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TV-Kritik/Review: "Dein letztes Solo": Im Netflix-Ballettkrimi sind die Dialoge noch flacher als die Bäuche der Stars
von Gian-Philip Andreas(21.12.2020)

Wenn Tänzer, Sänger, Schauspieler viel Talent und vor allem auch viel Glück haben, stehen sie irgendwann umjubelt im Rampenlicht. Rosen regnen auf sie hernieder, Fans und Gönner und vielleicht sogar Werbepartner suchen dann ihre Nähe. Aber wenn sie dieses Glück nicht haben - und das ist ja meistens der Fall -, dann bleiben zerschmetterte Träume zurück. Und ein Leben im Konjunktiv.
Der kämpferische Versuch derer, die zu den wenigen zählen wollen, die es am Ende "schaffen", ist als Gegenstand der Unterhaltungsindustrie seit Jahrzehnten etabliert: Casting-Shows und Reality-Soaps aller Art zehren davon, sie erzählen von Leuten, die am Ende vielleicht mal fünfzehn Minuten Ruhm abgreifen - das ist nicht viel, aber immerhin etwas. Und auch Showbiz-Kinofilme à la
Die Serie, entwickelt vom kanadischen Theatermann Michael MacLennan (der auch Folgen von

Neveah Stroyer (Kylie Jefferson) kommt aus unterprivilegierten Verhältnissen in Südkalifornien: Normalerweise hätte das schwarze Mädchen keine Chance auf einen Platz an der elitären Balletthochschule in Chicago, doch nach dem Skandal um die vom Dach gestoßene Schülerin wird es als Nachrückerin aufgenommen. Schulleiterin Monique Dubois (Lauren Holly aus
Mit Neveah lernen die Zuschauer das Personal an der Schule kennen: den leicht übergriffigen Sportmediziner, der die Schützlinge abtastet wie ein Stück Fleisch, die taffe Internatsaufseherin, die darüber wacht, dass in den eng bemessenen Doppelschlafzimmern keine Unzucht getrieben wird, den gestrengen Ballettmeister der Schule, der, wie es sich in Filmen und Serien dieser Art geziemt, keine Minute vergehen lässt, in denen er seine Eleven und Elevinnen nicht niedermacht.
Neben Neveah, die sich vor allem aufgrund ihrer Herkunft beweisen muss, kristallisieren sich zwei weitere Elevinnen als Protagonistinnen heraus, die ebenfalls unter beinhartem Erfolgsdruck stehen: Die asiatisch-stämmige June (Daniela Norman) ist Tochter einer sogenannten "Tiger Mom", die ihr die Unterstützung schon bei der kleinsten Niederlage entzieht. Bette (Casimere Jollette), die blonde Primaballerina, hat dagegen die Fron zu tragen, dass ihre ältere Schwester Delia (Tory Trowbridge) zu den erfolgreichsten Absolventinnen der Schule zählt, international Karriere gemacht hat und in der Gunst der steinreichen Mutter, obendrein bedeutendste Gönnerin der Schule, deutlich höher gestellt ist als sie selbst. Um diesen Umstand zu ändern, ist Bette zu jeder Intrige bereit - und auch dazu, ihre Gesundheit auf die Probe zu stellen.

Minderwertigkeitskomplexe, sozialer und privater Druck, unterschwelliger Rassismus, Missbrauchskonstellationen: Man hätte aus diesen Problemlagen sicherlich ein spannendes, differenziertes, die Charakternuancen mit größtmöglicher Ehrlichkeit auslotendes Drama machen oder davon erzählen können, wie eine auf Perfektion geeichte Gesellschaft sensible Seelen zerstört. Doch "Dein letztes Solo" schmeißt sich lieber ins schamlos Seifenopernhafte und garniert das mit mäßig mitreißendem Mystery-Mumpitz. Um Neveah, June und Bette gruppieren sich also noch ein paar männliche Kommilitonen, die vor allem den Zweck haben, weitere mit der Tanzwelt verbundene Aspekte abzubilden: Shane (Brennan Clost,
Und der Krimi-Teil? Um die Schülerinnen und Schüler herum kreist beständig die Polizistin Isabel Cruz (Jess Salgueiro,

Man folgt all dem mit eher verhaltenem Interesse. Erstens liegt das daran, dass es Geschichten dieser Art schon zu oft gegeben hat, zweitens aber sicher auch daran, dass sowohl die Qualität der Dialoge als auch mancher Darstellerleistungen sehr zu wünschen übrig lässt. Die Regisseure der beiden ersten Folgen (Samir Rehem und der kinoerfahrene Gary Fleder,
Auf der Plot- und Figurenebene ist "Dein letztes Solo" also vergessenswert; trotzdem lohnt die Serie zumindest für ein Publikum mit gesteigertem Interesse an Tanz bzw. Ballett den Blick. Die Tanzszenen selbst nämlich sind gelungen - was nicht nur an den Jungdarstellern liegt, die das Tanzen besser beherrschen als die dramatische Schauspielkunst, sondern auch an der Beteiligung vieler tatsächlicher Tänzer und Tänzerinnen im Hintergrund. So wird beispielsweise auch die gesamte Schülerschaft der Archer School, jenseits der Protagonisten, von Profis verkörpert. Das macht sich in den Klassen- und Bühnenszenen sehr bemerkbar und hält die Serie auf einem achtbaren Level. In dieser Hinsicht zumindest.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten beiden Episoden der Serie "Dein letztes Solo".
Die zehnteilige Auftaktstaffel von "Dein letztes Solo" ist weltweit im Angebot des Streaming-Dienstes Netflix verfügbar.
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