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TV-Kritik/Review: "For All Mankind": Weltraumserie bleibt "ein kleiner Schritt für die Filmkunst"

von Ralf Döbele
(04.11.2019)
Auftakt der Apple-Prestigeserie kann nicht zünden
Amerikansicher Alptraum: Die sowjetische Flagge wurde in "For All Mankind"als erstes auf dem Mond gepflanzt
Bild: Apple TV+
TV-Kritik/Review: "For All Mankind": Weltraumserie bleibt "ein kleiner Schritt für die Filmkunst"/Bild: Apple TV+

Es sind Fragen, die Weltraum-Fans seit Jahrzehnten bewegen: Was wäre geschehen, wenn der Weltlauf ins All zwischen den USA und der UdSSR nicht mit den Apollo-Mondmissionen geendet hätte? Was, wenn die Unterstützung durch US-Regierung und Öffentlichkeit nach der historischen Mission von Neil Armstrong nicht nachgelassen hätte? Wie weit könnten wir schon sein? Welche Teile unseres Sonnensystems hätten wir bereits erforscht und hätte die Menschheit vielleicht längst einen "kleinen Schritt" auf den Mars gesetzt?

"For All Mankind", eine der ersten vier Drama-Produktionen des neuen Streaming-Dienstes AppleTV+, nimmt diese Fragen auf und stellt noch eine weitere: Was, wenn ein russischer Kosmonaut der erste Mensch auf dem Mond gewesen wäre?

Nicht nur die Prämisse lässt aufhorchen, sondern auch der Showrunner. Ronald D. Moore hatte sich seine erste Sporen als Fernsehautor im "Star Trek"-Universum verdient und lieferte später mit der Neuauflage von "Battlestar Galactica" und "Outlander" zwei absolute Kulthits ab. Gemeinsam mit den "Fargo"-Veteranen Matt Wolpert und Ben Nedivi entwickelte er das historische Planspiel und mit "The Killing"-Star Joel Kinnaman ist ein charismatischer Hauptdarsteller an Bord.
Zeitungsschlagzeile: Die Roten haben den Mond erobert.

Umso größer ist die Ernüchterung nach den ersten drei Folgen, die seit dem Start von AppleTV+ am 1. November verfügbar sind. "For All Mankind" nutzt die zahllosen Möglichkeiten seines Set-Ups kaum und verläuft sich in den Auftakt-Episoden viel zu lange bei unwichtigen Nebenschauplätzen und Events. Die monumentale Niederlage der USA fungiert zunächst nicht als Tritt in den Hintern für den Weltraum-Wettlauf, sondern vor allem als Auslöser für träges Lamentieren, das in absolutem Schneckentempo voranschreitet.

Vielleicht liegt ein grober Fehler der Serie bereits in ihrer Hauptfigur, Astronaut Ed Baldwin, verkörpert von Kinnaman. Baldwin und sein Kollege Gordo Stevens (Michael Dorman) flogen mit Apollo 10 zum Mond, um die Landefähre in der Umlaufbahn des Erdtrabanten zu testen - aber nicht um zu landen. Nach dem Coup der Russen, dann noch vor dem Start von Apollo 11 quasi aus dem Nichts auf dem Mond zu landen, müssen sich Baldwin und die NASA die Frage gefallen lassen, ob man mit Apollo 10 nicht doch bereits in der Lage gewesen wäre zu landen.

Als sich Baldwin gegenüber der Presse zu kritischen Statements hinreißen lässt, gefährdet er seine Karriere und das Weltraumprogramm selbst. Die NASA habe keinen Mumm in den Knochen mehr, würde seit dem Feuer von Apollo 1 - bei dem auch historisch drei Astronauten ums Leben kamen - keine Risiken mehr eingehen wollen. Aus diesem Grund habe man verloren. Leider eine Argumentation, die kaum ein Kenner des realen Apollo-Projekts teilen wird.

Baldwin und Gordo sind die (bislang) einzigen fiktiven Apollo-Astronauten der Serie. Dementsprechend werden sie immer von zahlreichen Statisten umkreist, bei denen es sich um bekanntere Kollegen wie Neil Armstrong oder Buzz Aldrin handeln soll. Allerdings bleiben Baldwin und Gordo fast genauso farblos wie jene Pappkameraden. Sie scheinen kaum eigene Charakterzüge zu besitzen, sondern müssen lediglich Stimmungen und Informationen transportieren, damit auch der letzte Zuschauer begreift, was hier denn auf dem Spiel steht. So wirken sie kaum anders, als der scheinbar einzige Nachrichtensprecher Amerikas (dargestellt von Nick Sandow aus "Orange is the New Black"), der stets auf diversen Bildschirmen erscheint, wenn sich der nächste Überraschungs-Sieg der Russen anbahnt.

