. Regelmäßige Kulturevents runden das Programm ab, wie etwa das Waldbühnen-Konzert der Berliner Philharmoniker und das Deutsche Chorfest in Leipzig in enger Verknüpfung mit dem neuen Kulturnetzwerk der ARD.

ARD Mediathek wird ausgebaut

In der ARD Mediathek sollen regelmäßig eigene Programmhighlights angeboten werden, "die sich in der Machart an den Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer für dieses Medium ausrichten". Indirekt wird somit also ein Unterschied bezüglich der Erwartungen an das althergebrachte lineare Programm im Vergleich zum On-Demand-Angebot gemacht. Ausdrücklich sollen jene Inhalte zielgruppenspezifisch und divers sein - in Gestalt von Dokumentationen, Filmen und Serien.

Konkret soll es jährlich mindestens 25 Premieren von eigenproduzierten und internationalen fiktionalen Serien geben, darunter "Santa Fu", eine reale Gefängnisgeschichte unter der Regie von  "4 Blocks"-Star Kida Khodr Ramadan. Ebenfalls angekündigt wurde "Lamia", eine Coming-of-Age-Geschichte über eine junge deutsche Muslimin und ihre Familie. Hinzu kommen Fortsetzungen der Gay-Dramedy  "All You Need" und der Fantasy-Serie  "Beforeigners". Ausgebaut werden soll auch das Comedy-Angebot. So wird es nicht nur doppelt so viele Ausgaben der  "Die Carolin Kebekus Show" mit 16 Folgen pro Jahr geben, die Komikerin soll zusätzlich auch exklusiv mit eigenem Angebot in der Mediathek präsent sein. Comedienne Tahnee Schaffarczyk erhält mit  "Limbus" eine eigene Personality-Show, Comedy-Serien wie "How to Dad" oder "Marzahn, mon amour" ergänzen ebenfalls das Angebot.

Auch mehrere Dokureihen sind für die Mediathek geplant. Namentlich genannt wurden "Bastards" über ein deutsch-iranisches Wrestling-Team, "Auf dem Weg" über acht Jugendliche mit Down-Syndrom, die gemeinsam auf eine außergewöhnliche Abenteuer- und Erlebnisreise gehen, eine True-Crime-Reihe über die legendäre Polizeidirektion 65 auf der Reeperbahn der 1970er Jahre, die "Nazijäger", eine spannend erzählte Geschichte der echten "Inglourious Basterds" und ein Porträt eines interkulturellen Fußball-Teams in Deutschland. Darüber hinaus soll es regelmäßige Dokumentationen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Ausland, Geschichte, Religion, Kultur und Sport gebem, die gezielt für die Mediathek und ein jüngeres Publikum produziert werden.

Die angekündigte Programmreform soll schrittweise, beginnend mit dem Jahr 2022, umgesetzt werden.


