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TV-Kritik/Review: "Truth Seekers": Gruselkomödie mit Nick Frost und Simon Pegg kommt nicht auf Touren

Es witzelt und gruselt in der neuen Serie von Prime Video
Das Figurenensemble von "Truth Seekers"
Prime Video
TV-Kritik/Review: "Truth Seekers": Gruselkomödie mit Nick Frost und Simon Pegg kommt nicht auf Touren/Prime Video

Sie sind eines der großen Traumduos der britischen Komödie: Simon Pegg und Nick Frost. Mit den Filmen  "Shaun of the Dead",  "Hot Fuzz" und  "The World's End" perfektioniert sie zwischen 2004 und 2013 die hohe Kunst der Verschränkung von Comedy und Genrefilm: Zombiehorror, Cop-Krimi und Endzeit-Science-Fiction wurden von ihnen dabei nicht so sehr parodistisch durch den Kakao gezogen, sondern eher als Grundlage dafür ernstgenommen, ihre komödiantischen Absurditäten darauf umso deutlicher schillern lassen zu können. Dass das damals so gut gelang, lag allerdings nicht zuletzt auch an Regisseur Edgar Wright. Der ist bei Pegg und Frosts erster gemeinsamer Serie (seit der bei uns nie gelaufenen Comedy  "Spaced" vor 20 Jahren) nun allerdings nicht dabei. Und ein bisschen merkt man das leider auch.

In den erwähnten Filmen der sogenannten "Cornetto"-Trilogie (die heißt so, weil's in ihnen jeweils Scherze mit dem bekannten Speiseeis gab) war die Rollenverteilung klar: Der gemütliche Frost spielte den Sidekick zu Peggs spirrelig-nervösen Hauptfiguren. Doch in  "Truth Seekers" ist es jetzt mal umgekehrt: Im Zentrum der Serie steht Nick Frost, zauselbärtig und beleibter denn je, als verwitweter Rundfunktechniker Gus Roberts, Simon Pegg taucht pro Folge dagegen immer nur kurz auf - als Gus' Boss Dave, mit einer bemerkenswert lächerlichen Perücke auf dem Kopf.

"Truth Seekers" knüpft in gewisser Weise an Pegg/Frosts Durchbruch in  "Shaun of the Dead" an - indem die Serie Komödie und Grusel verknüpft. Dabei kümmert sie sich um die soziale Kleingruppe der Hobby-Parapsychologen, die (nicht nur) in ihrer Freizeit auf die Jagd gehen nach paranormalen Phänomenen, nach Geistern und Dämonen. Gus also ist ein solcher "Wahrheitssucher" - wie die Serie selbst heißt auch der von ihm betriebene YouTube-Kanal, auf dem er regelmäßig aus der hohlen Hand geschossene Videos von angeblich übersinnlichen Geschehnissen hochlädt: Da steht er dann vor langsam zufallenden Türen und vermutet Geisterhand. Viele Likes gibt es dafür nicht.

Chef Dave (Simon Pegg) mit Gus Roberts (Nick Frost) in "Truth Seekers"
Chef Dave (Simon Pegg) mit Gus Roberts (Nick Frost) in "Truth Seekers" Colin Hutton/Stolen Pictures/Amazon Prime

Zum Glück macht sich die Serie - alle acht Folgen für Prime Video wurden von Jim Field Smith (UK-Folgen von  "Criminal",  "Stag") inszeniert - nicht wohlfeil über Gus lustig, obwohl sein unaufgeräumtes "Büro" im Esszimmer eines im Wald gelegenen Hauses nach Chaos aussieht und sein Werkzeug aus Messgeräten, alten Radios und "elektroplasmischen Spektrometern" reichlich nerdig daherkommt. Die Bezeichnung "Ghost Detector" erinnert Liebhaber britischer Komödien natürlich sofort an die Metalldetektoren aus Mackenzie Crooks meisterhafter BBC-Serie  "Detectorists" - auch das war eine Produktion, die Männer mit sonderbaren Hobbys nicht an billige Lacher verriet, sondern Komik und Melancholie mit großem Feingefühl austarierte. Auch Gus wird nun nicht zum trotteligen Fanboy verzwergt: In den Stories hält er schon die Fäden in der Hand.

