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TV-Kritik/Review: The Blacklist

TV-Kritik zum Actionthriller mit James Spader - von Gian-Philip Andreas (24.10.2013)
TV-Kritik/Review: The Blacklist

The Blacklist
FBI-Agentin Elizabeth Keen (Megan Boone) und Top-Verbrecher Raymond 'Red' Reddington (James Spader).

Der Anfang macht schon Eindruck: Da rauscht dieser mittelalte Mann mit Hut und Mantel in die Lobby der FBI-Zentrale, meldet sich mit Namen an, entledigt sich dann sowohl des Mantels als auch des Hutes, kniet seelenruhig nieder, hält die Hände über den Kopf und muss keine zwei Sekunden warten, ehe es überall blinkt und hupt und sich zahllose Gewehrläufe auf ihn richten: Raymond 'Red' Reddington, der "Concierge des Verbrechens", stellt sich dem FBI. Lächelnd. In Kooperationsabsicht.

Ein gutes Intro ist das, aber es ist ein trügerisches. Denn von dieser knappen Präzision wird "The Blacklist", die neue Dramaserie auf NBC, dann doch recht weit entfernt bleiben. Ausgeheckt hat den Krimi ein gewisser Jon Bokenkamp, den man als Autor des verblichenen Angelina-Jolie-Thrillers "Taking Lives" gewiss nicht kennen muss. Das Wichtigste ist hier aber sowieso der Hauptdarsteller: James Spader. Der "Boston Legal"-Star kehrt nach langer Auszeit zurück und lässt seinem Robert California aus "The Office" und dem Kino-Comeback in "Lincoln" nun endlich wieder eine Serienhauptrolle folgen. Mit 53 und kurz geschorenen Haaren gibt er hier einen Verschnitt aus Hannibal Lecter und Benjamin Linus, ein kriminelles Mastermind mit Vorliebe für gutes Essen und sardonische One-Liner. Und weil Spader eine der profundesten, tollsten Stimmen unter den amerikanischen Schauspielern besitzt, hört man ihm auch dann noch gerne zu, wenn er so dämliche Dialoge sprechen muss wie hier teilweise, und selbst noch, wenn auf dem Soundtrack zum x-ten Mal der ewig nahe liegende Stones-Heuler "Sympathy for the Devil" bemüht wird, um die Diabolik einer Figur zu kommentieren.

Red Reddington also, der lang gesuchte Megaverbrecher. Früher war er selbst ein Mann des Gesetzes, jetzt ist er zurück im Apparat, allerdings hinter Gittern. Er hat einen Plan - und eine "Blacklist": Darauf stehen die verdorbensten Supergangster, und Red kennt sie alle. Er weiß, wann sie zuschlagen und wie sie zu erwischen sind. Und er bietet dem FBI seine Hilfe an. Bedingung: Er will ausschließlich mit der Jung-Profilerin Elizabeth Keen reden, die gerade erst ihren Dienst antritt. Spätestens wenn dann die unerfahrene Gesetzeshüterin dem in einer spacigen Hochsicherheitsbox gefangenen Charakterschuft Red gegenübersitzt, darf man getrost den "Schweigen der Lämmer"-Alarm auslösen.

Umso verstörender ist es dann, wie wenig Kapital Bokenkamp aus dieser erprobten Prämisse schlägt. Vordergründig wird jedenfalls pro Folge ein Villain-of-the-Week von der Blacklist gestrichen: Im Pilot ist's ein serbischer Söldner, der Rache üben will, in Episode zwei ein "Freelancer" genannter Killer, in der dritten (und bislang mäßigsten) Folge ein chinesischer Brutalo-Gangster. Red weiß (woher auch immer) zu Beginn der Episoden stets, dass zu diesem oder jenem Zeitpunkt ein Anschlag erfolgen wird, kann deshalb Ratschläge erteilen und den Fall zusammen mit Keen und ihrem Team lösen. Dabei ist der Plot allerdings in all jenen Punkten inkonsequent, die ihn eigentlich konstituieren. So redet Red schon in der Pilotfolge keineswegs nur mit Keen, sondern zum Beispiel auch mit deren Chef, Special Agent Cooper (Harry J. Lennix, "Dollhouse", "Man of Steel"). Außerdem entwischt Red den Hightech-Fesseln der Behörde immer wieder ohne jede dramaturgische Not: Mal trifft er Keen im Zoo, mal fliegt er mit ihr nach Montreal (wo er sich sogar absetzt und unbestraft einen Mord begehen kann), dann wieder darf er sogar einen brisanten Undercover-Einsatz absolvieren.

The Blacklist
Harry J. Lennix verkörpert Keens Chef, Special Agent Cooper.
So unterhaltsam es ist, Spader bei seinen ironischen Täuschungsmanövern zuzuschauen, so fragwürdig bleibt dabei diese sonderbare Freizügigkeit. In "Sleepy Hollow", dem Fox-Konkurrenzprodukt, kann man sich derzeit zwar ebenso fragen, warum die Polizei so nonchalant einen verwirrten Zeitreisenden als Ermittler zulässt, doch in dem Fall basiert die ganze Serie auf übersinnlichen Annahmen - was letztlich die absurden Hakenschläge erlaubt. "The Blacklist" hingegen gibt sich als knallharte Krimiserie, die Washington als realen Schauplatz nutzt und Humor einzig seinem sinistren Hauptcharakter zubilligt - ansonsten ist sie bierernst. Wie soll man aber vor diesem Hintergrund die sich häufenden Plot-Abstrusitäten schlucken?