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Leserkommentare

  • serieone (geb. 1976) schrieb am 16.10.2021, 16.17 Uhr:
    Da gibt es ständig Reformen bei den TV Sendern und was kommt ??? EIGENPRODUKTIONEN auf allen TV Sendern.
    Was ist zum Beispiel mit der Serie Private Eyes ??? Warum geht es nicht weiter mit der Ausstrahlung bei ONE??? Mangelware sind auch US-Filme im TV Programm.
  • HenryWilbury schrieb am 17.10.2021, 14.20 Uhr:
    Warum ONE die Serie "Private Eyes" nicht mehr zeigt, wurde unten in den Kommentaren auf der "Private Eyes"-Seite von TV Wunschliste bereits im Februar 2021 von mir geschrieben und der User viebrix schrieb im letzten Monat auch etwas dazu (Antworten von der ONE-Zuschauerredaktion).
  • domitian (geb. 1955) schrieb am 16.10.2021, 12.01 Uhr:
    Man kann soviel, wie man will, versuchen das Programm zu reformieren.
    Wenn es nicht gelingt, das ganze Kleinbürgergedödel loszuwerden, wird es nie gelingen, besser zu werden.
    Was interessiern mich die Probleme so unterbelichteter Charaktere, wie sie sich in den Vorabendserien herumtreiben.
    Einfach weg damit und was Ordentliches gesendet
  • vans29 (geb. 1976) schrieb am 16.10.2021, 22.47 Uhr:
    Toller Kommentar!
    Dann mal her mit den Vorschlägen, was denn gesendet werden soll.Ach gibt es keine.
    Aber Hauptsache mal los poltern.
  • serieone (geb. 1976) schrieb am 17.10.2021, 08.45 Uhr:
    Als ob DEINE KOMMENTARE besser wären. Deine Kommentare haben IMMER nix mit dem Artikel zu tun. Aber Hauptsache über andere Kommentare ablästern. Deshalb werde ich nun auch über deine sinnlosen Kommentare lästern.
  • Torsten S schrieb am 16.10.2021, 03.01 Uhr:
    Vergesst es einfach. Zwar etwas besser als vielleicht der ganze Trash bei den Privaten, aber keine großartigen Filme und Serien. So bleiben auch die Öffentlich-Rechtlichen hinter dem Geschmack. Gut, dass es heutzutage bessere Alternativen wie Netflix und Co. gibt. Fee-TV kann man heute nicht mehr sehen.
  • Darkheal (geb. 1980) schrieb am 16.10.2021, 04.33 Uhr:
    Naja wenn man eigentlich bedenken muss das man ARD eigentlich gar nicht Free-TV nennen darf, wegen den GEZ Gebühren. Nur das man sich das nicht aussuchen kann wie bei Netflix und Co. ob man es bezahlen will oder nicht ;)
  • AndreasG81 schrieb am 16.10.2021, 06.45 Uhr:
    Sie haben vollkommen recht. Diese Selbstbeweihräucherung seitens des Senders ist einfach nur noch abstoßend. Dieser krampfhafte Versuch, an "Jüngere" ran zu kommen, ist einfach nur peinlich. Mit einem experimentalen Programm, so wie es NoahG benannt hat, hätten sie vielleicht eine eventuelle Chance zu bestehen, aber nicht mit solchen Aktionen.

    Aber, was will man auch von Leuten erwarten, die Mord und Totschlag als "Unterhaltung" ansehen und hauptsächlich darauf bedacht sich, sich dem Mainstream anzubiedern, pfui teufel...

    Seit der Einstellung der "Lindenstraße" - welche zumindest für Diversität gestanden hat, was man offensichtlich nicht wollte - ist DasErste für mich sowieso ein sich um sich selbst kreiselndes, seelen- und kopfloses Etwas, was es nicht wirklich wert ist, eingeschaltet zu werden, egal ob sie "Reform" drüber schreiben oder nicht. Es bleibt dieses sich drehen um  sich selbst, Mord & Totschlag, Klinik und Programm von und für Politiker & Journalisten. Für nen normal arbeitenden und denkenden Menschen ist da nix dabei.

    Aber was will man auch erwarten, wenn sie die Tochter von CDU-Schäuble Christine Strobl einkaufen. Ich sag nur Turbo-Kapitalismus, egal um welchen Preis, egal, was da für familiäre Konsequenzen weitergedacht werden müssen.
  • vans29 (geb. 1976) schrieb am 16.10.2021, 22.49 Uhr:
    OMG, Artikel gelesen?
    Darum geht es nicht!
  • vans29 (geb. 1976) schrieb am 16.10.2021, 22.51 Uhr:
    Haben Sie eigentllich Ihren Kommentar noch mal gegen gelesen?
    Weil die Lindenstrasse eingestellt wurde, sind Sie jetzt sauer, vorher haben Sie gerne ARD geschaut?Ich BITTE Sie.
  • AndreasG81 schrieb am 17.10.2021, 00.17 Uhr:
    Also Sie regen sich über angebliche Pöbeleien anderer auf? Wie würden Sie es denn nennen, wenn man sich überhaupt nicht auf den Artikel bezieht, sondern nur auf andere losgeht?

    Es geht nicht um die Lindenstraße, es geht um Prioritäten, Finanzen, fehlende Kreativität und Programmvielfalt - egal ob im Programm oder der Mediathek.
  • Marcus Cyron (geb. 1976) schrieb am 15.10.2021, 19.14 Uhr:
    "die im Gegensatz zu vielen heutigen Sketch-Shows noch witzig waren" - na da kann man echt drüber streiten, ob der Humor aus der Steinzeit witzig war.
  • Retro_Princess schrieb am 16.10.2021, 11.13 Uhr:
    Persönlich muss ich sagen: Ja, der Humor aus der "Steinzeit" war um einiges witziger, vor allem wenn wir hier von den 1980er/90er, teils auch Anfang der 2000er reden. Damals hat man sich noch irgendwo Mühe gegeben, originelle Witze zu präsentieren und da gab es auch richtige (Sketch) Shows mit talentierten Leuten, wo es sich gelohnt hat reinzuschauen. 