Als der aalglatte Dave ihm eines Tages einen neuen Mitarbeiter als Lehrling für den Außendienst an die Seite stellt, ist Einzelgänger Gus zunächst gar nicht begeistert. Der neue Mann im grünen Lastwagen, mit dem Gus täglich durch die Schafweidenlandschaften in Sussex gurkt, um defekte Internetanschlüsse zu reparieren, trägt den vorbelasteten Namen Elton John, und sein Darsteller Samson Kayo bietet ein gutes Pingpong aus Deadpan-Humor und Grimassenkunst. Doch als sie schon bei ihrer ersten Dienstfahrt zum unheimlichen Herrenhaus einer alten Dame ein geheimes Zimmer entdecken, in dem unter anderem Aufzeichnungen über "Seelentrennung" und ein skelettierter Roboterhund auf sie warten, ist klar, dass Elton zu Gus' Assistenten werden muss: Fortan ghostbusten sie gemeinsam, und es ist vielleicht die beste Idee der Serie, dass Gus, der jahrelang offenbar völlig erfolglos nach paranormalen Ereignissen forschte, mit Elton an seiner Seite plötzlich quasi überall auf Geister trifft. In der dritten Folge stößt dann noch die junge Astrid (Emma D'Arcy) zu ihnen, die in den beiden Auftaktepisoden zunächst recht undankbar wortlos vor diversen grusligen Geistern fliehen muss - unter ihren Verfolgern befindet sich übrigens die verkohlte Version ihrer Mutter, die Astrid zuvor in Flammen hatte aufgehen sehen. Damit ist das Geist-Detektoren-Team für den Rest der Show komplett.

Neuzugang Elton (Samson Kayo) in "Truth Seekers"
Neuzugang Elton (Samson Kayo) in "Truth Seekers"Sophie Pettifer/Stolen Pictures/Amazon Prime Video

Dramaturgisch fallen die ersten Folgen dabei in die Fall-der-Woche-Kategorie: Dave schickt Gus und Elton nacheinander (zufällig?) in ein Spukhaus, ein Spukhotel und auf die Spur eines im Mittelalter auf Menschenhaut geschriebenes Gruselbuches; die Episoden beginnen meist mit einem horrorlastigen Cold Open, deren Hintergründe die Geisterjäger dann in der Folge aufklären. Diese "Fälle" erinnern mal an  "Twilight Zone", mal an  "Doctor Who" - so geht's in Folge zwei etwa um einen Zahlensender, der als ghost in the machine plötzlich geheimnisvolle Codes abwirft und Gus und Elton in verwunschenen Kellern auf die Spur von Ereignissen aus dem Zweiten Weltkrieg bringt; in der dritten Folge wird viel Hokuspokus getrieben und mit lateinischen Versen und Exorzismen auf allerlei Genreklassiker angespielt.

Richtig gruselig wird es allerdings nie. Ja, es gibt ein paar Schreckmomente und grausig zurechtgemachte Horrorgestalten, doch ausdauernd zum Fürchten ist das nicht. Richtig witzig wird es aber leider auch nicht. So griffig die Figuren von Gus und Elton auch schon nach wenigen Szenen sind - allzu viel wird noch nicht aus ihnen gemacht. Vom Wesen und Werk der Hobby-Parapsychologen kriegt man noch nicht sehr viel mit - jenseits der dubiosen Technik, die Gus verwendet, der von ihm gelesenen "Fach"-Zeitschrift "White Sheets" und den Verweisen auf einen berühmten Verschwörungstheoretiker, der in den restlichen Episoden noch eine Rolle spielen dürfte. Gus, dessen Identifikation mit seiner Firma "Smyle" so weit geht, dass er die Mütze mit deren Logo sogar privat trägt, hat vor Jahren seine Frau verloren, und allmählich kristallisiert sich heraus, dass sein Interesse fürs Übersinnliche wohl in diesem tragischen Verlust begründet liegt: Könnte er womöglich einen Weg finden, mit der toten Emily Kontakt aufzunehmen? Doch mehr als Beiwerk ist das bislang nicht.

Das Team: Astrid (Emma D'Arcy), Gus (Nick Frost) und Elton (Samson Kayo)
Das Team: Astrid (Emma D'Arcy), Gus (Nick Frost) und Elton (Samson Kayo) Colin Hutton/Amazon Prime/Stolen Pictures

Ganz bei sich ist die Serie nur in den Szenen mit Gus und Elton - wenn sie etwa in potenziell geisteraffinen Momenten die Kamera auspacken und auf unbekümmerte Weise beginnen, ihre ungelenken YouTube-Videos zu drehen. Viele Gags entfalten sich dabei auf der Sprachebene in Form von Missverständnissen und Wortspielen - da lohnt sich wie meist die Originalfassung, denn die Synchrontexter dürften Probleme haben, Witze ins Deutsche zu übertragen, die beispielsweise um den Unterschied von urine und brine kreisen.

