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TV-Kritik/Review: "Mindhunter": David Finchers intensiver Crashkurs in Sachen Fallanalyse

TV-Kritik/Review: "Mindhunter": David Finchers intensiver Crashkurs in Sachen Fallanalyse

von Gian-Philip Andreas (18.10.2017)
Netflix-Serie erzählt spannend aus der Urzeit des Profilings
"Mindhunter": Holden Ford (Jonathan Groff) im Interview mit Häftling Jerry Brudos (Happy Anderson) in "Mindhunter"
Bild: Patrick Harbron/Netflix
TV-Kritik/Review: "Mindhunter": David Finchers intensiver Crashkurs in Sachen Fallanalyse/Bild: Patrick Harbron/Netflix

Vier Jahre ist es her, seit der Streaming-Dienst Netflix den Serienmarkt mit seiner ersten Eigenproduktion aufmischte: Die Episoden von "House of Cards" wurden auf einen Schlag abrufbar gemacht, man kam damit dem Binge-Bedürfnis eines neuen, serienversessenen Publikums entgegen. Produzent und Pilotfilmregisseur der Politserie war der hochdekorierte Kinofilmregisseur David Fincher - es war damals der letzte noch fehlende, aber eigentlich gar nicht mehr notwendige Beleg dafür, dass sich Qualitäts-TV hinterm Kinoprogramm nicht mehr zu verstecken brauchte.

Im Jahr 2017 liegen die Dinge anders: Netflix ist längst Platzhirsch, aber nicht mehr der einzige Anbieter, der Serienstaffeln komplett veröffentlicht. Trotzdem wird bei jeder neuen Eigenproduktion genau hingesehen, diesmal sogar ganz besonders, denn als Produzent (an der Seite von Oscarpreisträgerin Charlize Theron) und Regisseur tritt erneut Fincher in Aktion - diesmal zudem in einem Metier, in dem sich der Regisseur von "Sieben" und "Zodiac - Die Spur des Killers" besonders gut auskennt: dem Serienmörderwesen.

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"Mindhunter" erzählt, so sagen das die Macher, die "origin story" des Profilings, also der kriminalistischen Fallanalyse. Die Story um einen Neuling in der verhaltenswissenschaftlichen Abteilung des FBI, der der Kriminalpsychologie zu einem völlig neuen Blickwinkel verhilft, beginnt im Jahr 1977 und stellt den diversen, orange-braun-bunten Seventies-Rekonstruktionen jüngerer Zeit (von "Vinyl" bis "The Deuce") eine metallicblaue Düstervariante gegenüber - wie es von Fincher nicht anders zu erwarten war. Der Londoner Theaterautor Joe Penhall (bekannt durch sein Skript zur Postapokalypse "The Road") nahm das Sachbuch "Mind Hunter: Inside the FBI's Elite Serial Crime Unit" von Mark Olshaker und John E. Douglas zur Vorlage für seine fiktionalisierte, aber mit echten Fällen und Tätern hantierende Verarbeitung. John E. Douglas selbst (heute 72) gilt als Vater des modernen Profilings, Schriftsteller Thomas Harris modellierte nach ihm die Figur Jack Crawford aus den Hannibal-Lector-Romanen: In der Serie "Hannibal" wird Crawford von Laurence Fishburne gespielt, in den Kinofilmen von Dennis Farina (in "Blutmond"), Scott Glenn (in "Das Schweigen der Lämmer") und Harvey Keitel (in "Roter Drache"). Auch die Mandy Patinkin- und Joe Mantegna-Figuren in "Criminal Minds" wurden Douglas nachempfunden.

Anna Torv als Wendy Carr in Mindhunter
Anna Torv als Wendy Carr in "Mindhunter"


In "Mindhunter" übernimmt Jonathan Groff ("Looking", "Boss") diesen Part, auch, wenn er hier Holden Ford heißt. Er ist im Cast die einzig halbwegs große Nummer unter lauter guten Leuten aus der zweiten Reihe, aber dennoch: Als Besetzungs-Entscheidung ist Groff auf den ersten Blick diskutabel, der glattgesichtige 32-Jährige wirkt eher wie ein Platzhalter, wie eine möglichst kantenfreie Identifikationsfigur. Ganz am Anfang wird er als modern negotiator eingeführt, der beim Verhandeln mit verwirrten Geiselnehmern auf Kommunikation, Empathie und Deeskalation setzt - und damit scheitert. Als sich ein von ihm "betreuter" Geiselnehmer umbringt, tröstet ihn Shepard, der Chef der FBI-Akademie in Quantico, Virginia, damit, dass das immer noch besser sei, als wenn der Mann all seine Geiseln umgebracht hätte.

