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TV-Kritik/Review: "ES: Welcome to Derry": Das Warten auf den Horrorclown
von Gian-Philip Andreas(26.10.2025)

Immer Ärger mit Pennywise: Dem Horrorclown aus Stephen Kings bald 40 Jahre altem Erfolgsroman "Es" (1986) wird nach den beiden Kinofilmen (
Wer Kings Roman kennt oder die Filme gesehen hat (oder die populäre Erstumsetzung als
Das Jahr 1962 bietet Muschietti, der die Serie gemeinsam mit seiner Schwester Barbara und

Im Zentrum steht Familie Hanlon, der später sicher auch der aus Buch und Film bekannte Mike Hanlon entstammen wird. Derlei Verbindungslinien werden in der Serie immer wieder gezogen. Vater Leroy, gespielt von Jovan Adepo (
Gemeinsam mit ihm ziehen Leroys politisch engagierte Frau Charlotte (Taylour Paige aus
Die restlichen Kids bilden einen Freundeskreis, wie er aus anderen King-Zusammenhängen bestens bekannt ist: auf Fahrrädern durch die Kleinstadt radeln, in Geheimverstecken abhängen, Filme und Bücher verschlingen. Teddy (Mikkal Karim-Fidler), Phil (Jack Molloy Legault), sein Schwesterchen Susie (Matilda Legault), vor allem aber Lilly (Clara Stack), die nach dem Unfalltod ihres Vaters einige Zeit in der Psychiatrie verbrachte und seither gemobbt wird, die um Anerkennung buhlende Marge (Matilda Lawler aus

Tatsächlich hält die Serie ein paar sehr brutale Sequenzen vor, doch deren Wirkung fällt unterschiedlich aus. So löblich Muschiettis Ansatz auch ist, im durchdigitalisierten Marvel-Zeitalter vor allem auf handgemachte Spezialeffekte zu setzen, so albern können die bisweilen ausfallen. Fliegende Monsterbabys und abgesägte Basedow-Augen scheinen teilweise eher einer frühen Horrorparodie von Peter Jackson entlehnt zu sein als einer Stephen-King-Story. Andere Szenen dagegen, vor allem jene, in denen Kinder von Pennywises Traum-Variationen behelligt werden, vermögen durchaus jenes Entsetzen hervorzurufen, das aus ersten King-Lektüren im Teenageralter ebenso bekannt sein dürfte wie aus den gelungeneren unter den Verfilmungen.
Ein kurioser Effekt stellt sich ein: Nach dem gigantischen Erfolg von
Ein Original aber, nein, das ist "Welcome to Derry" dann tatsächlich nicht. Nach den fünf (von acht) Episoden, die der Presse vorab zugänglich gemacht wurden (und von denen Muschietti nur die ersten beiden inszenierte), ist nicht so ganz klar, ob sich die vielen Handlungselemente am Ende glücklich fügen werden, ob sie also wirklich etwas Neues zu erzählen haben oder nur Altbekanntes neu zusammenwürfeln. Zu viele Themen werden aufgemacht, die für sich genommen hochinteressant und in Kings Roman auch angelegt sind. Insgesamt aber überfrachten sie den Plot. Es geht um Polizeikorruption und Rassismus, um den Kalten Krieg und dann auch noch um die indigene Bevölkerung von Derry, die nicht nur empört darüber ist, dass das Militär ihre heiligen Stätten schändet, sondern auch mythologischen Anspruch auf den Ursprung von "Es" erhebt. All das bleibt (bislang) zu sehr an der Oberfläche, um zwischen den teils wie herauslösbare Geisterbahnnummern wirkenden Schocksequenzen ihre fraglos beabsichtigte Wirkung entfalten zu können: als Reflexionsfläche zu dienen für die sich derzeit ins reaktionäre Vorgestern katapultierenden USA. Für so etwas aber ist, mit Verlaub, diese Gruselclownshow dann doch zu dünn gedrechselt. Pennywise zum Beispiel als Kalter-Kriegs-Metapher? Na ja.

Das Figurenensemble ist sowieso zu groß geraten; erwähnt sei hier der Neunzigerjahre-Kinostar Madeleine Stowe (
"Welcome to Derry" unterhält insgesamt ordentlich (und mitunter auch sehr spannend), leidet aber an der üblichen Prequelitis. So ist die Fallhöhe des Plots zwangsläufig nicht allzu hoch, denn das, was wir aus den Filmen kennen, bleibt davon unberührt: Mike Hanlon wird geboren werden, also müssen wir um Will Hanlon wohl nicht bangen. Die Tatsache, dass fast jede Figur bereits in den ersten Episoden auf Pennywise-Inkarnationen stößt, macht zudem jede weitere Inkarnation weniger schockierend als jene, die man gerade eben schon gesehen hat. Wenn die Realität ständig verschoben und verbogen wird, verliert dieses Verschieben und Verbiegen eben schnell seinen Grusel.
Leider betrifft das auch den ersten Auftritt von Pennywise höchstselbst. Wann und wo er auftritt, dürfen wir nicht verraten - nur dass er, wie in den Filmen, von Bill Skarsgård gespielt wird. Vielleicht aber noch so viel: Man muss ganz schön lange auf ihn warten, und dann ist er auch (fürs Erste) schnell wieder weg. Für eine Serie, die so zentral um diese Figur herum aufgebaut ist, ist das möglicherweise ein bisschen wenig.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten fünf Episoden von "ES: Welcome to Derry".
Die achtteilige Miniserie "ES: Welcome to Derry" wird bei HBO in den USA in der Nacht von Sonntag auf Montag (26. auf 27. Oktober) veröffentlicht. Parallel erscheint sie on Demand durch Sky Deutschland via WOW und Sky GO und läuft ab dem 27. Oktober um 20.15 Uhr bei Sky Atlantic.
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