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RTL, ProSieben und Sat.1 im Wandel: Seriöser, relevanter, familienfreundlicher - aber auch erfolgreicher?

von Glenn Riedmeier
(07.06.2021, 19.30 Uhr)
Bestandsaufnahme der großen Privatsender vor den Screenforce Days
TVNOW/Felix Rachor/TVNOW/Stefan Gregorowius/ProSieben/Michael de Boer/ProSieben/Screenshot
RTL, ProSieben und Sat.1 im Wandel: Seriöser, relevanter, familienfreundlicher - aber auch erfolgreicher?/TVNOW/Felix Rachor/TVNOW/Stefan Gregorowius/ProSieben/Michael de Boer/ProSieben/Screenshot

In genau einer Woche ist es wieder so weit: Die Screenforce Days finden - corona-konform digital - statt und bieten den großen deutschen TV-Sendern die Möglichkeit, ihre Programm-Highlights für die kommende Saison vorzustellen und den Werbekunden schmackhaft zu machen. Selten war die Branche im Vorfeld so gespannt darauf, was RTL, Sat.1, ProSieben und Co. dort vorstellen werden, denn die Sender haben bereits in den vergangenen Monaten mehrfach betont, ihr Programm und Senderverständnis neu auszurichten. Insbesondere RTL hat sich auf die Fahnen geschrieben, seriöser, relevanter und familienfreundlicher zu werden. Die Marke RTL soll positiv neu aufgeladen werden. Ein gewagtes und nicht risikofreies Vorhaben.

Hofer statt Bohlen

Die erste Bombe ließ RTL Anfang März platzen: Nur wenige Tage nach Dienstantritt des neuen Senderchefs Henning Tewes wurde verkündet, dass Jury-Urgestein Dieter Bohlen künftig nicht mehr Teil von  "Deutschland sucht den Superstar" und  "Das Supertalent" sein wird. Was tatsächlich niemand für möglich gehalten hätte, ist passiert: 19 Jahre nach der ersten "DSDS"-Staffel wurde dem Poptitan vom Sender gekündigt - unfreiwillig, wie sich relativ schnell herausstellte. Und so schwänzte Bohlen als Reaktion die letzten beiden "DSDS"-Live-Shows, für die er noch engagiert war. Angeblich aus Krankheitsgründen, doch während der Live-Sendung meldete er sich ziemlich fidel bei Instagram zu Wort. RTL wolle neue Wege gehen und familienfreundlicher werden. Da hat so ein Revoluzzer, der immer ein bisschen auf die Kacke haut, wie ich, eben nichts mehr zu suchen, so Bohlen. Sowohl bei "DSDS" als auch beim "Supertalent" will RTL in der kommenden Saison mit komplett neuen Jurys "neue Impulse" setzen.

Jan Hofer
Jan Hofer TVNOW/Stefan Gregorowius

Doch dies war nur der Anfang: Jan Hofer, der langjährige Chefsprecher der  "Tagesschau", wird Anchorman einer neuen wochentäglichen Nachrichtensendung im Hauptabendprogramm von RTL. Der Sender will mit Hofers Verpflichtung sein Newsangebot rund um das Flaggschiff  "RTL Aktuell" weiter ausbauen. RTL meint es ganz offensichtlich ernst mit der Ankündigung, mehr als bisher in Information zu investieren, um damit die Relevanz und die Nachrichtenkompetenz des Senders zu steigern. Denn über eine "Nachrichtensendung im Hauptabendprogramm" verfügt RTL derzeit nicht. Zwischen "RTL Aktuell" um 18.45 Uhr und dem  "RTL Nachtjournal" um Mitternacht gibt es bislang keine weitere reguläre Nachrichtensendung. Dies soll sich offenbar bald ändern und RTL könnte somit den  "Tagesthemen" und dem  "heute journal" Konkurrenz machen. Zudem wird es eine zusätzliche "RTL Aktuell"-Ausgabe am Nachmittag um 16.45 Uhr geben. Jüngst wurde hierfür Anna Fleischhauer als neue Moderatorin verpflichtet, die das Team um Peter Kloeppel, Charlotte Maihoff und Maik Meuser verstärken wird. Es wurde außerdem angekündigt, mit der Initiative "Klima vor acht" im Umfeld von "RTL Aktuell" eine regelmäßige Klimaberichterstattung zu etablieren.