    Heutzutage habe ich das Gefühl, als ob jeder die gleichen 5 Witze verwendet und diese nur ein wenig abwandelt um es als neuen Witz zu verkaufen. Die Qualität lässt sich dabei auch zu wünschen übrig. Es gibt vereinzelt Komiker aus der heutigen Zeit, die mich zum Lachen bringen können, aber selbst das wird immer seltener. 

    Ich kann z.B. eine ganze Liste voll von klassischen Sketch Shows aus Großbritannien aufzählen, die entweder mal in DE im Fernsehnen liefen oder es leider gar nicht geschafft haben, hier erst gezeigt zu werden. Obwohl diese schon viele Jahre auf dem Buckel haben, sind die um einiges witziger als der heutige Kram, zumal sie auch zeitlos sind und jeder versteht (also was jetzt z.B. Anspielungen angeht).

    Und falls sich einer wundert: Ich stamme aus der Generation der jüngeren Leuten, wo man denkt, das man auf den heutigen Humor total abfahren würde. Ich persönlich kann fast gar nichts damit anfangen und finde manches auch einfach zum Fremdschämen. Aber der Geschmack ist ja bekanntlich bei jeden anders...
  • NoahG schrieb via tvforen.de am 15.10.2021, 19.08 Uhr:
    Wenn man ein Programm "für die ganze Bevölkerung" bieten will, muss man auch mal wieder etwas experimentierfreudiger werden.
    Ich erinnere mich da an die Aussagen von Wolfgang Back (Hobbythek, WDR Computerclub, etc.), der ja bis zu seinem Tod forderte, die Öffentlich-Rechtlichen müssten auch wieder Raum für Experimentelles und Nischenthemen bieten. Sowas wie die "langen Computernächte", etc. Da gibt es auch sehr interessante Interviews mit ihm auf Youtube auf dem Kanal von Generation Testbild. (findet man auch in seinem Wikipedia-Artikel verlinkt)
    Ähnliches habe ich auch schon von Marijke Amado und Jürgen von der Lippe gehört.
    Auch mir fallen einige Beispiele ein:
    --- Sport:
    Im deutschen Fernsehen heißt Sport (außerhalb von Olympia) meist Fußball. Wenn Deutschland mal erfolgreich in anderen Disziplinen ist (wie eine zeitlang im Handball und im Eiskunstlauf oder zu Zeiten von Boris Becker, Steffi Graf, Michael Stich im Tennis) dann gibt es auch mal andere Sportarten. Aber ansonsten?
    So als würde man sich nur für Sportarten interessieren, wo Deutschland erfolgreich ist.
    --- Kinder:
    Früher gab es auch außerhalb des Kika noch mehr Kinderprogramm. So wurde z.B. die Sesamstraße täglich auf den Dritten gezeigt. Und ich glaube einmal die Woche auch im Ersten. Abends gegen 6 oder so.
    Heute gibt es generell weniger Kinderprogramm außerhalb des Kika. (am ehesten noch sonntags vormittags die Sendung mit der Maus). Und selbst im Kika kommt die Sesamstraße kaum noch.
    Also gerade die Sesamstraße ist doch (wenn die deutschen Macher sie noch nicht endgültig verhunzt haben) ein Beispiel für eine tolle Kindersendung, wo man viel lernt, Werte wie Toleranz vermittelt werden, und das Ganze auch noch viel Spaß macht. Und es hebt sich vom Trickfilm, bzw. heute eher CGI-Einerlei ab und hat mit den realen Puppen in realen Kulissen eine ganz andere Wertigkeit.
    Wieso kommt die Sesamstraße nicht täglich? Wenigstens im Kika und vielleicht am Wochenende auch im Ersten. Von mir aus vormittags vor der Sendung mit der Maus.
    --- Teens und Twens:
    Früher gab es Musiksendungen wie Formel Eins, Ronny Popshow, Plattenküche, Musikladen, etc. Und Sketch-Shows / Comedy-Shows wie Sketchup, Rudis Tagesshow, Klimbim, etc., die im Gegensatz zu vielen heutigen Sketch-Shows noch witzig waren.
    Was gibt es heute für Teens? NICHTS.
    Die Begründung: die gucken eh nur YouTube. Ja, wieso auch nicht, wenn es im Fernsehen nichts für sie gibt. Wieso nicht eine Musiksendung wie Formel Eins, die zuerst im Fernsehen ausgestrahlt wird und dann auf YouTube verfügbar ist?