Ford wird als Ausbilder an die Akademie zurückberufen, doch nach Gesprächen mit einem fortschrittlichen Kollegen und einem soziologisch nach vorne denkenden Uni-Professor macht sich der sozial ungelenke Nichtraucher (verdächtig!) mit progressiven Ideen bei seinen Altvorderen unbeliebt - nicht die einzige Parallele zum Discovery-Channel-Achtteiler "Manhunt: UNABOMBER". Ford benennt den Unterschied zwischen "herkömmlichen" Verbrechen und zeitgenössischen Mordserien: Das FBI war gegründet worden, um Verbrechern nachzustellen, die zum eigenen Vorteil handelten, aus Geld- oder Machtgier. Doch die Taten eines Charles Manson etwa oder des gerade erst im Jahr zuvor gefassten New Yorker Serienkillers "Son of Sam" scheinen keiner Logik, keinem Sinn mehr zu gehorchen. Waren sie die Konsequenz einer aus den Fugen geratenen Zeit, eines durch den verlorenen Vietnamkrieg und den Watergate-Skandal moralisch entgleisten Amerika? Und, weiter gefragt, waren solche Mörder, wie damals weithin angenommen, von Geburt an Monster, oder aber Produkte privater oder gesellschaftlicher Umstände? Der Begriff "Serienmörder" war damals noch nicht einmal in Gebrauch.

Der psychologiefeindliche Akademiechef Shepard (Cotter Smith, "Endstation Gerechtigkeit") ist mit derlei Fragen ohnehin nicht zu beeindrucken. Immerhin findet Ford in dem im verhaltenskriminologischen Routinedienst in die desillusionierten Jahre gekommenen Agentenkollegen Bill Tench (sehr gut: Holt McCallany) einen Komplizen. Die Tench-Figur konzipierte Penhall nach dem Vorbild Robert Resslers, der in den späten Siebzigern tatsächlich ein Kollege von Douglas/Ford gewesen war. Der hemdsärmelig-unaufgeregte Tench macht als Kontrastfigur zum jung-idealistischen Bubi Ford auch dessen Besetzung mit dem juvenil-glatten Groff verständlicher.

Holden Ford (Jonathan Groff) und Bill Tench (Holt McCallany)

Gemeinsam begeben sich Ford und Tench in den Außendienst, auf langen Dienstfahrten quer durch die USA versuchen sie, rassistischen Provinzpolizisten von ihren Schwarzweiß-Sichtweisen und archaischen Vergeltungsüberzeugungen abzubringen - was nicht immer gelingt. Ford, der sein ruppiges Publikum mit Freud, Dostojewski und Shakespeare behelligt, muss Lehrgeld bezahlen, kommt irgendwann aber auf eine einschneidende Idee: Er will lernen, wie Serienmörder ticken, indem er mit diesen spricht. In Kalifornien besucht er, angeregt durch den Cop-Kollegen Detective Molina (Felix Solis aus "NYC 22"), den nekrophilen "Co-Ed Killer" (Schülerinnenmörder) Edmund Kemper. Shepard ist entsetzt, beschert Ford und Tench dann aber doch ein eigenes Kellerbüro, in dem sie eine Spezialeinheit versammeln können.

Bis zu diesem Punkt, an dem die Geschichte eigentlich erst richtig losgeht, benötigen Penhall und Fincher zwei einstündige, beeindruckend dicht inszenierte Episoden, die allerdings sehr langsam und nicht immer geschmeidig in die Gänge kommen: Die dritte Hauptfigur, Psychologin Wendy Carr (gespielt von "Fringe"-Star Anna Torv), wird sogar erst in Episode drei dazustoßen.