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gab es bereits regelmäßig "RTL Aktuell"-Spezialausgaben um 20.15 Uhr und auch größere Sondersendungen zu Schwerpunktthemen, die kurzfristig ins Programm genommen wurden. Drei Stunden lang war etwa die Live-Sendung "Angriff auf unsere Kinder und was WIR dagegen machen können" zu sehen, in der Steffen Hallaschka mit Experten über Gefahren im Internet für Kinder aufklärte.

ProSieben will "Unterhaltung mit Haltung" zeigen

Vor dem Aufkommen der Streamingdienste gehörten US-Serien bei den Privatsendern zu den Highlights, mit denen man sich gerne brüstete. Doch Netflix, Prime Video, Disney+ und Co. decken das Bedürfnis nach fiktionaler Unterhaltung inzwischen komfortabler und zeitunabhängiger ab, was mit kontinuierlich sinkenden Reichweiten im linearen Fernsehen einhergeht. RTL hat sich schon seit dem Ende von  "Bones - Die Knochenjägerin" und  "Dr. House" komplett von US-Serien in der Primetime verabschiedet. In Sat.1 gibt es mittlerweile nur noch einen US-Serientag in der Woche, auf dem sich  "Navy CIS" und  "FBI: Special Crime Unit" enorm schwertun. ProSieben hält den US-Serien noch am ehesten die Treue, doch seit dem Ende von  "The Big Bang Theory" fehlt auch hier der Leuchtturm. Selbst einstige Hits wie  "Die Simpsons" und  "Grey's Anatomy" erreichen längst nicht mehr die Erfolgsquoten früherer Tage.

ProSieben/Screenshot

Daher beschreitet die rote Sieben seit einiger Zeit neue Wege. Kurzfristig wurde etwa ein  "ProSieben Spezial" zur #BlackLivesMatter-Bewegung ins Programm genommen. Zur besten Sendezeit zeigte der Sender auch die vielbeachtete Reportage "Rechts. Deutsch. Radikal.", für die Reporter Thilo Mischke mit dem  Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Zu den besonderen Live-Momenten zählen die 15 Minuten von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Jedes Mal, wenn sie als Sieger in der Show  "Joko & Klaas gegen ProSieben" hervorgehen, erhalten sie als Gewinn am darauffolgenden Mittwochabend 15 Minuten Sendezeit zur freien Verfügung. Diese nutzt das Entertainer-Duo des Öfteren, um auf wichtige Themen aufmerksam zu machen. Eine der eindrucksvollsten Aktionen war "Männerwelten", in der mit drastischen Beispielen gezeigt wurde, wie verbreitet Sexismus und sexuelle Belästigung gegenüber Frauen im Internet sind. In einer weiteren Ausgabe wurde auf das Schicksal der Menschen aus dem Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos aufmerksam gemacht. Getoppt wurde dies mit #nichtselbstverständlich: Ganze sieben Stunden lang räumte ProSieben unangekündigt seine Primetime für eine Dokumentation frei, die in Echtzeit den Alltag in einer Klinik zeigte und den Pflegenotstand thematisierte (TV Wunschliste berichtete).

Jüngst überraschte ProSieben auch mit dem ersten Interview mit Annalena Baerbock nach der Bekanntgabe ihrer Kanzlerkandidatur - Interviews mit Armin Laschet und Olaf Scholz folgten kurz darauf. Ungewohnte Bilder auf dem Sender, auf dem zu dieser Zeit für gewöhnlich die US-Sitcom "The Big Bang Theory" gezeigt wird.

Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel
Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel ProSieben/Michael de Boer

Doch das sollte nur der Anfang sein: Nur zwei Tage nach ihrem Abschied als "Tagesschau"-Sprecherin wurde bekannt, dass Journalistin und Moderatorin Linda Zervakis zu ProSieben wechselt, um dort gemeinsam mit Matthias Opdenhövel ab Spätsommer ein neues Journal zu präsentieren.  "Zervakis & Opdenhövel. Live." soll wöchentlich zwei Stunden lang live ab 20.15 Uhr ausgestrahlt werden und den eingeschlagenen Weg, "Unterhaltung mit Haltung" zu bieten, konsequent fortsetzen. Abgesehen von dieser neuen Sendung plant ProSieben auch darüber hinaus weitere relevante, journalistische Formate, darunter  "Die ProSieben-Bundestagswahl-Show" mit Louis Klamroth.

