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TV-Kritik/Review: "Patrick Melrose": Benedict Cumberbatch beeindruckt in abgründiger Miniserie

TV-Kritik/Review: "Patrick Melrose": Benedict Cumberbatch beeindruckt in abgründiger Miniserie

von Gian-Philip Andreas (28.05.2018)
Gepeinigter Zyniker findet den Ausweg ins Leben
Benedict Cumberbatch ist "Patrick Melrose"
Bild: Showtime
TV-Kritik/Review: "Patrick Melrose": Benedict Cumberbatch beeindruckt in abgründiger Miniserie/Bild: Showtime

Benedict Cumberbatch ist einer der größten britischen Stars der Film- und Fernsehwelt, und er hat sich dabei geschickterweise bei den unterschiedlichsten Zielgruppen einen Namen gemacht: Den Qualitätskinogängern ist der Oscarpreisträger durch preisveredelte Filme wie "The Imitation Game" ein Begriff, zum wahrscheinlich niemals mehr endenden Marvel Cinematic Universe hat er sich als "Doctor Strange" Zugang verschafft, und für die BBC gab er seit 2010 bislang 15-mal den "Sherlock" - auf so ikonische Weise, dass Nachgeborene sich in der Rolle des Meisterdetektivs kaum jemand anderen mehr vorstellen können.

Längst kann sich der 41-Jährige die Rollen aussuchen und sich das Ausgesuchte dann als "Executive Producer" auf den Leib schneidern lassen ­- so jetzt geschehen in "Patrick Melrose", einem für den Pay-TV-Kanal Showtime produzierten Fünfteiler. Die Miniserie basiert auf den fünf zwischen 1992 und 2012 erschienenen Melrose-Romanen des britischen Autors Edward St. Aubyn, die längst Kultstatus genießen: Mit beißend schwarzem, oft niederschmetternd bitterem Humor verarbeitet St. Aubyn in diesen halb-autobiografischen Texten das langsame Erwachen eines reichen und versnobten Upper-Class-Sprösslings aus seinen ersten drei Lebensjahrzehnten, die von Missbrauch und Drogensucht geprägt waren. Fünf Romane für fünf Lebensstufen: Die einstündigen Episoden von "Patrick Melrose" folgen dieser Struktur - ein Vorgehen, das sich für Cumberbatch schon einmal auszahlte: Die HBO-Miniserie "Parade's End - Der letzte Gentleman", in der er 2012 spielte, basierte auf mehreren Romanen des Schriftstellers Ford Madox Ford und wurde für fünf Emmys nominiert. Produktionen, in denen Schauspieler Figuren in unterschiedlichen Lebensaltern verkörpern dürfen, sind bei den Preisjuroren traditionell beliebt, das wird Cumberbatch wissen, und diesen epischen Atem, der auch Qualitätsminiserien wie etwa "Olive Kitteridge" auszeichnete, atmet "Patrick Melrose" erst recht. So spielt Cumberbatch die Titelfigur vom suchtgeschüttelten Twentysomething bis zum erstmals halbwegs zur Ruhe gekommenen Endvierziger.

Patrick Melrose
Benedict Cumberbatch ist Patrick Melrose

Schnell wird klar, dass die auf jeweils höchstens zwei Tage Erzählzeit kondensierten Episoden - trotz aller Kürzungen - dem Geist der Romane treu bleiben. Der Raum zwischen absurdem Witz und tiefster Lebensverzweiflung wird immer wieder vollständig durchmessen, oft geht es innerhalb weniger Momente mehrfach hin und her. Die größte dramaturgische Änderung nimmt Drehbuchautor David Nicholls ("Zug um Zug") in der Anordnung der Episoden vor: Anstatt mit der Kindheitsepisode zu beginnen, beginnt die Serie im Jahr 1982, mit dem zweiten Band, in dem Patrick erfährt, dass sein Vater gestorben ist. Zwischen der ersten Szene, in der Patrick zugedröhnt den Telefonhörer abhebt und während des Telefonats mit einem alten Weggefährten des Vaters nach einer zu Boden gefallenen Heroinspritze fischt, und dem nachdrücklich bewegenden letzten Moment der Episode, in dem Zyniker Patrick, wiederum am Telefon, seinen Junkie-Kumpel Johnny (Prasanna Puwanarajah aus "You, Me and the Apocalypse") bittet, ihn beim Entziehungsversuch helfen und dabei hemmungslos zu weinen beginnt, folgen wir Cumberbatch auf einer darstellerischen Tour de Force durch die verschiedensten Stadien des Druff-Seins.

Patrick Melrose
Patrick Melrose sucht die Nähe von Marianne (Allison Williams)

Von Freundin Debbie (Morfydd Clark) geht es für den promisken Playboy zunächst zur Geliebten Julia (Jessica Raine aus "Wölfe"), dann von London nach New York, wo Patrick die Asche des dort verstorbenen Vaters in Empfang nehmen soll. Doch im luxuriösen Drake Hotel gelüstet es ihn nach den nächsten Trips: Hypnotika, Heroin, Kokain, Whiskey, er spritzt, schnieft, schluckt alles, meistens auch alles auf einmal. Er trifft halbseidene Dealer, sucht aufdringlich die Nähe einer entfernten Bekannten ("Girls"-Star Allison Williams) und lässt das Treffen im Gentlemen's Club mit Bekannten seines Vaters ebenso peinlich entgleisen wie einen Besuch im Nobelrestaurant. Beim Martini mit Anne, einer alten Freundin der Familie (Indira Varma aus "Game of Thrones"), bringt er es fertig, erst einzunicken und dann wie aufgedreht durch den Raum zu springen. Kurze Zeit später will er sich, mal wieder, das Leben nehmen. Auf der Tonspur überschlägt sich eine grausige Kakophonie aus inneren Stimmen, mit denen Patrick richtet, streitet, blödelt.

