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TV-Kritik/Review: "Mindhunter": David Finchers intensiver Crashkurs in Sachen Fallanalyse
von Gian-Philip Andreas(18.10.2017)

Vier Jahre ist es her, seit der Streaming-Dienst Netflix den Serienmarkt mit seiner ersten Eigenproduktion aufmischte: Die Episoden von
Im Jahr 2017 liegen die Dinge anders: Netflix ist längst Platzhirsch, aber nicht mehr der einzige Anbieter, der Serienstaffeln komplett veröffentlicht. Trotzdem wird bei jeder neuen Eigenproduktion genau hingesehen, diesmal sogar ganz besonders, denn als Produzent (an der Seite von Oscarpreisträgerin Charlize Theron) und Regisseur tritt erneut Fincher in Aktion - diesmal zudem in einem Metier, in dem sich der Regisseur von

In "Mindhunter" übernimmt Jonathan Groff (
Ford wird als Ausbilder an die Akademie zurückberufen, doch nach Gesprächen mit einem fortschrittlichen Kollegen und einem soziologisch nach vorne denkenden Uni-Professor macht sich der sozial ungelenke Nichtraucher (verdächtig!) mit progressiven Ideen bei seinen Altvorderen unbeliebt - nicht die einzige Parallele zum Discovery-Channel-Achtteiler
Der psychologiefeindliche Akademiechef Shepard (Cotter Smith, 
Gemeinsam begeben sich Ford und Tench in den Außendienst, auf langen Dienstfahrten quer durch die USA versuchen sie, rassistischen Provinzpolizisten von ihren Schwarzweiß-Sichtweisen und archaischen Vergeltungsüberzeugungen abzubringen - was nicht immer gelingt. Ford, der sein ruppiges Publikum mit Freud, Dostojewski und Shakespeare behelligt, muss Lehrgeld bezahlen, kommt irgendwann aber auf eine einschneidende Idee: Er will lernen, wie Serienmörder ticken, indem er mit diesen spricht. In Kalifornien besucht er, angeregt durch den Cop-Kollegen Detective Molina (Felix Solis aus
Bis zu diesem Punkt, an dem die Geschichte eigentlich erst richtig losgeht, benötigen Penhall und Fincher zwei einstündige, beeindruckend dicht inszenierte Episoden, die allerdings sehr langsam und nicht immer geschmeidig in die Gänge kommen: Die dritte Hauptfigur, Psychologin Wendy Carr (gespielt von
Gewiss, genau wie die anderen Netflix-Originals ist die Serie erkennbar auf ein ununterbrochenes Binge-Watching angelegt, weshalb der langsame Beginn in einer einzelnen Sichtungssitzung weniger ins Gewicht fällt als in einem Betrachtungsmodus mit Pausen, doch gerade die Pilotepisode krankt daran, dass Penhall zu viel Zeitgeschichte und Charaktermotivation in zu kurzer Zeit unterbringen will. In jedem zweiten Satz wird Setting-Information transportiert: Von der Operation Entebbe bis zum "Son of Sam" wird alles, was damals in den Nachrichten war, referiert, und der Soundtrack spielt uninspiriert alles an, was 1977 im Radio zu hören war, von Toto über 10CC, von Steve Miller bis Don McLean. Fast aufdringlich wird es, als Ford in einer Bar die attraktive, supercoole und vorwitzige Soziologiestudentin Debbie Mitford (Hannah Gross) kennenlernt, die ihn dann während des Konzerts einer Proto-Punk-Band in eine Diskussion über Emile Durkheim und den Etikettierungsansatz verwickelt. Das erinnert eher an ein zwanghaft auf cool getrimmtes Proseminar über Kriminalpsychologie als an den Kennenlern-Flirt eines angeschickerten Regierungsbeamten und einer 24-jährigen Akademikerin. Natürlich wird Debbie trotzdem Fords Freundin, gemeinsam schauen sie im Kino
Zum Glück wird dieser leicht ungelenke Info-Ballast schon in der zweiten Folge weitgehend abgeworfen. Darin wachsen sich die Treffen zwischen Holt und Kemper im Gefängnis zu beklemmend intensiven Höhepunkten aus: Zu loben ist hier besonders Schauspieler Cameron Britton, der den riesenbabyhaften Killer mit Schnauzer und Hornbrille beängstigend jovial, mit ruhiger Stimme und präzise zwischen Selbstmitleid und Größenwahn anlegt. Wie der Mann, der seine Opfer tötete, verstümmelte und posthum sexuell missbrauchte, seine Taten als "Oeuvre" verklärt, vor Misogynie und Menschenhass strotzt, sich aber gleichzeitig den eigenen Foltertod wünscht und frühkindliche Demütigungen durch die Mutter als charakterlich wegweisend durchscheinen lässt, das ist zugleich schwer zu ertragen und faszinierend: Britton toppt hier fast Anthony Hopkins im Fach des intelligenten Serienmörders. Fincher weiß seit "Sieben", wie man Verhöre mit Psychopathen so inszeniert, dass man seinen Blick kaum abzuwenden wagt (obwohl man's eigentlich möchte).
Herkömmliche Proceduralkost scheint in "Mindhunter" jedenfalls nicht im Mittelpunkt zu stehen, auch wenn es Tench und Ford zwischendurch mit verzweifelten Provinzcops (darunter Peter Murnik als Detective Carver in Sacramento) zu tun bekommen, die sie in ungelösten Mordfällen um Rat fragen. Gut möglich, dass sich das weiter durch den Plot zieht. Eher aber scheinen Penhall und Fincher (der vier der zehn Folgen der ersten Staffel inszenierte) den Weg aus computerloser Vorzeit hin zur Etablierung des wissenschaftlich fundierten Profilings in der Kriminologie nachvollziehen zu wollen; auf Interviewszenen mit weiteren Serientätern der Zeitgeschichte darf man sich auf jeden Fall gefasst machen. Die Action liegt hier nicht im Rabatz, sondern in den Wortwechseln. "Mindhunter", kann man sagen, ist eine Studie über Psychostudien: wortlastig, aber spannend. Das ist eine durchaus vielversprechende Prämisse, und man merkt schon in Episode zwei, wie sie aufzugehen beginnt. Dass die weiteren Folgen von Könnern wie Asif Kapadia (
Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: Patrick Harbron/Netflix
Die erste Staffel von "Mindhunter" ist seit dem 13. Oktober im Angebot von Netflix verfügbar.
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