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TV-Kritik/Review: "The Orville": Staffel 3 der Seth-MacFarlane-Serie bleibt "bestes 'Star Trek'"

Späte Fortsetzung zeigt sich menschlich, sensibel und charakterzentriert
Promofoto zur dritten Staffel von "The Orville" mit Crew und Gästen auf der Brücke
Michael Desmond/Hulu
TV-Kritik/Review: "The Orville": Staffel 3 der Seth-MacFarlane-Serie bleibt "bestes 'Star Trek'"/Michael Desmond/Hulu

Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Das fragte schon Science-Fiction-Urgestein Philip K. Dick in seiner literarischen Vorlage für  "Blade Runner". Nach Ansehen der Auftaktfolge der dritten Staffel von  "The Orville" mit dem Titel "Electric Sheep" lässt sich feststellen: Sie träumen zwar nicht, aber sie können Suizid begehen, wenn sie das für eine logische Konsequenz halten. Böse Träume hat hingegen Marcus (BJ Tanner), der ältere Sohn von Schiffsärztin Dr. Finn, der in diesen verzweifelt durch die Gänge der von den Kaylon angegriffenen Orville rennt.

Mit dieser rasanten Actionszene beginnt die späte Fortsetzung der ehemaligen FOX-Serie von und mit Seth MacFarlane, die jetzt beim US-Streamingdienst Hulu gelandet ist. Nach diversen Verschiebungen und Drehunterbrechungen durch Corona sind fast drei Jahre vergangen, seit die zweite Staffel über den Äther ging. Trotz des neuen Untertitels "New Horizons" handelt es sich bei den neuen Episoden aber nicht um ein irgendwie geändertes Konzept oder eine Miniserie, sondern um eine reguläre Fortsetzung, die fast nahtlos an das zweite Staffelfinale anknüpft.

Nach dem beinahe tödlich ausgegangenen Konflikt mit den Kaylon ist an Bord der USS Orville auf den ersten Blick wieder alles wie zuvor. Aber nicht nur Marcus Finn hat noch Albträume - wie er hat ein Großteil der Crew ein Problem damit, dass der Kaylon Isaac (Mark Jackson) weiterhin zur Mannschaft gehört. Schließlich wollte sein Volk die Menschheit auslöschen, auch wenn sich Isaac am Ende auf die Seite der Menschen gestellt hat. Während er von seinen Kameraden gemieden wird, wünscht ihm sein einstiger Freund Marcus sogar den Tod. Zwar behauptet Isaac, als künstliche Lebensform diese ihm entgegengebrachten negativen Gefühle lediglich zu registrieren. Aber dann liegt er plötzlich leblos in seinem Labor. Die Diagnose: Suizid.

Endlich zurück auf dem Captain-Stuhl: Ed Mercer (Seth MacFarlane)
Endlich zurück auf dem Captain-Stuhl: Ed Mercer (Seth MacFarlane) Michael Desmond/Hulu

Für die Leitungscrew um Captain Ed Mercer (MacFarlane) stellt sich nicht nur die praktische Frage, ob es möglich ist, den Androiden wieder zum "Leben" zu erwecken, sondern auch die moralische, ob das überhaupt wünschenswert wäre. Eine klare Meinung dazu hat die neu zur Orville gestoßene Navigatorin Ensign Charly Burke (Anne Winters), die selbst den Kaylon-Angriff nur knapp überlebt hat: Die Crew wäre ohne Isaac besser dran. Mit ambivalenten Gefühlen muss hingegen Dr. Claire Finn (Penny Johnson Jerald) kämpfen, die romantische Gefühle für den Androiden entwickelt hatte.

Für eine Serie, die ursprünglich als hemmungslose und manchmal etwas vulgäre Parodie auf  "Star Trek" angelegt war, ist es absolut bemerkenswert, wie sensibel und differenziert in dieser Folge das Thema Suizid thematisiert wird. Dabei geht es ebenso um die Beweggründe der Handelnden wie um das Schuldgefühl der Hinterbliebenen. Dass der "Verstorbene" hier ein Androide ist, ist dabei im Grunde zweitrangig und nur der Sci-Fi-Rahmen für ein höchst menschliches Thema, so wie es auch bei  "Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert" in seinen besten Momenten immer war. MacFarlane, der diese Folge selbst geschrieben und inszeniert hat, erweist sich damit einmal mehr als wahrer Erbe Gene Roddenberrys.