    --- Musiksendungen generell:
    Musiksendungen in den Öffentlich-Rechtlichen sind heute vor allem Volksmusik (wenn auch immer seltener) und Schlager. Und ganz selten Klassik und Jazz. Warum nicht auch mal mehr Pop, Rock, Soul, Funk, Latin, etc.
    Früher gab es z.B. mal "Bios Bahnhof" wo Schlager neben Oper zu sehen war, wo Sammy Davis hinter experimentellem Kehlkopfgesang auftrat, wo nach irgendeiner Volkstanzgruppe von irgendwo in Europa auf einmal Punk zu hören war. Und dann auf einmal Jazz, bevor dann eine Travestiegruppe auftrat. Wo ist heute solche Vielfalt?
    Oder eine Musik-Ratesendung wie "Erkenenn Sie die Melodie?"
    Oder wieso nicht so eine Sendung wie in Belgien und den Niederlanden der "Swingpaleis", eine Mischung aus Panelshow, Musiksendung, Musikquiz und Party?!
    Oder früher kam an Silvester oder Neujahr auf 3sat immer eine Aufzeichnung der Operette "Im Weißen Rössl" der Geschwister Pfister aus dem Berliner Tipi. Schon seit Jahren nicht mehr.
    Oder ich erinnere mich, wie an Silvester nach 24 Uhr im Ersten immer die Aufzeichnung einer Show aus dem Pariser Lido zu sehen war. Statt dessen jetzt auf allen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern nur noch die ewig gleich Party-Mucke zwischen Schlager und Ballermann-Hits.
    --- Mischung aus Wissensvermittlung, Humor und Musik
    Heute gibt es viele Wissenssendungen. Terra X, Leschs Kosmos, Wissen vor 8, etc. etc. etc. Die sind alle toll, aber alle im Prinzip im selben Stil.
    Früher gab es auch sowas wie die Knoff-Hoff-Show. Da wurde auch Wissen vermittelt, aber mit viel mehr Humor und Experimentierfreude. Da wurden auch in jeder Sendung Klassiker der Chemie-Experimente gezeigt, wo es knallte, rauchte, Flüssigkeiten bunt leuchteten, Dinge explodierten, zwei Flüssigkeiten beim Zusammenschütten eine nicht enden wollende Masse an Schaum produzierten, etc.
    Dazu auch skurrile Erfindungen, technische Gimmicks oder auch mal ein Zauberkünstler oder jemand mit besonderen Talenten.
    Und in jeder Sendung kurze Jazz-Stücke von der Live-Band.
    Diese Sendung war so abwechslungsreich und gleichzeitig so lehrreich. Und sie weckte in mir als Schüler das Interesse an Fächern wie Physik und Chemie.
    In die ähnliche Kategorie gehört die australische "Curiosity Show", die auch mal synchronisiert in den Öffentlich-Rechtlichen lief, aber seitdem nie wieder.
    Solche Formate, die spielerisch und mit einer Prise Humor Wissen vermitteln und für Naturwissenschaften begeisten, fehlen heute komplett im Fernsehen.
    --- Quiz-Shows:
    Heute sind Quiz-Shows immer reine Wissensabfrage. Was ist richtig: Antwort A, B, C oder D?
    Wieso nicht eine Sendung wie früher Pyramide oder Montagsmaler?
    Oder richtig große Quizshows wie Einer wird gewinnen, wo man Hunde ihren Rassen zuordnen musste, Schriften der Sprache zuordnen, Volkstänze dem Land, etc. Oder sowas wie die Rudi-Carrell-Show, Am laufenden Band, Die verflixte Sieben. Sendungen wo Quiz mit Action, mit Musik, mit Variete-Acts kombiniert wurden.
    --- "Experimentelle" Abend-Shows (und Vorabend-Shows):
    Früher gab es mal Sendungen wie "Donnerlippchen" oder "Geld oder Liebe" (obwohl die schon nicht mehr so "experimentell" war wie der Vorgänger Donnerlippchen. Oder auch andere Shows mit Jürgen von der Lippe, die immer ein wenig diesen experimentellen Charme hatten, wie z.B. auch seine eingestellte Lese-Sendung.
    Oder der legendäre WWF-Club. Das ist in meinem ganzen Leben wohl die spontanste und experimentellste, aber gleichzeitig auch eine der unterhaltsamsten Shows gewesen, die ich je gesehen habe. Auch da war nicht alles gut, aber man hatte die Chance auch mal sowas zu machen, was vielleicht nicht perfekt und an manchen Stellen vielleicht sogar auch mal schlecht war. Aber dennoch seine Fans hatte.