Wir wollen jedoch nicht vergessen, dass auf ProSieben im letzten Jahr auch die mehr als grenzwertigen Formate  "Balls - für Geld mach ich alles" und  "Beauty & the Nerd" liefen, die so gar nicht zum Image des vorbildlichen Relevanz-Privatsenders passen wollen. Demnächst lässt man auch noch unnötigerweise  "Die Alm" vom Fernsehfriedhof auferstehen. Doch natürlich steht ProSieben auch für gute Unterhaltung - mit Erfolgsformaten wie  "The Masked Singer", "Joko & Klaas gegen ProSieben" und dem erfolgreichen Neuzugang  "Wer stiehlt mir die Show?".

Auf der nächsten Seite geht es um den desolaten Zustand von Sat.1 und die angekündigte Neuausrichtung von RTL.

Sat.1: Führt Daniel Rosemann den Bällchensender aus der Krise?

Daniel Rosemann - Senderchef von ProSieben und Sat.1
Daniel Rosemann - Senderchef von ProSieben und Sat.1 ProSieben/Martin Saumweber

Entscheidende Wochen und Monate liegen vor Sat.1. Der zuletzt vor allem mit Skandalen und Negativ-Schlagzeilen aufgefallene Sender will sich ebenfalls neu erfinden. Ähnlich wie bei RTL gab es auch in Unterföhring vor wenigen Wochen einen Wechsel an der Spitze: Daniel Rosemann, der sich seit März 2016 als mutiges und kreatives Gesicht an der Spitze von ProSieben etabliert hat, übernahm Mitte Mai auch die Verantwortung für Sat.1. Er folgt damit auf Kaspar Pflüger, der den Sender in eine quoten- und imagetechnische Misere geritten hat. Abgesehen von  "The Voice of Germany" (mit Rückenwind von ProSieben) und der x-ten Wiederholung von  "Fack ju Göhte" und  "Harry Potter" ist momentan für Sat.1 nicht viel zu holen. Mit der Ankündigung, "lauter" zu werden und dem skandalträchtigen Format  "Promis unter Palmen" gelang es Pflüger, den Ruf von Sat.1 ohne Rücksicht auf Verluste vollends gegen die Wand zu fahren. Während RTL und ProSieben bereits einen klaren Weg hin zu mehr Seriosität und Relevanz verfolgten, schien Sat.1 in die entgegengesetzte Richtung zu gehen und sich mit aller Gewalt vom einstigen "Kuschelsender" (Zitat: Harald Schmidt) in einen Krawallsender verwandeln zu wollen.

Der neue Sat.1-Chef Daniel Rosemann hat sich ein klares Ziel gesteckt: SAT.1 ist als erster großer Privatsender 1984 auf Sendung gegangen und hat danach dem Fernsehen immer wieder besondere Impulse verliehen. Zum 40. Geburtstag möchte ich, dass ein neues SAT.1 mit alter Stärke strahlt. Die Rede ist von notwendigen Impulsen für einen Neuanfang.

Matthias Distel
Matthias Distel Instagram/Ikke Hüftgold

Erste Taten ließ er auf diese Worte bereits folgen: Nachdem Matthias Distel alias Ikke Hüftgold unfassbare Zustände bei der Doku-Soap  "Plötzlich arm, plötzlich reich" öffentlich machte, dauerte es einige Tage, bis der Sender die Entscheidung fällte, das Format einzustellen (TV Wunschliste berichtete). Noch in der gleichen Woche trennte man sich nach den Skandalen in den letzten beiden Staffeln endgültig von "Promis unter Palmen". Die Sendung passe nicht mehr zu Sat.1, wo man jetzt vor allem "Unterhaltung mit Herz" zeigen möchte (TV Wunschliste berichtete). Mit Luke Mockridge, Jochen Schropp, Ruth Moschner, Marlene Lufen, Hugo Egon Balder, Hella von Sinnen, Ralf Schmitz und Martina Hill hätte man prinzipiell schon Personal für dieses Vorhaben - es bekommt von Sat.1 nur schlichtweg kaum etwas zu tun. Man darf gespannt sein, welche weiteren Maßnahmen in den kommenden Monaten getroffen werden und ob erste Konzepte bereits bei den Screenforce Days präsentiert werden.