Nur auf den ersten Blick ein höfliches Gespräch unter Kameraden: Ensign Charly Burke (Anne Winters) und Isaac (Mark Jackson)
Nur auf den ersten Blick ein höfliches Gespräch unter Kameraden: Ensign Charly Burke (Anne Winters) und Isaac (Mark Jackson)Michael Desmond/Hulu

Schon in der ersten Staffel war "The Orville" in weiten Teilen ernsthafter, als viele Kritiker es wahrhaben wollten. Staffel 2 fuhr die platten Sprüche weiter zurück und brachte stattdessen die epische Handlung um den Kaylon-Konflikt. Diese Entwicklung setzt Staffel 3 - zumindest nach den ersten beiden Episoden zu urteilen - weiter fort. Es gibt jeweils nur noch zwei bis drei echte Gags pro Folge, die sich "Star Trek" nicht trauen würde. Auch diese sind inzwischen aber eher charmant als vulgär. Etwa, wenn Dr. Finns nach langer Zeit auftauchender Ex-Gatte in Folge 2 Isaac fragt, was seine Ex heutzutage so beschäftige. Nach Plattitüden wie "Sie liebt ihre Kinder, ihren Beruf und hilft gerne Menschen" kommt der Androide auf ihre bevorzugten Freizeitaktivitäten zu sprechen: "...sexuelle Kontakte", und kann gerade noch gestoppt werden, bevor er ihre Lieblingsstellungen aufzählen will.

Von solchen gelegentlichen Gags abgesehen, sind auch die neuen Folgen einfach bestes "Star Trek". Es gibt spektakuläre Actionszenen, auch wenn die Raumschlachten immer auch ein wenig den Charme früher CGI-Technik wie etwa aus  "Deep Space Nine" ausstrahlen. In Folge 2 verfolgen monströse Kreaturen Crewmitglieder durch die Jefferies-Röhren (die hier vermutlich nicht so heißen), als wäre man in einem  "Alien"-Film. Das ist aber im Grunde alles nur willkommenes Beiwerk, im Mittelpunkt stehen immer die Charaktere. Trotz der langen Pause war es selten so schön, einen Seriencast wiederzusehen und schon nach einigen Minuten fühlt man sich als Fan wieder heimisch.

Gestörtes Verhältnis? Isaac und Ty Finn (Kai Wener)
Gestörtes Verhältnis? Isaac und Ty Finn (Kai Wener) Michael Desmond/Hulu

Der Wechsel vom Network-Fernsehen zum Streaming bringt den einzigen spürbaren Unterschied zu den Vorgängerstaffeln mit sich: mehr Zeit. Befreit vom Korsett der knapp 45 Minuten dauern die Folgen jetzt jeweils etwas mehr als eine Stunde, was der Charakterisierung der Figuren nur gut tut. Auch nach dem überraschend gelungenen Auftakt von  "Star Trek: Strange New Worlds", das sich ebenfalls auf die Stärken der alten Trek-Serien zurückbesinnt, bleibt "The Orville" im Grunde aktuell das "einzig wahre Star Trek": warmherzig, philosophisch, menschlich. Sollte Hulu nach dieser Staffel den Stecker ziehen, kann man nur noch hoffen, dass auch die Verantwortlichen bei Paramount das endlich merken.

Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten beiden Episoden von "The Orville: New Horizons".

Meine Wertung: 4/5

Die dritte Staffel läuft in den USA seit dem 2. Juni beim Streamingdienst Hulu. In Deutschland soll sie demnächst bei Disney+ zu sehen sein.


 

Über den Autor

  • Marcus Kirzynowski
Marcus Kirzynowski ist Düsseldorfer Journalist und Serienfreund; wuchs mit "Ein Colt für alle Fälle", "Dallas" und "L.A. Law" auf; Traumarbeitgeber: Fisher & Sons, County General Notaufnahme; die Jobs auf dem Battlestar Galactica und im West Wing wären ihm hingegen zu stressig; Wunschwohnort: Cicely, Alaska. Schreibt über amerikanische und europäische TV-Serien sowie andere Kultur- und Medienthemen, u.a. für TV Wunschliste und sein eigenes Online-Magazin Fortsetzung.tv.

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Leserkommentare

  • Serienfan47 schrieb am 13.06.2022, 07.36 Uhr:
    Ein sehr schöner Beitrag, der die Stärken von "The Orville" klar benennt. Die Serie entdeckt auch die Schönheit langsam vorbei schwebender Raumschiffe und weiß, dass in einer Science-Fiction-Serie in der Ruhe die Kraft liegt. Andere Serien nutzen die CGI-Möglichkeiten meist nur für eine langweilige "Action". Die Figuren werden klar definiert, ohne in jedem Bereich Super-Koryphäen oder von bösen Traumatas geplagte seelische Wracks sein zu müssen.
  • Beitrag entfernt
    Beitrag vom Autor entfernt.
  • Peter123 schrieb am 12.06.2022, 12.37 Uhr:
    Auf Amazon kann man ja schon die Staffel kaufen, aber trotz Anzeige nur im O-Ton.
    Bevor die Syncro nicht durch ist, wird es nicht auf Disney+ kommen!