Noch verwunderlicher wirkt der Aufbau der ersten beiden Episoden um Baldwin und Gordo, als ab Folge drei klar wird, dass Präsident Nixon als nächsten Schritt eine Frau auf den Mond schicken will - nachdem bisher keine Frauen im Astronauten-Corps waren. Die gesamte Episode, fraglos die beste der drei, steht im Zeichen der neu rekrutierten Kandidatinnen, der von ihnen zu absolvierenden Tests und ihres Überlebenstrainings. Man fragt sich unwillkürlich: Hätte man das nicht bereits in Folge eins mit einem Zeitsprung direkt nach der Mondlandung der UdSSR an diesen Punkt kommen können?

Erinnerung an Apollo 10: Ed Baldwin (Joel Kinnaman, r.) und Gordo Stevens (Michael Dorman) testen zahlreiche Manöver für Apollo 11, durften aber aus Sicherheitsbedenken nicht den Schritt auf die Mondoberfläche nehmen.

Stattdessen müssen die Zuschauer das Privatleben von Baldwin und Gordo verfolgen, das einer Blaupause für Astronauten-Serien zu entstammen scheint. Während sich Baldwins Ehefrau Karen (Shantel VanSanten; "Shooter") mit ihrem Leben als NASA-Ehefrau durchaus identifizieren kann, hadert Goros Frau, die Pilotin Tracy, mit ihrem Schicksal - und mit dem Verhalten ihres Mannes, der sie nach Strich und Faden betrügt.

Sarah Jones ("The Path") ist als willensstarke Tracy ein absolutes Geschenk für die Serie. Nach den ersten halbkomatösen Stunden, verleiht ihr Eintritt in das Apollo-Programm der Serie einen dringend benötigten Energieschub. Leider steht sie als interessante Figur weitgehend alleine auf weiter Flur.

Margo Madison (Wrenn Schmidt; "Outcast"), die erste Frau in Mission Control und damit ein potentiell herausragender Charakter, bleibt fast vollkommen farblos. Chris Bauer ("The Deuce") erweist sich als uninspirierte Wahl für die Rolle von Astronaut Deke Slayton, der mittlerweile bei der NASA für die Crew-Zuteilung zuständig ist. Bauer kommt nicht ansatzweise an das Charisma und den verschmitzten Humor des echten Slayton heran. Ähnlich ergeht es Eric Ladin ("Bosch") als legendärer Flugdirektor Gene Kranz, der es mit der "Apollo 13"-Glanzleistung von Ed Harris in dieser Rolle nicht aufnehmen kann.

Sonya Walger ("FlashForward") verkörpert Molly Cobb, die erfahrenste Pilotin unter den angehenden Astronautinnen. Die Figur basiert zu einem großen Teil auf dem echten "Mercury 13"-Programm, das in den frühen 1960er Jahren unter Beweis stellen wollte, dass Frauen den körperlichen Anforderungen der Raumfahrt genauso gewachsen sind wie Männer. Alleine deshalb hat die Figur ihren Reiz. Leider verkommt sie in ihrer bislang einzigen Folge zur sarkastischen und klischeebehafteten One-Liner-Maschine.

Genauso wenig durchdacht wie die Figurenkonstellation sind die wenigen historischen Veränderungen, die "For All Mankind" bislang präsentiert. Ein alternativer und überaus dramatischer Verlauf der Apollo 11-Mission bleibt letztendlich ohne Konsequenzen für die weitere Handlung und das Weltraumprogramm. Warum wird er dann überhaupt gezeigt? Der Umgang mit der Figur Wernher von Brauns (dargestellt von Colm Feore; "The Umbrella Academy"), dem Erfinder der Saturn V-Mondrakete, und Präsident Richard Nixons Reaktionen auf das Geschehen in Folge zwei erscheinen bestenfalls naiv.

Colm Feore als Wernher von Braun, Vater des amerikanischen Raketenprogramms.

Dass sich die Serie traut, die USA als klaren Verlierer und ewigen Zweiten zu positionieren, ist einer ihrer interessantesten Aspekte und steht natürlich in krassem Gegensatz zu anderen Apollo-Verfilmungen und zum Selbstverständnis der Nation. Praktisch äußert sich dies aber leider vor allem in übertrieben wirkendem Selbstmitleid der Astronauten, in viel zu zahlreichen Hinterzimmer-Konferenzen und zahlreichen Verweisen auf einen korrupten Präsidenten. Wie die tatsächliche Stimmung im Land nach den monumentalen Niederlagen ist, wird zwar hin und wieder knapp erwähnt. Wirklich gezeigt wird es uns nie.