Die Marke RTL soll positiv neu aufgeladen werden

Zurück nach Köln: Wir erneuern RTL und entwickeln uns als Programm und Marke immer weiter, lautet das klare Statement von Senderchef Henning Tewes. Dies betrifft nicht nur die Information, sondern auch die Unterhaltung. Ende März folgte die nächste überraschende Ankündigung: Hape Kerkeling wird nach achtjähriger Abstinenz auf den Fernsehbildschirm zurückkehren - RTL hat sich den beliebten Entertainer, Moderator und Schauspieler für gleich mehrere Projekte ins Boot geholt. Bislang geplant sind eine neue fiktionale RTL-Serie mit Kerkeling in der Hauptrolle sowie zwei weitere Unterhaltungsformate für TVNOW und die Sender RTL und VOX.

Hape Kerkeling kehrt zurück
Hape Kerkeling kehrt zurück TVNOW/Felix Rachor

Im Gegenzug wurde überraschend die Late-Night-Show  "Pocher - gefährlich ehrlich!" eingestellt - angeblich passe Pochers mitunter derber Humor nicht mehr zu dem, was man sich bei RTL fortan unter familienfreundlicher Unterhaltung vorstellt. Wenn selbst Pocher jetzt schon zu hart ist, darf man gespannt sein, wie künftig die RTL-Comedy aussieht. Es sollte jedenfalls nicht das Ziel sein, jeglichen Humor zu verbannen, der zwischendurch aneckt - andernfalls könnte man direkt jede Woche das Programm von Sascha Grammel wiederholen.

All diese Schritte passen zu dem eingeschlagenen Kurs der Sendergruppe, die Marke RTL neu positionieren und aufwerten zu wollen. Dahinter steht das groß angelegte Projekt "RTL United", unter dem die Mediengruppe RTL ihre Markenarchitektur vereinheitlichen will und dafür neue, positive Leitlinien eingeführt hat. Weg vom Trash-Image, hin zu mehr Seriosität, Empathie, Positivität, Relevanz und Haltung. Selten hat ein Sender derart offensiv einen Kurswechsel angekündigt, der bei vielen Branchenbeobachtern zunächst einmal für Erstaunen und bei vielen Zuschauern für Häme gesorgt hat: RTL und seriös? Guter Witz!

Eine typische Szene aus dem "Sommerhaus der Stars"
Eine typische Szene aus dem "Sommerhaus der Stars" TVNOW

Kein Wunder, schließlich hat der Kölner Sender vor allem unter der langjährigen Führung von Anke Schäferkordt einiges dafür getan, zum Trash-Sender Nummer 1 zu werden. Vom Dschungelcamp und  "Der Bachelor" über  "Bauer sucht Frau" bis hin zu  "Das Sommerhaus der Stars",  "Schwiegertochter gesucht",  "Deutschland sucht den Superstar" und  "Das Supertalent" - all das sind Formate, für die RTL jahrelang in erster Linie stand und sich damit nicht gerade den besten Ruf erarbeitet hat. Und wir wollen nicht vergessen: Noch im letzten Jahr wollte RTL live die Hochzeit von Michael Wendler und Laura Müller übertragen, bevor aus bekannten Gründen die Zusammenarbeit beendet wurde (TV Wunschliste berichtete).

Nun soll also eine neue Zeitrechnung beginnen. Die spannende Frage ist schlichtweg: Wie weit traut sich RTL zu gehen und wie konsequent wird der Kurswechsel tatsächlich umgesetzt und im Programm sichtbar? Es ist ja nicht so, dass RTL ganz von vorne anfangen muss, denn Erfolgsshows wie  "Wer wird Millionär?",  "Let's Dance",  "Ninja Warrior Germany" oder auch  "Denn sie wissen nicht, was passiert - Die Jauch-Gottschalk-Schöneberger-Show" passen hervorragend zum neuen, familienfreundlichen Ansatz. Doch was wird aus umstrittenen, imageschädlichen Formaten wie dem "Sommerhaus der Stars", von dessen letztjähriger Staffel sich RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm gar öffentlich distanzierte? Was wird aus "Schwiegertochter gesucht", das bereits im letzten Jahr inhaltlich überarbeitet und "erwachsener" mit Verzicht auf peinliche Alliterationen erzählt wurde?