    FAZIT:
    Es mag ja sein, dass vieles von dem, was ich genannt habe (und man könnte noch einiges mehr nennen), heute nicht Eins-zu-Eins funktionieren würde. Aber das verlangt ja auch niemand. Es geht ja nicht darum, jetzt zur Primetime alte Sendungen zu wiederholen.
    Aber dieser Geist, dass man auch mal experimentieren darf und Experimente auch nicht gleich nach zwei Folgen eingestellt werden, wenn die Quote nicht stimmt - das fehlt mir. Und dass man auch mal generell weniger auf die Quote guckt, wo sonst, wenn nicht bei den Öffentlich-Rechtlichen?!
    Früher gab es im Fernsehen noch für jeden Geschmack etwas, egal ob man Klamauk mochte, ob man Computerfan war, ob man Schachspiele sehen wollte, ob man Musicals mochte, ob man Eiskunstlauf mochte, ob man "Experimentelles" wie den WWF-Club mochte, ob man Shows aus dem Lido sehen wollte... Keinem gefiel alles, aber für jeden war etwas dabei.
    Und heute ist das Fernsehprogramm dagegen ziemlich weichgespült und gleichgeschaltet. Wenn irgendwo ein Format erfolgreich ist, versuchen alle es zu kopieren.
    Wenn man es wirklich ernst meint, mit einem "Programm für die gesamte Bevölkerung", dann erwarte ich mehr Vielfalt, mehr Experimente, mehr Mut, weniger Schielen auf die Quote, mehr Abseitiges, Skurriles und Experimentelles, mehr Nischen, etc.
    Und vielleicht auch mal zu Zeiten, wo eh keiner guckt, z.B. morgens zwischen 2 und 5 Wiederholungen alter Klassiker wie den Shows mit Lou van Burg, Kulenkampff, Carell, Rosental, Biolek und von der Lippe, der Knoff-Hoff-Show, dem WWF-Club, Shows aus dem Lido, etc. Für die Nostalgiker. Denn ein Programm für alle bedeutet auch, Nostalgiker zu bedienen, die gerne noch mal alte Fernsehschätze sehen wollen. Und selbst, wenn das notfalls bedeutet, das aufzeichnen zu müssen, weil man da schläft.
  • Julian90 schrieb via tvforen.de am 15.10.2021, 21.54 Uhr:
    Also ich glaube, dass solche klassischen Samstagabendshows wie damals von Kuhlenkampff und Carrell heute nicht mehr funktionieren würden.
    Aber ich stimme Dir zu, dass die gerne mal (von mir aus als Kultnächte o.ä.) öfter wiederholt werden könnten. Und ich finde, dass die auch alle in den Mediatheken abrufbar sein sollten. Was die Gebührenzahler bezahlt haben, sollte ihnen auch zur Verfügung stehen und nicht einfach nach Ausstrahlung verschwunden sein. Das betrifft auch alte Inhalte wie eben die alten Shows von Carrell, Kuhlenkampff, van Burg & Co.
    Ansonsten stimme ich zu:
    - mehr Vielfalt bei Sport und Musiksendungen
    - ein Kinderprogramm, das nicht immer mehr sterile, seelenlose Computeranimation zeigt, sondern auch klassischem Zeichentrick und Puppensendungen wie die Sesamstraße mehr Raum gibt
    - mehr Nischenprogramme und Special-Interest-Programme (wie z.B. der Computerclub oder die Hobbythek und andere Do-It-Yourself-Shows)
    - mehr Unterhaltung jenseits des weichgespülten Mainstreams und mehr "Experimentelles" wie früher der WWF-Club
    Das wären schon alles schöne Dinge, die wirklich ein Programm für jeden Geschmack bieten würden. Da war das deutsche Fernsehen früher mal besser, bevor diese Art Mainstream-Gleichschaltung kam.
  • AndreasG81 schrieb am 15.10.2021, 19.07 Uhr:
    Da fragt man sich doch, warum man sich beim ARD-Zukunftsdialog beteiligt hat, wenn die schon vor dessen Abschluss eine Programmreform durchziehen. Da fühlt man sich doch veräppelt.

    Dann verlegen sie den "Weltspiegel" nach 58 Jahren eine Stunde vor und denken, das wäre die große Innovation. Unglaublich, was die für eine Wahrnehmung von sich selbst haben. Diesen Menschen ist nicht zu helfen.