Klar bewirbt sich Cumberbatch damit um Nominierungen für die Emmys und Globes, die da mit ziemlicher Sicherheit kommen mögen. Doch der exaltierten Romanfigur bleibt er jederzeit treu: Patrick Melrose ist das einzige Kind eines britischen Adeligen und seiner steinreichen US-amerikanischen Frau. In materiellem Luxus aufgewachsen, besucht er die feinsten Privat- und Hochschulen, für ein Leben, das ihm nichts abverlangt, außer vielleicht das stilvolle Ausgeben des vielen Geldes. Echte Ambition sei ohnehin vulgär, meint sein Vater. Patrick Melrose nutzt diesen Wohlstand für Drogen und für das Aufrechterhalten einer arroganten Kulisse - warum er ein Leben jenseits dieser Verpanzerung und außerhalb des dauerhaften Rauschzustands nicht erträgt, dafür liefert die in Tonfall und visueller Gestaltung ganz anders gelagerte zweite Episode aufschlussreiche Hinweise.

Patrick Melrose
Hugo Weaving brilliert als diabolischer Vater

Darin nämlich kommt Cumberbatch nur ganz kurz vor, der Rest der Episode führt fünfzehn Jahre zurück in den Spätsommer 1967 und bereitet den anderen Stars der Miniserie die Bühne: Jennifer Jason Leigh ("The Hateful 8") und Hugo Weaving ("V wie Vendetta") als Patricks Eltern. Wie jedes Jahr verbringen die Melroses den Sommer in ihrem Landhaus in Südfrankreich, umschwirrt von kaum weniger versnobten Londoner Bekannten, und während die dauerbeschickerte Mutter Eleanor ihren geerbten Reichtum moralisch kaum erträgt, streift Vater David wie ein Dämon im seidenen Morgenmantel durchs Gebäude. Die Haushälterin zittert vor seinen diabolischen Anspielungen, und Eleanor schaut weg, wenn er sich psychisch, physisch und sexuell am achtjährigen Patrick (Sebastian Maltz) vergeht. Die Idylle der Provence ist die Hölle auf Erden für das Kind, das schon damals suizidale Tendenzen zeitigt - wenn es etwa auf der morschen Abdeckung eines Brunnenschachts herumspringt. Weaving spielt den Vater als beängstigendes Scheusal, das den Frust über seinen in nie versiegenden Reichtum entgleisten Lebensweg (Komponist werden zu wollen, hatte er sich nicht getraut) in eine pervers-brutale Abhärtungspädagogik dem Sohn gegenüber übersetzt. Und Leigh imponiert als hilflose Mutter, die die Qual ihres Sohnes gezielt übersieht und ihre Schuld stattdessen in ein hyperaktives Engagement für zahllose Wohltätigkeitsorganistationen kanalisiert. Als sinnfälliges Symbol für den dekadenten Reichtum der Familie, unter dessen Schutzschirm die Fäulnis wabert, dient der Feigenbaum auf dem Grundstück, dessen herabgefallene reife Feigen niemand aufhebt: Als sich Eleanor einmal betrübt über diese Verschwendung zeigte, ließ David sie auf Knien durch den Garten krauchen und jede einzelne Feige verspeisen, heißt es einmal. In Momenten wie diesem vermischen sich psychologisches Charakterdrama und böse Kritik an einer gesellschaftlichen Schicht, die menschliche Empathie längst gegen eine alles verschlingende Entseeltheit eingetauscht hat. Das gelingt in den ersten zwei Stunden der Serie so fesselnd, dicht und bei aller abgründigen Komik immer wieder auch so ergreifend, dass man sich auf die weiteren Episoden, in denen Patricks weiterer Lebensweg samt Familiengründung nachvollzogen wird, nur freuen kann.

Patrick Melrose
Mutter Eleanor (Jennifer Jason Leigh) ist dem jungen Patrick (Sebastian Maltz) keine große Hilfe

Die ersten beiden, rundum gelungenen Episoden könnten jedenfalls unterschiedlicher kaum ausfallen: Auf den kühn montierten Drogentrip der Auftaktfolge, der an die visualisierten Rauschzustände aus "Trainspotting", "Requiem for a Dream" und "Fear and Loathing in Las Vegas" denken lässt, folgt die abgründige Urlaubsruhe in der Provence, in der sich ethisch bankrotte Menschen fiese Sätze an den Kopf werfen und das moralische Fegefeuer durch übersatt gepegelte Sixties-Primärfarben noch betont wird. Daher gilt es zum Schluss noch, ein fälliges Loblied auf den deutschen Regisseur Edward Berger zu singen: Der 48-jährige Wolfsburger, der seit den frühen Neunzigern Kinofilme ("Jack") dreht, hat sich nebenher via "Schimanski", "KDD - Kriminaldauerdienst" und "Tatort" bis hin zu "Deutschland 83" zum Serienregisseur der A-Liga emporgearbeitet. Dieses Jahr dürfte ihm mit drei superben Folgen von "The Terror" und nun noch dem stilistisch beeindruckenden "Patrick Melrose" der internationale Durchbruch gelungen sein.

Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten beiden Episoden von "Patrick Melrose".

Meine Wertung: 4.5/5


Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: Showtime


"Patrick Melrose" ist als Deutschlandpremiere ab dem 29. Mai immer dienstags um 20.15 Uhr bei Sky 1 zu sehen.

Trailer (englisch)

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Leserkommentare

  • Fienchen schrieb am 29.05.2018, 19.18 Uhr:
    FienchenIch hab's gleich bei Amazon uk vorbestellt.
 

Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").