Stattdessen erhalten wir eine unglücklich in die ersten Folgen gepresste Nebenhandlung über eine junge Mexikanerin, die ganz offensichtlich nicht nur von einer Zukunft in Amerika, sondern auch von den Sternen träumt. Auf was dies hinausläuft, dürfte klar sein, selbst wenn es erst in der gerade bestellten, zweiten Staffel von "For All Mankind" soweit sein könnte. Dennoch bleibt die Frage: Ist es wirklich nötig, all dies bereits jetzt mit dem Holzhammer anzuteasern und damit die ohnehin zähe Handlung noch weiter zu verlangsamen?

Bei seiner detailgetreuen historischen Ausstattung kann "For All Mankind" liefern, doch nicht einmal das hilft dem oft grau in grau wirkenden Drama auf die Sprünge. Der geneigte Apollo-Fan erhält makellose Reproduktionen von Mission Control, der bunten Corvettes der Astronauten, der Raumanzüge und der Mondlandefähren. Doch nachdem frühere Apollo-Verfilmungen wie "From the Earth to the Moon" oder zuletzt "Aufbruch zum Mond" hier bereits absolute Perfektion vorgelegt haben, ist dies bei "For All Mankind" nicht die Kür, sondern schlichtweg die benötigte Grundausstattung.

Würde es Episode eins und zwei nicht geben, wäre die dritte Folge der Startschuss von "For All Mankind", so würde das Gesamturteil etwas positiver ausfallen - leicht ironisch für eine Serie über einen alternativen Geschichtsverlauf. So aber lässt sich kaum vorhersagen, ob es den Machern gelingen wird, den leichten Aufwärtstrend von Episode drei zu nutzen oder ob sie sich bald wieder in trivialen Umwegen verirren werden. Eine Serie, die der NASA einerseits vorwirft, keinen Mut zu großen Entscheidungen zu besitzen, sich selbst aber im Klein-Klein verläuft, wird keinen Weltraumwettlauf gewinnen können.

Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Episoden der Serie "For All Mankind".

Meine Wertung: 2.5/5

Ralf Döbele
© Alle Bilder: Apple TV+/Sony Pictures TV

Seit dem 1. November 2019 veröffentlicht der Abo-Dienst Apple TV+ die Serie "For All Mankind" - zum Start wurden drei Episoden veröffentlicht, ab 8. November geht es mit wöchentlichen Folgen weiter. Die Serie wird auch in Deutschland unmittelbar in Synchronfassung sowie einer Fassung mit Audiodeskription veröffentlicht.


Trailer zu "For All Mankind" (englisch)


 

Über den Autor

  • Ralf Döbele
Ralf Döbele ist Jahrgang 1981 und geriet schon in frühester Kindheit in den Bann von "Der Denver-Clan", "Star Trek" und "Aktenzeichen XY…ungelöst". Davon hat er sich als klassisches Fernsehkind auch bis heute nicht wieder erholt. Vor allem US-Serien aus allen sieben Jahrzehnten TV-Geschichte haben es ihm angetan. Zu Ralfs Lieblingen gehören Dramaserien wie "Friday Night Lights" oder "The West Wing" genauso wie die Prime Time Soaps "Melrose Place" und "Falcon Crest", die Comedys "I Love Lucy" und "M*A*S*H" oder das "Law & Order"-Franchise. Aber auch deutsche Kultserien wie "Derrick" oder "Bella Block" finden sich in seinem DVD-Regal, das ständig aus allen Nähten platzt. Ralf ist seit 2006 als freier Redakteur für TV Wunschliste tätig und kümmert sich dabei hauptsächlich um tagesaktuelle News und um Specials über die Geschichte von deutschen und amerikanischen Kultformaten.

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Leserkommentare

  • xena123 schrieb am 11.11.2019, 07.20 Uhr:
    xena123Öde trifft Superöde.
    Und das obligatorische, krampfhafte unterbringen vermeindlich unterdrückter Minderheiten wirkt nur noch lachhaft, wenn man selbst eine alternative Version der 50er, 60er Jahre beschreiben will.
  • User 1513474 schrieb am 07.11.2019, 15.30 Uhr:
    User 1513474..... wer mit den Rauchen eben erst aufgehört hat , sollte sich das nicht antun.
    Auch wenn die früher gequalmt haben , was das Zeug hält- es
    dramaturgisch irgendwie dazu gehört , so ist es doch eine erhebliche Zumutung für
    ehemalige Nikotin Junkies.
    Da haben die sich so viel mühe gemacht , die Kulissen Bauer müssen Überstunden geschoben haben , aber leider ist nur ein Werbefilm für die Tabak Lobby entstanden .
  • hasendasen schrieb via tvforen.de am 05.11.2019, 11.35 Uhr:
    hasendasenSchade, der Trailer sah ganz vielversprechend aus. Dann kann ich die Serie wohl von der Liste streichen.