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TV-Kritik/Review: "The Last Tycoon": Melancholische Atmosphäre beim stilvollen Blick in die Traumfabrik
von Marcus Kirzynowski(16.08.2017)

Zwanzigstes Jahrhundert geht irgendwie immer. Spätestens seit
Dafür, dass Fitzgeralds letzter Roman unvollendet geblieben ist, hat er eine beachtliche Reihe an Adaptionen in unterschiedlichen anderen Medien vorzuweisen. Am bekanntesten dürfte der 1976er Kinofilm von Altmeister Elia Kazan ("Jenseits von Eden") sein, mit Robert de Niro in der Hauptrolle des Filmproduzenten Monroe Stahr. Dieser Klassiker hatte eine Starbesetzung aufzuweisen (von Robert Mitchum über Tony Curtis und Jack Nicholson bis Jeanne Moreau), mit der die Amazon-Serienfassung naturgemäß nicht mithalten kann. Hier sind es eher typische TV-Gesichter, die in die Hauptrollen schlüpfen, wobei der 39-jährige Schönling Matt Bomer (

1936. Monroe Stahr ist ein junger Erfolgsproduzent in einem großen (fiktiven) Hollywood-Studio namens Brady American. Sein Aussehen und seine Ausstrahlung lassen vermuten, dass ihm alles gelingt, was er anpackt. Außerdem ist er ein großer Womanizer, die Herzen der Damen fliegen ihm nur so zu. Hinter der perfekten Fassade hegt Stahr allerdings einen tiefen Schmerz, seit er Witwer wurde. Gleich vier Frauen halten ihn auf Trab: Kathleen Moore (Dominique McElligott,


Dieses Bewusstsein für und die Thematisierung von gesellschaftlichen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen und Veränderungen ist eine große Stärke der Serie. Durch sie geht "The Last Tycoon" über bloßen Eskapismus hinaus, wird an einigen Stellen aktueller und relevanter, als man bei einer in den 30er Jahren spielenden Serie vermuten würde. Nicht nur durch diese Elemente erinnert die Serie deutlich an "Mad Men", sondern natürlich auch durch die Optik. Auch hier gibt es überwiegend schöne Menschen in eleganter Garderobe zu bewundern, auch die Ausstattung ist stilvoll. Wie die Werbeindustrie und noch stärker als diese ist das Filmbusiness eine Traumfabrik, ein Ort, an dem kreative und handwerklich begabte Menschen daran arbeiten, perfekte Parallelwelten zu erschaffen, um andere Menschen dazu zu bringen, ihr Geld auszugeben. Anders als in den heutigen Major-Studios gab es damals aber noch Träumer wie Monroe Stahr in Führungspositionen, denen es eben nicht in erster Linie darum ging, ohne Rücksicht auf Verluste den shareholder value zu mehren. Ein Hauch von Vergeblichkeit weht jedoch von Anfang an über sein Tun, die Zeit für Träumer lief schon damals unaufhaltsam ab. Heute beherrschen Endlos-Filmreihen, Remakes und Superhelden-Franchises die Multiplex-Kinos. In mancherlei Hinsicht waren die 1930er dann vielleicht doch die besseren Zeiten.
Naturgemäß können sich die Serienautoren um Showrunner Billy Ray (der vor mehr als zwanzig Jahren die visionäre SF-Serie
Hervorheben muss man noch einige originelle Regieeinfälle (Ray inszenierte die beiden Auftaktfolgen selbst, für Episode 3 übernahm die erfahrene Serienregisseurin Julie Anne Robinson). So finden sich mehrmals interessante Spiegeleffekte, wenn Figuren nur für die Zuschauer und eben nur in Spiegeln sichtbar, mimisch auf andere Figuren reagieren. Und Folge 3 endet mit einer herrlich überdrehten Musicalszene, die so typisch amerikanisch-süßlich ist, dass einem der ganze Zucker fast wieder hochkommt. Neben der gelungenen Inszenierung ist es vor allem das Potential an erzählerischer Tiefe und melancholischer Atmosphäre, die "The Last Tyccon" vom Mittelmaß vieler neuerer Dramaserien abhebt.
Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Episoden der Serie "The Last Tycoon".
Marcus Kirzynowski
© Alle Bilder: Amazon LLC
Die Serie "The Last Tycoon" befindet sich bereits jetzt in einer englischen Sprachfassung im Angebot von Amazon Prime. Die deutsche Synchronversion wird am 15. September 2017 veröffentlicht.
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