RTL als Familiensender, RTL+ als Auffangbecken für Trash?

Es könnte ein Hinweis darauf sein, wie RTL mit bestehenden Marken verfahren wird, denn auch "DSDS" und "Das Supertalent" werden ja nicht verschwinden, sondern sollen runderneuert zurückkehren, so dass sie zum neuen RTL passen. Schwer vorzustellen, dass sich der Sender von seinem Reality-TV-Flaggschiff  "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" trennen wird. Auch am "Sommerhaus der Stars" will RTL nach aktuellem Stand festhalten - jedoch härter durchgreifen und Teilnehmer rigoros rauswerfen, sollten sie sich aggressiv verhalten.

"Temptation Island" - eines der vielen "Schöne Menschen kuppeln, streiten und begatten sich auf einer Insel"-Formate
"Temptation Island" - eines der vielen "Schöne Menschen kuppeln, streiten und begatten sich auf einer Insel"-Formate TVNOW/Frank Fastner

Überhaupt Trash-TV - das zuletzt durch einige Skandale unterhalb jeglicher Niveauskala arg in Verruf geratene Genre ist streng genommen kaum vereinbar mit der angekündigten positiven Aufladung der Marke RTL. Doch vor allem für seinen Streamingdienst TVNOW (demnächst RTL+) produziert die Mediengruppe derartige Formate am laufenden Band:  "Ex on the Beach",  "Temptation Island",  "Paradise Hotel",  "Are You The One?",  "#CoupleChallenge",  "Just Tattoo Of Us" und so weiter und so fort. Wird man sich von alledem trennen? Vermutlich nicht - obwohl der Richtungswechsel nur dann wirklich konsequent wäre.

Viel logischer erscheint eher, dass hinter der groß angekündigten Neuausrichtung in Wirklichkeit eine gezielte Aufteilung der Zuschauerschaft steckt - und damit in gewisser Weise Augenwischerei. Junge Menschen, die immer weniger linear fernsehen, finden ihre Kuppel- und Trashshows voraussichtlich noch mehr gebündelt online bei RTL+. Im linearen Hauptprogramm schielt RTL hingegen künftig nicht mehr so sehr auf die Zielgruppe, sondern will der ARD und dem ZDF ein paar ältere Zuschauer abluchsen. Denn während Unter-30-Jährige immer schwieriger zu erreichen sind, steigen bei den Ü50-Jährigen die Reichweiten. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint der Kurswechsel gar nicht mehr so unlogisch. Ob das anvisierte Publikum diesen Weg mitgehen wird, bleibt allerdings abzuwarten - schließlich wird es von ARD und ZDF bereits ausreichend bedient. Man darf gespannt sein, in welche Richtung der Unterhaltungsdampfer RTL schippern wird - mit Günter Jauch, Thomas Gottschalk und Hape Kerkeling sind die richtigen Sendergesichter jedenfalls bereits an Bord.