Gewiss, genau wie die anderen Netflix-Originals ist die Serie erkennbar auf ein ununterbrochenes Binge-Watching angelegt, weshalb der langsame Beginn in einer einzelnen Sichtungssitzung weniger ins Gewicht fällt als in einem Betrachtungsmodus mit Pausen, doch gerade die Pilotepisode krankt daran, dass Penhall zu viel Zeitgeschichte und Charaktermotivation in zu kurzer Zeit unterbringen will. In jedem zweiten Satz wird Setting-Information transportiert: Von der Operation Entebbe bis zum "Son of Sam" wird alles, was damals in den Nachrichten war, referiert, und der Soundtrack spielt uninspiriert alles an, was 1977 im Radio zu hören war, von Toto über 10CC, von Steve Miller bis Don McLean. Fast aufdringlich wird es, als Ford in einer Bar die attraktive, supercoole und vorwitzige Soziologiestudentin Debbie Mitford (Hannah Gross) kennenlernt, die ihn dann während des Konzerts einer Proto-Punk-Band in eine Diskussion über Emile Durkheim und den Etikettierungsansatz verwickelt. Das erinnert eher an ein zwanghaft auf cool getrimmtes Proseminar über Kriminalpsychologie als an den Kennenlern-Flirt eines angeschickerten Regierungsbeamten und einer 24-jährigen Akademikerin. Natürlich wird Debbie trotzdem Fords Freundin, gemeinsam schauen sie im Kino "Hundstage" mit Al Pacino an.

Zum Glück wird dieser leicht ungelenke Info-Ballast schon in der zweiten Folge weitgehend abgeworfen. Darin wachsen sich die Treffen zwischen Holt und Kemper im Gefängnis zu beklemmend intensiven Höhepunkten aus: Zu loben ist hier besonders Schauspieler Cameron Britton, der den riesenbabyhaften Killer mit Schnauzer und Hornbrille beängstigend jovial, mit ruhiger Stimme und präzise zwischen Selbstmitleid und Größenwahn anlegt. Wie der Mann, der seine Opfer tötete, verstümmelte und posthum sexuell missbrauchte, seine Taten als "Oeuvre" verklärt, vor Misogynie und Menschenhass strotzt, sich aber gleichzeitig den eigenen Foltertod wünscht und frühkindliche Demütigungen durch die Mutter als charakterlich wegweisend durchscheinen lässt, das ist zugleich schwer zu ertragen und faszinierend: Britton toppt hier fast Anthony Hopkins im Fach des intelligenten Serienmörders. Fincher weiß seit "Sieben", wie man Verhöre mit Psychopathen so inszeniert, dass man seinen Blick kaum abzuwenden wagt (obwohl man's eigentlich möchte).

Herkömmliche Proceduralkost scheint in "Mindhunter" jedenfalls nicht im Mittelpunkt zu stehen, auch wenn es Tench und Ford zwischendurch mit verzweifelten Provinzcops (darunter Peter Murnik als Detective Carver in Sacramento) zu tun bekommen, die sie in ungelösten Mordfällen um Rat fragen. Gut möglich, dass sich das weiter durch den Plot zieht. Eher aber scheinen Penhall und Fincher (der vier der zehn Folgen der ersten Staffel inszenierte) den Weg aus computerloser Vorzeit hin zur Etablierung des wissenschaftlich fundierten Profilings in der Kriminologie nachvollziehen zu wollen; auf Interviewszenen mit weiteren Serientätern der Zeitgeschichte darf man sich auf jeden Fall gefasst machen. Die Action liegt hier nicht im Rabatz, sondern in den Wortwechseln. "Mindhunter", kann man sagen, ist eine Studie über Psychostudien: wortlastig, aber spannend. Das ist eine durchaus vielversprechende Prämisse, und man merkt schon in Episode zwei, wie sie aufzugehen beginnt. Dass die weiteren Folgen von Könnern wie Asif Kapadia ("Amy", "Senna") und Tobias Lindholm ("A War") inszeniert wurden, gibt Grund zur Zuversicht, dass es dabei auch bleibt.Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten beiden Episoden der Serie "Mindhunter".


Meine Wertung: 4.0/5


Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: Patrick Harbron/Netflix



Die erste Staffel von "Mindhunter" ist seit dem 13. Oktober im Angebot von Netflix verfügbar.

Trailer zu "Mindhunter"

 

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Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").