"The Blacklist" hat aber weitere Schwächen. Und die weibliche Hauptfigur ist die gravierendste. Elizabeth Keen nämlich bleibt in den ersten Episoden eine Frau ohne Eigenschaften, die wirkt, als hätte sie sich aus einer Nicholas-Sparks-Verfilmung unter Zwang auf Jodie-Foster-Terrain verirrt. Alles, was man von ihr weiß, ist ihr entweder äußerlich abzuschauen (sie hat eine Narbe!) oder aber wird referiert: Angeblich ist sie eine brillante Elite-Profilerin frisch von der Quantico-Uni, taff und mit sozialen Defiziten. Doch nicht der Plot fördert diese Charakterisierung zutage - nein, die bedauernswerte Darstellerin Megan Boone muss das selbst aufzählen, auf Anweisung von Cooper. Dieser Hang zum uneleganten Charakter-Referat wohnt der Serie auch an anderen Stellen inne. Gleich zu Beginn etwa muss Keens Kollege Ressler (Diego Klattenhoff, der Mike Faber aus "Homeland") aus dem Off all das runterrattern, was man über Reddington wissen sollte. Das passt zur Einfallslosigkeit, mit der auch die anderen Figuren behandelt werden - gerade Cooper und Ressler wirken bislang so blass, dass man sie auch gleich hätte streichen können. In Episode zwei erhandelt sich Red, der Superverbrecher, einen Immunitäts-Deal, der ihm zwei Bodyguards einbringt, darunter die folterlustige CIA-Agentin Malik (Parminder Nagra aus "Kick it Like Beckham"). Doch die bleibt bis dato ebenso unterbelichtet wie der Rest.

Die Dialoge? Eine weitere Baustelle. Als die FBI-Profilerin in der zweiten Episode der italienischen Menschenrechtsaktivistin Floriana Campo begegnet, begrüßt sie sie mit den feierlichen Worten: "Ich bewundere Sie so sehr! Ich schrieb meine Abschlussarbeit über Ihre Arbeit in Kuala Lumpur." Schwer wird's, da nicht Lieutenant Frank Drebin mit seiner "Nackten Kanone" um die Ecke biegen zu sehnen - erst recht, als sich Campo (übrigens beneidenswert uninteressiert gespielt von der großen Isabella Rossellini) am Ende als skrupellose Mädchenhändlerin entpuppt. Eigentlich müsste das die junge Ermittlerin in eine Sinnkrise stürzen, doch die hat schon andere Sorgen: Ihr gütiger Mann Tom (Ryan Eggold aus "90210"), dem gleich in der Pilotfolge ein Messer den Oberschenkel zerschnetzelt, scheint ein Doppelleben zu führen. Er bewahrt unter den Wohnzimmerdielen eine Pistole, viel Geld und falsche Papiere auf. Liegt hier die Saat für eine staffelübergreifende Mystery? Der paranoialastige Cliffhanger der dritten Folge deutet darauf hin. Auch die Motive des selbstgewissen Red liegen noch im Dunkeln. Warum ist er so väterlich auf Elizabeth fixiert, dass er sich in Episode drei sogar schützend vor sie stellt? Bedient er sich des FBIs womöglich bloß als eines nützlichen Idioten, um mit seiner Hilfe persönliche Feinde von der "Blacklist" zu ixen? Da hätte er noch was vor sich, denn die Liste ist lang. Die Autoren beginnen in der zweiten Folge vorsichtshalber mit der Nummer 145: Man weiß ja nie, wie viele Staffeln noch kommen.

Ob die Liste abgearbeitet werden kann, bleibt abzuwarten. Immerhin ist "The Blacklist" keine komplett missglückte Serie. Vieles gelingt ja auch, sogar jenseits der charismatischen Hauptfigur. Der von Joe Carnahan ("The Grey") inszenierte Pilotfilm hat beispielsweise ein gutes Tempo und glänzt mit überraschend fies montierten Schrecksekunden sowie einer formidablen Action-Choreografie im Mittelteil, die den Zuschauer fast aus dem Sessel fegt; auch später wissen die Episoden immer wieder mit geschickt gerafften Sequenzen und Binnenspannungsbögen zu punkten. Doch dem entgegen stehen die schlaffe Figurenzeichnung und ein Krimi-Klischeefeuerwerk aus Last-Second-Countdowns und spinnerten Computertüftlern.

So ganz ist also noch nicht abzusehen, wohin die Reise geht: Die Ganovenhatz könnte ziemlich schnell sehr langweilig werden oder aber, im Gegenteil, allmählich immer spannender - vorausgesetzt, es gelingt den Autoren, die Figuren deutlich lebhafter zu gestalten als sie es bisher vermochten.

Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Folgen von "The Blacklist".

Meine Wertung: 2.5/5

Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: NBC


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Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").