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Leserkommentare

  • Teiwaz schrieb am 13.06.2021, 14.10 Uhr:
    Die sogenannten Privaten sind mit dem Anspruch gestartet, alles besser zu machen als ARD und ZDF.
    Außer dem umfangreichen Bashing des öffentlich-rechtlichen Angebotes ist nichts herausgekommen. Gar Nichts.
  • serieone schrieb am 10.06.2021, 10.25 Uhr:
    TV-Sender wollen seriöser werden. Etwa mit den Trash-Formaten Das Sommerhaus Der Stars oder Die Alm. Finde den Fehler!!!
  • LegendenLebenEwig (geb. 1983) schrieb am 09.06.2021, 23.04 Uhr:
    Je weniger nicht deutsche Serien & Filme auf diesen Sendern laufen, desto weniger attraktiv werden sie.
    n-tv z.B. hat sich insbesondere durch den tragischen 11. September 2001 als unumgängliches Nachrichtenformat in der TV-Landschaft behaupten können; da mögen RTL, Sat.1 & Pro7 dasselbe anstreben mögen, erreichen werden sie diese Vorreiterrolle aber nicht mehr.
    Zählt man jetzt noch RTL 2 als Degenerierten-TV werden der sog. regulären Arbeitszeiten & VOX, dem Sender für weniger Feingefühl in das, was die Zuschauer sehen wollen, als in Quoten, Quoten, Quoten, bleiben im Grunde genommen nur noch DMAX, Kabel 1, sixx, Tele 5 und die diversen Zusatzsender wie Pro7 Maxx usw. interessant.
    Mag man das lineare TV durch viele Streamingdienste noch so sehr schlecht machen wollen, liegt es nun einmal vorwiegend daran, daß ent weder für den Rinnstein der Gesellschaft solche "Formate"à la Doku-Soap produziert werden oder irgendwelche völlig durchgekauten Themen wiedergekäut werden, wobei immer irgendwo ein Nazi von der afd sein braunes Gesülze (r)ausdrückt.
    Nein, dann lieber auf andere Sender wechseln, ja vielleicht sogar auf die öffenlitch-rechtlichen, die nur selten auf Einschaltquoten gieren müssen, um etwas im Angebot zu haben, das WIRKLICH der wortwörtlichen Unterhaltung dient.
    Und wenn dann doch nichts dabei ist, was den nicht-existenten "Durchschnittszuschauer" dazu verleitet, ist Streaming immer noch da.
  • User_1151628 schrieb am 08.06.2021, 19.39 Uhr:
    MarkoP mecker nicht machs besser und alle anderen die auf privates fernsehn nicht angwiesen sind ihr müsst trotztdem zahlen. Die tv sender versuchen den streaming portalen konkurenz zu machen.
  • serieone schrieb am 08.06.2021, 19.21 Uhr:
    Ich vermisse das TV Programm aus den 90ern. Heute benutze ich lieber Streamingdienste, da ich im TV Programm nichts mehr finde. Neue Serien und Filme sind fast nicht mehr im Programm. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass ich das TV Programm wieder öffters einschalte, nur weil nun mehr Nachrichten im TV gezeigt werden. Die 4 Stunden lange Eigenproduktionen will ich mir auch nicht antun. Da bleib ich besser beim streamen.
  • zynicus schrieb am 08.06.2021, 17.00 Uhr:
    Alles, vieles, wird politisch korrekter. Da müssen schwarze, gelbe, diverse in Heimatfilmen oder am urigen Bauernhof oder in der Wirtshausstube auftreten. Und selbstverständlich müssen die Rollen Minderheitengerecht ausgeschrieben und besetzt werden.
    Die Zeit von Bohlen&Co (das wird man ja noch sagen dürfen&Co) scheint vorbei zu sein.
    Der erboste oder erhobene Belehrungsfinder, die Moralkeule , die Empörung ist heutzutage "in", hipp, angesagt. Wer da nicht mitzieht (Willkommen, fürs Klima, für den Umweltschutz, gegen Kapitalismus usw, für mehr Integration und Diversivikation usw) hat schlechte Karten. Auch wenn man davon selbst nicht überzeugt ist, aber der Markt, der Trend, zeigt in diese Richtung.
    Vielleicht haben die Privaten (RTLII&Co mal ausgenommen), die Zeichen der Zeit erkannt, oder ganz einfach marktwirtschaftliche Überlegungen, also jeder Gruppe, die zu laut aufschreien oder einen Sturm der Entrüstung lostreten könnte, man ihr einen Platz, also Moderation, Sendeplatz, Rolle etc gibt. Dazu abgesichert mit ein paar bekannten (alten) Gesichtern.
    Disney hat es ja vorgemacht...
  • Brigidde (geb. 1974) schrieb am 08.06.2021, 13.34 Uhr:
    Spricht mich jetzt auch nicht mehr an wie vorher. Trash-Shows werden zahmer....hmm..ich glaub, die Leute, die Trash-Shows mögen, gucken es doch gerade wegen der Skandale, die sowas eh nicht mögen werden es dennoch nicht gucken. Jede Menge Nachrichtensendungen reizen mich jetzt auch nicht.
  • Hauptkommissar (geb. 1973) schrieb am 08.06.2021, 13.01 Uhr:
    Hauptsache die Ruinieren nicht meine "Cobra" sonst verschwindet der Sender von meiner Liste!!! das steht mal fest
  • MarkoP (geb. 1976) schrieb am 08.06.2021, 09.13 Uhr:
    Wo sind die guten alten Zeiten hin als RTL und gerade Pro7 mit eigenproduzierten TV-Spielfilmen zumindest ab und zu glänzen konnte?
    Heute schmeißt man lieber hundert Tausende Euros für Castings auf den Malediven raus statt damit einen 90-minütigen Film zu produzieren.
  • Fernsehschauer schrieb am 07.06.2021, 23.12 Uhr:
    Als sollten die Trashsendungen über Hand nehmen bei dem neuen RTL+ (immer noch ein dummer Name) werde ich das TVNOW Abo eben kündigen und gut ist. Bis jetzt ist die Mischung ausgewogen und so soll es bitte auch bleiben. 
    Und das blablabla von allen drei Senderchefs kann man sich sonst wo hinstecken nur heiße Luft mehr nicht. Pro7 produziert eine neue Staffel "Die Alm" ist die dann mit Frauen diversen und schwarzen besetzt oder wie passt das zu "Unterhaltung mit Haltung"? RTL und Sat1 wollen sich vom Trash lossagen wobei das bei RTL zumindest in der Daytime noch glaubwürdiger ist als bei Sat1. Da müsste man ja 90% des Sat1 Programmes zusammenstreichen - und nein Herr Rosemann es gibt kein anspruchsvolles RealityTV. Gab es nie wird es nie geben. Das ist einfach nur ne billige Ausrede für die Trashstufe unter "Promis unter Palmen". 
    Und RTL will man positiver aufladen? Wie passen dann die Trasshows noch dazu (u.a. Sommerhaus der Stars, oder Dschungelcamp) So bleibt RTL einfach eine Mischung aus in gewisser Weise Information und Trash. Da wird gar nix positiv neuaufgeladen.

