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TV-Kritik/Review: "Kidding": Jim Carrey brilliert in Puppenspiel mit Trauerrand
von Gian-Philip Andreas(02.12.2018)

Man tut Jim Carrey unrecht, wenn man ihn bloß auf seine erfolgreichen Blödelrollen in
"Kidding", das fällt sofort auf, wurde mit viel Sorgfalt hergestellt. Was weniger schnell einleuchtet, ist, worauf die zehn halbstündigen Episoden hinauswollen: Beinahe szenenweise wechselt die Serie die stilistische Richtung, von der skurrilen Behind-the-Scenes-Satire rüber zur sarkastischen Familien-Tragikomödie, dann zur Charakterstudie mit Trauerflor und dann wieder zurück. Die tonalen Schwankungen tragen die ersten Episoden immer wieder momentweise aus der Kurve, führen dann aber unvermittelt zu anrührenden, witzigen, klugen Sequenzen. Es wird spannend sein zu verfolgen, ob und wenn ja, wie Holstein, Gondry, Carrey und Co. es gelingt, diese diversen Erzählhaltungen zusammenzuführen oder gewinnbringend nebeneinander weiterlaufen zu lassen.
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"Kidding" stellt die spannende Frage, wie es hinter den Kulissen einer solchen Show aussehen könnte, an der Menschen beteiligt sind, denen es, wie allen anderen auch, mal mehr, mal weniger gut geht. Dabei markiert der Titel das Spannungsfeld zwischen der hauptberuflichen Arbeit für Kinder und dem Begriff kidding wie in I'm just kidding, also: "Ich mach doch nur Spaß". Für Jeff Piccirillo hat sich Autor Holstein jedenfalls das denkbar größte Unglück ausgedacht: den Tod des eigenen Kindes. Zu Beginn der Serie ist dieser schon erfolgt. Phil Piccirillo starb, als ein Lieferwagen für Kuchen seitwärts in den Familienwagen raste. Der Fahrer des Lieferwagens hatte dabei den Titelsong von "Jesus Christ Superstar" auf den Lippen - ausgerechnet.
Übrig blieb nicht nur Phils elfjähriger Zwillingsbruder Will (Cole Allen), sondern auch eine zerstörte Kernfamilie: Jeffs Frau Jill (Judy Greer,

Die "Puppet Time" ist derweil ebenfalls ein großes Familienunternehmen: Als Executive Producer fungiert Jeffs strenger Vater Seb - gespielt vom gravitätischen
Vor diesen familiären Hintergründen kristallisiert sich ein zentraler Erzählfaden heraus: Dem traumatisierten Jeff entgleitet nicht nur der Alltag, sondern auch die Kontrolle über die Star-Persona; den stets fröhlichen, tröstenden Mr. Pickles mit aller Tagesroutine zu spielen, das fällt ihm zusehends schwer. Er produziert eine Folge zum Thema Tod, die sich sein Vater dann auszustrahlen weigert. Wo Jeff einfordert, "dass Kinder wissen, wie blau der Himmel ist, aber doch lernen sollten, was zu tun ist, wenn er einstürzt", drängt Seb mit unwiderlegbarer Logik darauf, die erfolgreiche Marke nicht durch Variation zu beschädigen: "You don't just take the cream out of the Oreo." Hinter der Show steht schließlich längst ein weitverzweigtes Merchandising-Imperium. Als sich der Konflikt zuspitzt und Jeff sich aus Wut und Trotz (kidding) einen breiten Streifen seines Haupthaars wegrasiert (Seb: "Du siehst aus, als würdest du gleich auf einen Glockenturm in Texas steigen und das Feuer eröffnen!"), plant der Vater sogar, die Show notfalls ohne ihren Star weiterzuführen und Jeff als animierte Figur moderieren zu lassen.

Auch ansonsten wechseln sich die Stillagen zwischen Sarkasmus, Schocks, Sitcom-Dialogen, absonderlichen Auftritten (Maddys Physiklehrerin, der als Beispiel für ein Gas zuerst "Zyklon B" einfällt) und tief tragischen Momenten beständig ab: Es ist für die Zuschauer nicht ganz leicht, sich in "Kidding" zu orientieren. Was sich auf lange Sicht auszahlen könnte - oder aber ins emotionale Aus führt. Das wird sich zeigen.

Am stärksten jedenfalls ist die Serie (in der Carreys "In Living Color"-Kolleginnen Kelly Coffield Park und T'Keyah "Crystal" Keymáh willkommene Gastauftritte haben) bislang immer dann, wenn sie Schlaglichter auf "Mr. Pickles Puppet Time" wirft, also entweder das Backstage-Gewusel oder aber Ausschnitte aus dem Programm zeigt - denn hier, wo nicht nur lustige Insekten und zottelige Pferde herumtrotteln, sondern auch deutlich schrägere Puppen, von genderfluiden Weltraum-Ottern über plappernde Käsebaguettes bis zu blasenblubbernden Badematten, ist auch Regisseur Gondry in seinem aus Filmen wie
Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten drei Episoden von "Kidding".
Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: Showtime
Der deutsche Pay-TV-Sender Sky zeigt die zehnteilige Auftaktstaffel von "Kidding" ab dem 3. Dezember immer am Montagabend ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen bei Sky Atlantic HD. In den USA ist bereits eine zweite Staffel bestellt worden.
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