Die Nebenfiguren bleiben in den ersten Folgen ebenfalls seltsam unterbelichtet: Als Gus' grantiger Vater Richard macht sich Altstar Malcolm McDowell ( "Uhrwerk Orange",  "Star Trek - Treffen der Generationen") zwar ein paar köstliche Auftritte, doch die halbgaren Scherze über alte Männer im defekten Treppenlift, die sich beim versehentlichen Upload peinlicher Videos zum Horst machen, hat man gefühlt schon zu oft gesehen. Via YouTube gerät er ausgerechnet an Eltons agoraphobische und auch sonst sehr ängstliche Schwester Helen (Susan Wokoma aus  "Chewing Gum"), die nie die Wohnung verlässt und die Welt mit Schminkvideos unterhält. Mal abwarten, was aus diesen beiden Figuren noch entwickelt werden kann.

Eltons Schwester Helen (Susan Wokoma) und Gus' Vater Richard (Malcolm McDowell) in "Truth Seekers"
Eltons Schwester Helen (Susan Wokoma) und Gus' Vater Richard (Malcolm McDowell) in "Truth Seekers" Amazon Prime Video/Stolen Pictures

Pegg und Frost, die die Serie gemeinsam mit dem Autorenduo Nat Saunders und James Serafinowicz entwickelt haben (in deren Serie  "Sick Note" Frost zuvor mitwirkte), sorgen fraglos für eine gewisse Grundunterhaltsamkeit: Die halbstündigen Episoden sind knackig und langweilen nie, die Produktion ist sorgfältig gestaltet und wartet auch immer wieder mit amüsanten Gastdarstellern auf: Patricia Brake ( "Nicholas Nickleby") als Gruseloma mit Geheimnis in der Pilotfolge, Comedian Kevin Eldon ( "Nighty Night") und Robin Weaver ( "The Inbetweeners") als schrulliges Hoteliersehepaar in der zweiten Folge oder Morgana Robinson ( "The Windsors") als offenherziges Medium in der dritten.

Unter anderem sind für den Rest der Serie noch Gäste wie Popsängerin Kate Nash (schon  "GLOW") und  "Boardwalk Empire"-Star Kelly Macdonald angekündigt. Dazu gibt es liebevolle Details: Das Spukhotel (in dem es nur aus Marketinggründen spukt) etwa offeriert Zimmer mit Namen wie "Psycho Room", "Nightmare On Elm Suite" oder "Raum 237" (in dem nur mutige Kenner von  "Shining" absteigen würden). Und das Cornetto-Eis aus den Filmen wurde als Gaglieferant durch Chips der fragwürdigen Geschmacksrichtung "Prawn Cocktail" ersetzt.

Das ist schon amüsant - aber mehr als diese Schmunzler bieten die Folgen eben auch nicht. Die absolute Pointiertheit der Witze, das Timing, die begnadete Trockenheit, die "Shaun of the Dead" damals zum Kult-Hit machte, geht "Truth Seekers" jedenfalls deutlich ab.

Vielleicht wäre mit "Cornetto"-Regisseur Edgar Wright am Ruder mehr aus dem Thema gemacht worden - immerhin gibt es ja Ansatzpunkte, die sich aufdrängen. Allein der Titel "Truth Seekers" und der gewichtige Anteil, den Online-Videos in der Serie dramaturgisch spielen, hätte Möglichkeiten genug geboten, generellere Aussagen zu treffen über die Kultur von Fake News und gruppenzentrierten Desinformationsangeboten. Die Grenze zwischen esoterischen Spleens und verschwörungstheoretischem Abdriften ist bekanntlich schmal, doch in dieses Terrain wagen sich die vier Autoren - zumindest eingangs - gar nicht vor. Dabei läge darin doch der eigentliche Horror.

Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten drei Episoden von "Truth Seekers".

Meine Wertung: 3/5

Prime Video hat die achtteilige erste Staffel von "Truth Seekers" am 30. Oktober 2020 weltweit veröffentlicht.

Trailer zu "Truth Seekers"


 

Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").

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Leserkommentare

  • chris40 schrieb am 31.10.2020, 03.44 Uhr:
    Machen wir uns mal nix vor, wenn das eine serie mit Unbekannten Schauspielern wäre, Rohrkrepierer!!
    Ich suche schon lange nach einer Erklärung, eventuell kann mir Herr Andreas als Kommunikationswissenschaftler ja helfen, warum werden heute so viele Serien in Schmalbild gezeigt. Kaum einer auf diesem Planeten hat ein 21:9 TV, alle haben 16:9!!!???? Jedesmal ärgere ich mich schwarz, gerade bei Serien wie Star Trek, verliert man durch das künstliche Strecken des Bildes enorm an Qualität.Woher kommt diese Unsitte und WARUM???
 

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