    Noch einmal zurück zu dem neuen dämlichen Slogan von Pro7. Belehrungsfernsehen kann ich auch bei den ÖR bekommen da brauch ich kein Pro7. Was ist eigentlich aus "Gute Unterhaltung" und "We love you to entertain you" geworden? Kaum Wunder habe ich Pro7 schon ewig nicht mehr gesehen. Bei Shows kommt man irgendwie nicht um das moralische Zeigefinger heben mit den Belehreren Joko&Klaas (nett ausgedrückt) drum herum. Irgendetwas was Spaß macht gibt es bei Pro7 im Showbereich nicht mehr. Und wenn Dokumentationen kommen sind sie entweder inhaltsleer mit den gleichen Kampfbegriffen wie immer oder ähneln eher "Dokus" aus China, Nordkorea oder der DDR. 
    Also so schafft sich das Privatfernsehen der 1. Reihe wirklich ab. Besonders Pro7 ist da die große Enttäuschung da RTL es nicht so dermaßen übertreibt mit dem moralischen Zeigenfinger und wenn gehen die Versuche schief (wie kürzliche diese Barth-Klischeeshow) und da Rosemann nun auch Sat1 übernommen hat wird er da das gleiche Konzept umsetzen. Na hallejulia. Zum Glück bin ich auf die Privaten nicht mehr angewiesen. 
  • Elcheline schrieb am 07.06.2021, 21.54 Uhr:
    Ich muss ganz ehrlich sagen ich bin ein trash Fan. Es ist ok das die Sender etwas ändern wollen. Wenn wir mal ehrlich sind lebt doch trash von diesen Skandalen. Der Sender hat eine Sendung, lädt prominente ein und DIE füllen doch die Sendung. Die zeigen uns wie sie wirklich sind. Oft ist die Enttäuschung groß wenn ein handzamer promi zum arsch wird. Das ist aber dann wohl sein wares ich. Das können wohl einige nicht verkraften. Klar geht es manchmal zu weit. Dann muss der promi raus und die Sendung geht weiter. Sein Image hat der promi dann weg. Dann wird es wohl demnächst nur noch Hase und Igel geben. Wenn das nicht zuviel ist. Man sieht den wahren Charakter und schon ist die Sendung schuld. Aber der promi der es verursacht hat ist unschuldig. Klar.
  • Hauptkommissar (geb. 1973) schrieb am 08.06.2021, 13.03 Uhr:
    DIe werden ja nicht Abgesetzt sondern es wird härter durchgegriffen, also "XYZ-Promis" die Agressiv werden, fliegen raus, mehr nicht und dass man sich von Bohlen getrennt hat, war halt Notwendig, Ich persönlich sehe die 19.Staffel von "DSDS" Zweigeteilt: einerseits es kann Funktionieren und die Neuausrichtung Funktioniert, oder das ding wird nach 20 Jahren versenkt....abwarten!

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